Holmes und Watson

Detektivfilm | USA 2018 | 90 Minuten

Regie: Etan Cohen

Privatdetektiv Sherlock Holmes und sein Assistent Watson verzetteln sich auf den Spuren eines Attentäters, der die britische Königin Victoria umbringen will, in einem Sammelsurium überwiegend degoutanter Slapstick-Gags. Ein billig zusammengezimmertes, niveauloses Spektakel, in dem die Schauspieler als Protagonisten einer vermeintlichen Parodie auf Roman- und Filmklischees des überstrapazierten Genres missbraucht werden. Satirische Anspielungen auf die Gegenwart und der späte Umschlag in ein Musical können den Film nicht retten. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
HOLMES & WATSON
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Etan Cohen
Buch
Etan Cohen
Kamera
Oliver Wood
Musik
Christophe Beck · Mark Mothersbaugh
Schnitt
Erik Jessen · Dean Zimmerman
Darsteller
Will Ferrell (Holmes) · John C. Reilly (Watson) · Ralph Fiennes (Moriarty) · Lauren Lapkus (Millie) · Kelly MacDonald (Mrs. Hudson)
Länge
90 Minuten
Kinostart
07.02.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Detektivfilm | Komödie | Krimi | Persiflage
Diskussion

Parodistisches Spektakel um den Privatdetektiv Sherlock Holmes und seinen Assistent Watson, die sich auf der Suche nach einem Attentäter, der die britische Königin Victoria töten will, in einem Sammelsurium degoutanter Slapstick-Gags verzetteln.

Slapstick-Komödien werden heutzutage nur noch nachgeäfft, nicht mehr neu erdacht. Wer sich „Holmes & Watson“ als Abendunterhaltung aussucht, sollte Verstand und Geschmack vorher an der Kinokasse hinterlegen. Charlie Chaplin und Harold Lloyd könnten kaum weiter entfernt sein; selbst im Vergleich zu Laurel & Hardy werden Will Ferrell und John C. Reilly in dieser schwachbrüstigen Parodie ständig unter Preis verkauft. Nach „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ und „Die Stiefbrüder“ ist „Holmes und Watson“ für beide ein weiterer Schritt abwärts.

Manchmal vergeht einem das Lachen vor allem deshalb, weil es nicht allein Ferrells und Reillys Schuld ist, dass die meisten Gags nichts als plumpe Geschmacklosigkeiten sind, sondern weil Buch und Regie so wenig zu erkennen geben, was eine gute Slapstick-Komödie ausmacht. Übertrieben seltsame Figuren in lauter unpassenden Situationen sich austoben zu lassen, ist allein noch nicht komisch, vor allem dann nicht, wenn die Gags dem Zuschauer über den Kopf geschlagen werden, als wolle man ihn zwingen, nun doch endlich einmal zu lachen.

Dabei ist es gar nicht so, als könnte das Grundmaterial des Films nicht komisch sein. Man braucht in der Filmgeschichte nicht bis zur Stummfilmzeit zurückzugehen, um Vergleichbares zu finden. „Eine Leiche zum Dessert“, „Galaxy Quest“ und „Die nackte Kanone“ waren von ganz ähnlichem Kaliber. Aber sie verstanden es, ihren Humor richtig zu dosieren und in eine Story einzubetten, die alles motiviert und zusammenhält.

Die rudimentären Ansätze von Story würden kaum für einen Kurzfilm reichen

Einer der ärgsten Mängel von „Holmes und Watson“ ist die Tatsache, dass es hier so gut wie keine Story gibt. Die rudimentären Ansätze würden kaum für einen Kurzfilm reichen. Es geht darum, dass ein unbekannter Bösewicht das Leben von Queen Victoria bedroht und seine Missetaten so aussehen lässt, als gingen sie auf das Konto von Professor Moriarty, Sherlock Holmes’ Nemesis. Holmes und Watson werden in einem Prolog als Schulkinder eingeführt, die es schon auf dem Schulhof mit Horden von Rüpeln aufnehmen mussten. Holmes habe dort gelernt, seine Emotionen zu unterdrücken und künftig nur noch seinem Verstand zu folgen, woran im Verlauf des Films unnötig oft erinnert wird. Mit- und Gegenspieler, die für jede Komödie von lebenswichtiger Bedeutung sind, kommen über das Niveau von Statisten nicht hinaus, auch wenn ihre Darsteller Ralph Fiennes und Hugh Laurie heißen.

Bleibt die unleugbare Chemie zwischen Ferrell und Reilly, die schon in den früheren Filmen des Duos so manchen schalen Witz gerettet hat. Statt ihr einfach zu vertrauen, steigert sie Regisseur Etan Cohen (nicht zu verwechseln mit Ethan Coen) ins Absurde, vermutlich um den Gags eine zusätzliche Dimension zu verschaffen, auf die der Zuschauer von selbst wohl kaum gekommen wäre. Manchmal geht die Rechnung auf, viel häufiger aber nicht.

Was aus „Holmes und Watson“ hätte werden können, zeigen einige Szenen, in denen der Film die US-amerikanische Gegenwart aufs Korn nimmt. Ähnliches gilt für das filmhistorisch zwar nicht neue, aber auch hier wieder zündende Wagnis, den ganzen Detektiv-Unsinn in ein Musical umschlagen zu lassen. Beides sind späte Ansätze einer sinnvollen Parodie, aber zu wenig, um den Film zu retten.

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