John Wick: Kapitel 3

Action | USA 2019 | 132 Minuten

Regie: Chad Stahelski

Ein stoischer Profikiller zieht sich den Zorn einer mächtigen Verbrecherorganisation, die eine hohe Belohnung auf seinen Tod aussetzt. Mit Unterstützung der Russenmafia kann er jedoch nach Nordafrika entkommen, wo er eine Komplizin findet, mit deren Hilfe er den Kampf gegen seine Verfolger brutal und für diese verlustreich aufnehmen kann. Dritter Teil einer filmischen Actionschlacht, die nur noch vereinzelt formal bemerkenswerte Akzente setzt. Letztlich dominiert eine zähe Dramaturgie der Redundanzen, die auch von den sinnfreien Kampfszenen kaum belebt wird.

Filmdaten

Originaltitel
JOHN WICK: CHAPTER 3 - PARABELLUM
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Chad Stahelski
Buch
Derek Kolstad · Shay Hatten · Chris Collins · Marc Abrams
Kamera
Dan Laustsen
Musik
Tyler Bates · Joel J. Richard
Schnitt
Evan Schiff
Darsteller
Keanu Reeves (John Wick) · Halle Berry (Sofia) · Laurence Fishburne (Bowery King) · Mark Dacascos (Zero) · Asia Kate Dillon (Adjudicator)
Länge
132 Minuten
Kinostart
23.05.2019
Fsk
ab 18; f
Genre
Action | Thriller
Diskussion

Dritter Teil der inzwischen sinnfreien filmischen Actionschlacht um den stoischen Profikiller John Wick, die nur noch vereinzelt formal bemerkenswerte Akzente setzt, auch wenn die Gegner von Keanu Reeves in Bussen nachgeliefert werden müssen.

Genau an dem Cliffhanger, an dem John Wick: Kapitel 2 aufgehört hat, beginnt „John Wick: Kapitel 3“. Keine Erklärung, keine Vorgeschichte. Der Gedanke ist wohl, dass die Fans seit zwei Jahren auf diesen Moment warten und alles vor Augen haben, als sei es gestern passiert. Andererseits sind „John Wick“-Filme simpel genug, dass wahrscheinlich niemand eine Einführung braucht. Trotzdem, was bisher geschah: John Wick (Keanu Reeves) hat einen Fehler gemacht, es gibt für ihn keine Immunität mehr im Regelsystem der größten kriminellen Organisation weltweit.

Im nächsten Moment geht es hier los. John Wick bekommt noch 60 Minuten Zeit, dann ist er Freiwild für alle Killer dieser Welt. Wer ihn tötet, erhält 14 Millionen Dollar. Wer ihm hilft, wird hart bestraft. Das ist der Anfang, der tatsächlich Fragen aufwirft, Fragen, die man auch für sich selbst gern beantwortet hätte. Wie sieht es aus mit Loyalität, Solidarität, Ungehorsam, Mut? Würde man einem Freund helfen, wenn jede Hilfe strikt verboten wäre? Wie würde man rechtfertigen, wenn man zu feig dafür wäre? Oder, auf Seiten des Gejagten, welchem seiner Freunde würde man trauen? Wen hält man für aufrecht, wen für einen Wendehals? All diesen Unwägbarkeiten kann man hier gut hinterherträumen, richtig konzentriert braucht man John Wicks Flucht durch New York nicht folgen – sterben wird er jetzt kaum.

John Wick und die Russenmafia

„John Wick: Kapitel 3“ rekurriert auf drei Verhaltensweisen gegenüber einem totalitären System: Man kann klein beigeben. Man kann versuchen, das System mit Heimlichkeit oder Schläue hinters Licht zu führen. Man kann sich offen auflehnen. Zwei der drei Varianten werden in der ersten Hälfte von „John Wick 3“ durchgespielt. John Wick klagt Hilfe im New Yorker Untergrund ein, indem er etliche Schuldscheine vorweist, die mit Blut gezeichnet sind. Darauf reagiert nur die Russenmafia, die sonst ihre Zeit damit verbringt, junge Mädchen mit Ballettübungen zu quälen. Sie verschickt Wick nach Casablanca, wo er mit seiner ehemaligen Gefährtin Sofia zusammentrifft. Sofia wird gespielt von Halle Berry, hier mit zwei Schäferhunden an der Seite, die vom netten Haustier weit entfernt sind. Dieses Gespann macht dem Film „John Wick 3“ dann ein überraschendes Geschenk. Denn Sofia ist keine Frau, die sich gern etwas vorschreiben lässt, weder von Männern noch vom System.

Mit ihrem Temperament zettelt sie einen Kampf an, der sofort weiträumig eskaliert. Dabei erlebt man, völlig unerwartet für einen langsamen, schweren Männer-und-Rache-Jammer wie „John Wick 3“, wozu das Kino fähig ist, wenn es die Action mal ausgewogen hochschaltet. Es entstehen in dieser Sequenz alle Sorten von Kampf: Zweier, Dreier, waffenlos; mit Pistolen, mit Schnellfeuerwaffen, mit dem Zierrat der Umgebung. Aber sie alle bleiben kurz, sind auch sehr kurz geschnitten, um das Tempo nicht zu verringern. Denn Tempo und Wut bestimmen, was in den nächsten Minuten passiert. Und wenn man sieht, wie Halle Berry zwischen ihren zwei wilden Hunden durch Gassen, auf Plätze, über Hindernisse rast, wie alle drei synchron ihre Gegner anfallen, ohne nur einen Hauch langsamer zu werden – dann sieht man das Beste, was in letzter Zeit an Adrenalinkick über die Leinwand ging.

Beim dritten Mal ist der Kampf nun nahezu sinnfrei

Danach allerdings kommt zügig der Moment, auf den man eigentlich von Anfang an wartet: Während John Wick in die USA heimkehrt, um alle seine Feinde zu töten, fragt man sich, warum eine Idee, die beim ersten Mal ganz nett war – der friedfertige John Wick zieht in den Kampf, um seine Ehefrau, seinen Hund und sein Auto zu rächen – warum diese Idee also ein zweites Mal schlechter und ein drittes Mal nahezu sinnfrei wieder aufgewärmt werden muss. Die Frage kann man bei sehr vielen Actionfilm-Sequels stellen, generell ist die Antwort, dass es genug zahlende Zuschauer gibt, die sich auch noch eine vierte oder fünfte Folge anschauen werden. Im Fall von „John Wick 3“ aber muss man etwas Mitmenschlichkeit addieren: Keanu Reeves wirkt den ganzen Film über, als hätte er eine Sprech- und eine Gehbehinderung. Damit bricht er eine Lanze für die Chancengleichheit unter den Actionhelden. Eine solche Mission sollte man nicht bremsen.

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