Once Again - Eine Liebe in Mumbai

Drama | Deutschland/Österreich/Indien 2018 | 101 Minuten

Regie: Kanwal Sethi

Ein berühmter, seit kurzem geschiedener Filmstar bestellt während der Dreharbeiten in Mumbai bei einer verwitweten Köchin jeden Tag telefonisch sein Abendessen. Als die Telefonate immer länger dauern, schlägt der Schauspieler ein Treffen vor. Die melancholische Liebesgeschichte benennt die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau nicht explizit, sondern überlässt es dem Zuschauer, Antworten zu finden. In den Bildern der nächtlichen Großstadt elegant und aufregend inszeniert. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
ONCE AGAIN
Produktionsland
Deutschland/Österreich/Indien
Produktionsjahr
2018
Regie
Kanwal Sethi
Buch
Kanwal Sethi
Kamera
Eeshit Narain · Conrad Lobst
Musik
Talvin Singh · Georg Siebert
Schnitt
Anja Siemens
Darsteller
Neeraj Kabi (Amar) · Shefali Shah (Tara) · Bidita Bag (Mira) · Rasika Dugal (Sapna) · Priyanshu Painyuli (Dev)
Länge
101 Minuten
Kinostart
16.05.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm
Diskussion

Melancholischer Liebesfilm über einen berühmten Schauspieler und eine Köchin aus Mumbai, die eine tiefe Seelenverwandtschaft zueinander empfinden.

Eine riesige Stadt, ein Mann und eine Frau. Was im Bollywood-Film meistens so glatt aufgeht, weil zwei schöne Menschen von Beginn an um ihre Zuneigung wissen und sich nach vielen Hindernissen und tänzerischen Zwischenspielen am Ende in die Arme schließen, ist im indischen Arthouse-Kino nicht ganz so einfach.

In „Once Again“ von Kanwal Sethi steht Tara im Mittelpunkt, eine Witwe Ende 40 und Mutter zweier erwachsener Kinder. In Mumbai führt sie ein kleines Restaurant. Man sieht ihr dabei zu, wie sie Gemüse zerkleinert und Fleisch schneidet, Töpfe rührt und Pfannen schwenkt, die Speisen würzt und abschmeckt, bis sie das Essen fein säuberlich in die metallenen Lunchboxen verteilt. Eine Meisterin ihres Fachs; die Anbindung an all die Filmen, die seit „Babettes Fest“ das Kochen als Kunst zelebrieren, stellt sich sogleich ein.

Zwei Seelenverwandte finden sich

Zu Taras besten Kunden gehört Amar, ein berühmter Filmstar. Auch ihn sieht man bei der Arbeit. Mit anderen studiert er die Choreografie eines Tanzfilmes ein; seine Bewegungen sind graziös und elegant. Amar, der erst kürzlich geschieden wurde, ist ein einsamer Mann. Oft zeigt ihn der Film, wie er allein im Auto durch das nächtliche Mumbai fährt. Bilder, die etwas Hypnotisches besitzen.

Sein Abendessen bestellt er bei Tara stets telefonisch; begegnet sind sich die beiden noch nie. Allerdings werden die Telefonate immer länger, weil sie zwei Seelenverwandte miteinander verbinden. Die Gespräche kommen auch öfters ins Stocken, weil Tara und Amar nach Worten suchen, weil sie Pausen brauchen, um sich über ihre Wünsche und Sehnsüchte klar zu werden, weil sie Zeit benötigen, um Mut zu schöpfen. Bis Amar eines Abends vorschlägt, sich zu treffen.

Die Zurückhaltung dieser Telefongespräche verleiht „Once Again“ einen sehr introvertierten, melancholischen Charakter. Manchmal wünschte man sich, dass die beiden energischer, entschlussfreudiger und eloquenter miteinander redeten. Doch es ist zu viel, was sie trennt – auch wenn das nicht explizit ausgesprochen wird.

Eine schwierige Beziehung

Regisseur Kanwal Sethi überlässt es dem Zuschauer, Antworten zu finden. Haben Mann und Frau nach Enttäuschung und Verlust Angst vor zu viel Nähe? Sind die Welten, aus denen sie stammen, und die Berufe, die sie ausüben, zu unterschiedlich? Oder sind der Druck und die Erwartungshaltung ihres Umfelds zu groß? Mit einem berühmten Filmstar zusammen zu sein, erhöht nicht nur die mediale Aufmerksamkeit, sondern fördert auch die moralischen Bedenken anderer.

Mehr noch als in „Lunchbox“ von Ritesh Batra, wo der Altersunterschied zwischen Mann und Frau eine große Rolle spielte, sind die Geschlechter hier durch Klassenunterschiede getrennt. Darüber hinaus opfert sich Tara auch für ihren Sohn auf, der bald heiraten will; für die Renovierung ihres Restaurants bittet sie die Bank vergeblich um einen Kredit. Mütter stellen ihre Bedürfnisse der Kinder wegen zurück – das schlägt eine Schneise zu den Melodramen von Douglas Sirk. Während der Mann durch seinen Reichtum und seine Berühmtheit sozial geschützt ist, muss die Frau Tag für Tag für ihr kleines Restaurant kämpfen und sich plötzlich gegen Paparazzi wehren. Die Liebe hängt auch vom Geld ab. Das ist die eigentliche Crux dieser Geschichte.

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