Krimi | USA 2019 | 132 Minuten

Regie: John Lee Hancock

Die Geschichte des legendären Gangster-Pärchens Bonnie & Clyde aus der Perspektive der Gesetzeshüter, die sie schließlich 1934 zur Strecke brachten: Kevin Costner und Woody Harrelson spielen zwei ehemalige Texas Ranger, die zu Rate gezogen werden, als sich Polizei und FBI überfordert davon zeigen, den Raubzügen von Bonnie Parker, Clyde Barrow und der "Barrwo-Bande" ein Ende zu bereiten. Der Film folgt den beiden bei ihrer Jagd nach den Gaunern durch ein ländliches, von der Depressionszeit gezeichnetes Amerika, in dem die Bankräuber als "vigilante heros" kultisch veehrt werden und die Ermittler entsprechend wenig Unterstützung finden. Dabei geht der Film merklich auf Distanz zum Mythos um Bonnie & Clyde, zeigt aber auch seine Hauptfiguren allenfalls als gebrochene Helden, die eine Rechtsstaatlichkeit vertreten, die sich vom Verbrechen nicht trennscharf unterscheidet. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE HIGHWAYMEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
John Lee Hancock
Buch
John Fusco
Kamera
John Schwartzman
Musik
Thomas Newman
Schnitt
Robert Frazen
Darsteller
Kevin Costner (Frank Hamer) · Woody Harrelson (Maney Gault) · Kathy Bates (Ma Ferguson) · John Carroll Lynch (Lee Simmons) · Kim Dickens (Gladys Hamer)
Länge
132 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi
Diskussion

Kevin Costner und Woody Harrelson als Texas Rangers auf der Jagd nach dem Gangsterpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow: Ein Cop-Thriller aus dem krisengebeutelten Amerika der 1930er Jahre.

Das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde sei für viele Amerikaner die moderne Version von Robin Hood, sagt ein Journalist im Interview mit Miriam „Ma“ Ferguson (Kathy Bates), die in den frühen 1930er-Jahren Gouverneurin des Staates Texas ist. Die Politikerin hat dafür nur Abscheu übrig und verweist grimmig darauf, dass Bonnie Parker, Clyde Barrow und ihre Barrow-Bande, die seit Jahren die USA mit einer nicht abreißenden Kette verwegener Banküberfälle überziehen, vor allem skrupellose Killer seien,  die schon auch mal einen Tankwart wegen ein paar Dollar und etwas Benzin niederschießen. Gerade hat das Pärchen einige Spießgesellen mit brutaler Gewalt aus dem Gefängnis in Huntsville, Texas, befreit. Ma Ferguson ist frustriert – über die Unfähigkeit von Polizei und FBI, die Gauner dingfest zu machen, und über die kultische Verehrung, die ihre Landsleute Bonnie und Clyde entgegenbringen: Es sind die Jahre der Depressionszeit, und weil für viele der gebeutelten Amerikaner „die Banken der Teufel sind“ (wie es später im Film einmal ein Arbeiter formuliert) sehen sie in den Bankräubern Helden.

Das muss aufhören, so schnell wie möglich, finden Ferguson und andere Regierende. Früher hätte man für so etwas Killer angeheuert, sagt einer ihrer Berater, und genau darauf lässt Ferguson sich schließlich ein: Sie reaktiviert den berühmt-berüchtigten Texas Ranger Frank Hamer (Kevin Costner), obwohl sie die umstrittene Truppe der Ranger 1929 im Zuge der Wirtschaftskrise selbst aufgelöst hatte. Hamer hat einen Ruf als tödlicher Hitman; über die Zahl der Gesetzesbrecher, die er getötet haben soll, kursieren wilde Gerüchte – ein Überbleibsel einer archaischen Wildwest-Praxis von Recht und Gerechtigkeit. Hamer hat es eigentlich nicht nötig, den Auftrag anzunehmen, Bonnie und Clyde auszuschalten; er ist in die Jahre gekommen und genießt dank einer vorteilhaften Heirat ein gut situiertes, bequemes Leben. Trotzdem lässt er sich auf den Job ein, reaktiviert seinen etwas heruntergekommenen, von der Krise gebeutelten Kollegen Maney Gault (Woody Harrelson) und heftet sich wie ein Spürhund an die Fersen der Gangster.

Auf Distanz zum Mythos Bonnie & Clyde

Der Titel „Highwaymen“, den der von John Fusco („Young Guns“, „Halbblut“) geschriebene und von John Lee Hancock („Saving Mr. Banks“) inszenierte Film trägt, ist doppeldeutig: er könnte sich, übersetzt als „Straßenräuber“, auf die legendären Gauner beziehen, passt wörtlich genommen aber auch auf das Duo Hamer-Gault, denen man über weite Strecken des Films dabei zusieht, wie sie im Ford von Hamers Gattin über staubige Highways den Verbrechern nachjagen. Eine Unschärfe, die dem moralischen Zwielicht entspricht, in dem Fusco und Hancock die Figuren zeigen. Zwar gehen sie deutlich auf Distanz zum (auch vom Kino mitgeschriebenen) Mythos um Bonnie und Clyde, was sich unter anderem ganz plastisch in der Bildsprache manifestiert: man sieht die Gangster in den wenigen Szenen, in denen sie überhaupt direkt eine Rolle spielen,  fast nur in weiten Totalen; erst ganz zum Schluss, wenn sie schließlich ihr Schicksal einholt, geht die Kamera näher ran und zeigt zwei Gesichter, die erschütternd jung wirken angesichts all der Morde, derer sie sich schuldig gemacht haben. Gleichzeitig weigert sich der Film jedoch, Hamer und Gault zu veritablen Helden zu machen – zu präsent bleibt der durch und durch marode Zustand der US-Gesellschaft (etwa wenn die beiden Ranger nach den Gangstern in Wanderlagern fahnden, in denen im Zug der Wirtschaftskrise obdachlos gewordene Menschen campieren), zu fragwürdig das mörderische Ziel von Hamers Jagd, als dass die Form von „Rechtsstaatlichkeit“, als deren Vertreter die beiden agieren, sich trennscharf vom Verbrechen unterscheiden würde.

Jagd durch ein ländliches Amerika im Zeichen der Großen Depression

Die Motivationen seiner Hauptfiguren lässt der Film in der Schwebe: Hamer scheint sich vor allem aus Pflichtgefühl auf die Verbrecherjagd einzulassen – um zwei brutale Mörder zu fassen, an denen bisher alle Strafverfolgungsbehörden gescheitert sind; vielleicht auch ein bisschen, um sich selbst zu beweisen, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters seinen Biss noch nicht verloren hat. Dass er selbst und seine Kollegen auch die Henker von Bonnie und Clyde sein werden, dass es gar nicht vorgesehen ist, die beiden vor Gericht zu bringen, scheint ihm, dem wortkarg-coolen Westerner-Relikt, keinerlei Probleme zu bereiten – im Gegensatz zu Gault, den Woody Harrelson als gebrochenere, innerlich zerrissenere Figur zeigt, die die moralische Legitimation der Texas-Ranger-Methoden in schwachen Momenten durchaus hinterfragt (wobei unter anderem an einer Stelle auf die Massenmorde an Hispanoamerikanern im Grenzland zu Mexiko angespielt wird, die die Ranger in den 1910er-Jahren in Verruf brachten).

Der Film folgt den beiden, während sie Bonnie und Clyde folgen beziehungsweise versuchen, ihnen einen Schritt voraus zu sein, durch ein ländliches Amerika, das vornehmlich aus kargen Landschaften, weiten Horizonten und verkümmerten Kleinstädten zu bestehen scheint: „Homeland“ für Bonnie und Clyde, da die Menschen dort die „vigilante heroes“ ebenso verehren, wie sie dem System von Staats- und Wirtschaftsmacht (nicht zu Unrecht) misstrauen; entsprechend abweisend sind die Reaktionen, mit denen es Hamer und Gault bei ihren Ermittlungen immer wieder zu tun bekommen.

Dabei bemühen sich Regie und Drehbuch, den Fakten um die historische Jagd auf Bonnie und Clyde gerecht zu werden; zugleich weist der Film als Mentalitätsbild der krisengebeutelten Vereinigten Staaten durchaus über den Zeitkontext der 1930er-Jahre hinaus. Verstörend ist vor allem die Diagnose einer ebenso morbiden wie unkritischen kollektiven Billigung und Verehrung von Gewalt, die „Highwaymen“ der von ihm porträtierten Gesellschaft ausstellt. Man weiß kaum, was man brutaler finden soll: den Kugelhagel, mit dem Bonnie und Clyde letztendlich geradezu zersiebt werden, oder die Hysterie ihrer „Fans“, die die toten Verbrecher wie Filmstars bejubeln.

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