Alfons Zitterbacke (2019)

Abenteuer | Deutschland 2019 | 93 Minuten

Regie: Mark Schlichter

Modernisierte Adaption der Kinderbücher von Gerhard Holtz-Baumert, die in den 1960er-Jahren aus keinem Kinderzimmer der DDR wegzudenken waren und schon einen DEFA-Kinofilm und eine Fernsehserie nach sich zogen. In der Neuverfilmung dreht sich alles um den schusseligen (Anti-)Helden, der so gerne Erfinder und Astronaut werden möchte, aber immer wieder an seiner Tollpatschigkeit scheitert. Die kleine Hymne ans Unangepasste und Anderssein übertreibt es allerdings mit zu viel Slapstick, nicht enden wollenden Dialogen und inflationären Kurzauftritten. Dem stehen solide Leistungen der erwachsenen Darsteller und ein optimistisches Ende entgegen. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Mark Schlichter
Buch
John Chambers · Anja Flade · Mark Schlichter
Kamera
Christof Wahl
Musik
Egon Riedel
Schnitt
Claus Wehlisch
Darsteller
Tilman Döbler (Alfons Zitterbacke) · Alexandra Maria Lara (Louise Zitterbacke) · Lisa Moell (Emilia) · Leopold Ferdinand Schill (Benni) · Devid Striesow (Paul Zitterbacke)
Länge
93 Minuten
Kinostart
11.04.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuer | Familienfilm | Kinderfilm | Komödie | Literaturverfilmung
Diskussion

Modernisierte Adaption der Kinderbücher von Gerhard Holtz-Baumert, die um einen tollpatschigen Jungen und seine Astronautenträume kreisen.

Mehr als 60 Jahre haben die Geschichten um den liebenswerten Lausbuben und Chaoten Alfons Zitterbacke bereits auf dem Buckel. Erfunden wurden sie von Gerhard Holtz-Baumert, der in der DDR als eine Art ostdeutsche Astrid Lindgren gefeiert wurde. Die Figur und ihre Streiche waren bei den Kindern so beliebt, dass sie 1966 einen von der DEFA produzierten Spielfilm und zwei Dekaden später eine sechsteilige Fernsehserie nach sich zogen.

Jetzt hat Regisseur Mark Schlichter, der mit Anja Flade-Kruse und John Chambers auch das Drehbuch geschrieben hat, die alten Abenteuer aus dem Archiv geholt, entstaubt und modernisiert. Inhaltlich orientiert sich das Drehbuch weitgehend an dem 1958 erschienenen Buch „Alfons Zitterbacke – Geschichten eines Pechvogels“. Der von Tilman Döbler unaufgeregt gespielte elfjährige Titelheld träumt davon, ein großer Erfinder und ein noch größerer Astronaut zu werden.

„Zitterbacke – Hühnerkacke“

An famosen Ideen in Gestalt ausgefeilter Pläne für Mini-Raketen und exakt nachgebauten ISS-Modellen mangelt es schon jetzt nicht. Nur leider zieht der Tollpatsch das Pech magisch an, was ihn von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern und so manche schlechte Schulnote fabrizieren lässt. Das macht ihn zum Gespött der Klassenkameraden („Zitterbacke – Hühnerkacke“). Aber auch Lehrer und Eltern bringt Alfons mit seinen chaotischen Eskapaden an den Rand der Verzweiflung. Der Junge lässt sich aber dennoch nicht beirren und setzt alle Hoffnung auf einen Fluggeräte-Wettbewerb, wo er mit einer spektakulären Erfindung seine Kritiker Lügen strafen will.

„Alfons Zitterbacke“ lebt vor allem von seiner liebenswerten Hauptfigur, die weniger das Frech-Verschmitzte eines Michel aus Lönneberga besitzt, sondern eher unschuldig-naiv in die Rolle des schusseligen Außenseiters gedrängt wird. Belege dafür sind etliche Slapstick-Situationen, mit denen das Pech des Protagonisten visualisiert wird.

Ein Sturz kommt selten allein

Allerdings geht Mark Schlichter in seinem seit Cowgirl (2004) ersten neuen Kinofilm geradezu inflationär mit diesen Sequenzen um. Egal, ob Fahrradsturz mit Domino-Effekt, umstürzende Dosen-Pyramide im Baumarkt (zwei Mal), blaues Auge für den Sportlehrer (auch zwei Mal) oder explosive Experimente im Chemielabor – jede Szene ist für sich genommen witzig, wirkt in der Massierung aber kontraproduktiv und erzielt einen gegenteiligen Effekt. Ebenfalls störend ist der nahezu pausenlose Off-Kommentar des kleinen Antihelden, der den ohnehin schon sehr dialoglastigen Film mit einem Zuviel an Informationen zumüllt und dem Betrachter kaum Gelegenheit gibt, das Gehörte auch zu verarbeiten.

Auch eine Unzahl von Kurzauftritten prominenter Zeitgenossen lenkt vom Plot ab. Der Cameo des „echten“ Astronauten Alexander Gerst mag noch thematisch passen und der mit Helmut Roßmann, der Alfons in der DEFA-Variante mimte, besetzte Würstchenverkäufer ein hübscher nostalgischer Querverweis sein. Der Part des Komikers Olaf Schubert, der hier zum Chemiker Dr. Olaf Schubert wird, ist für die Story indes so wenig hilfreich wie der Auftritt von „Checker“ Tobi Krell, der sich selbst spielt.

Ein strenger, aber herzensguter Vater

Schön herausgearbeitet ist dagegen der Vater-Sohn-Konflikt, was insbesondere an der Leistung von Devid Striesow liegt, der überzeugend den strengen, insgeheim aber herzensguten Vater verkörpert, was sich in einer Schlüsselszene im Freibad festmachen lässt. Während Katharina Thalbach als dominante Direktorin oder Wolfgang Stumph als betrügerischer Opa in den erwachsenen Rollen solide agieren, lässt die Performance der Nachwuchsdarsteller aber etwas zu wünschen übrig. Gerade Leopold Ferdinand Schill und Lisa Moell schaffen es nicht, ihre Parts als beste Freunde von Paul mit Leben zu füllen.

Doch das ist im Finale des Films schnell vergessen, wenn dem Antihelden endlich die ihm gebührende Reputation widerfährt und die Story obendrein in einer fröhlich-anarchischen Waldmeisterwackelpuddingschlacht mündet.

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