Der Name der Rose (Serie)

Historienfilm | Italien/Deutschland 2019 | Minuten

Regie: Giacomo Battiato

Eine Serienadaption des gleichnamigen literarischen Welterfolgs von Umberto Eco. Norditalien, anno 1327: Der Franziskanermönch William von Baskerville und sein junger Gehilfe werden gebeten, bestialische Morde in einer Benediktinerabtei aufzuklären, hinter denen angeblich der Teufel höchstselbst stecken soll. Als Schlüssel zu den unheimlichen Vorfällen erweist sich ein berühmt-berüchtigtes Buch. Von der inhaltlichen Vielschichtigkeit von Ecos Roman schimmert in der Adaption wenig durch; die Serie reduziert die Vorlage weitgehend auf den Krimiplot und schafft es nicht, diesem die gebotene Suspense zu verleihen. Ein relativ blasser Hauptdarsteller und eine trotz des Produktionsaufwandes oft steril wirkende Umsetzung der mittelalterlichen Welt schränken das Vergnügen an der Serie ebenfalls ein. Extrem dialoglastig, auffällig spröde inszeniert und ohne jeden künstlerischen Mehrwert plätschert sie acht Episoden lang vor sich hin. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE NAME OF THE ROSE | IL NOME DELLA ROSA
Produktionsland
Italien/Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Giacomo Battiato
Buch
Giacomo Battiato · Andrea Porporati · Nigel Williams
Kamera
John Conroy
Musik
Volker Bertelmann
Schnitt
Stephen O'Connell
Darsteller
John Turturro (William von Baskerville) · Damian Hardung (Adson von Melk) · Michael Emerson (Abt) · James Cosmo (Jorge von Burgos) · Rupert Everett (Bernardo Gui)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Historienfilm | Krimi | Literaturverfilmung | Serie
Diskussion

Ein Killer mordet sich durchs Kloster: John Turturro zieht sich in der achtteiligen Serienadaption von Umberto Ecos Weltbestseller „Der Name der Rose“ als William von Baskerville die Mönchskutte über. Zusammen mit seinem Lehrling Adson von Melk (Damian Hardung) sucht er nach dem ominösen Mörder sowie einem verbotenen Buch, das der Teufel höchstpersönlich verfasst haben soll.

Norditalien, anno 1327: Der Konflikt zwischen politisch-weltlicher und kirchlich-spiritueller Macht spitzt sich im Mittelalter ein weiteres Mal extrem zu. Da der deutsche Kaiser Ludwig der IV. („Der Bayer“) soeben die Trennung von Politik und Religion verkündet hat und den luxuriös-korrupten Lebenswandel des Papstes im französischen Avignon öffentlich geißelt, wird er kurzerhand vom „Heiligen Stuhl“ exkommuniziert. Bald wird nicht mehr nur mit Worten, sondern auch zunehmend mit Schwertern und Armeen gekämpft, die bereits gen Süden über die Alpen ziehen...

Der junge Adson von Melk (Damian Hardung) steht nach einem stundenlangen Gemetzel in einer gigantischen Blutlache. Umringt von hunderten Toten, hadert er mit seinem pazifistischen Weltbild genauso wie mit seinen inneren Dämonen, da er als Kind von seinem militaristischen Vater wesentlich geprägt wurde. Doch jetzt reicht es ihm: er möchte fortan kein Schwert mehr in die Hand nehmen oder kein Kettenhemd überstreifen, weil in ihm die Erkenntnis gereift ist, dass es hier draußen auf dem Schlachtfeld „keine gerechten Kriege“ gibt. Man könne eben „die Welt nicht durchs Töten ändern“.

John Turturro tritt in die Fußstapfen von Sean Connery – und bleibt relativ blass

Als der scheue Jüngling kurz darauf dem weisen Franziskanermönch und Ex-Inquisitor William von Baskerville („Barton Fink“-Star John Turturro) begegnet, der gerade als Unterhändler in politischer Mission unterwegs ist, beschließt er, sich ihm anzuschließen. So folgt ihm der Novize kurzerhand in ein verschneites Benediktinerkloster in Ligurien, wo der Teufel wüten soll – in der Gestalt eines ominösen Killers. Kaum eingetroffen, bittet der Abt (Michael Emerson) William von Baskerville um seine Unterstützung: „Bitte helft mir, seinen Mörder zu finden“. Denn gerade erst wurde Adelmo, ein begabter Illustrator des Ordens, leblos aufgefunden. Er soll zu Tode gestürzt sein, was Baskervilles Neugier sofort entflammt.

Auf diese Weise wechselt der englische Ordensmann und ausgesprochene „Homme de lettres“, der ursprünglich bei einem geheimen Konzil zwischen den beiden Hauptkonfliktparteien vermitteln sollte, zum ersten Mal wie in Umberto Ecos Bestseller-Roman die Rollen: Aus dem papstkritischen Franziskanermönch, den John Turturro durchwegs blass und ohne den hinterlistigen Charme eines Sean Connery verkörpert, wird sehr rasch eine raffinierte Detektivgestalt, die sich obendrein für die Geheimnisse der prächtigen Klosterbibliothek interessiert. Schließlich soll dort je nach politischer Lesart oder religiöser Weltanschauung das teuflischste oder genialste aller Bücher versteckt sein: Der zweite Band von Aristoteles’ Poetik, die sich der Komödie und damit dem Lachen widmet. 

Die Vorlage reduziert auf den Krimiplot

Beinahe analog zu Jean-Jacques Annauds „Der Name der Rose“-Verfilmung folgt auch Giacomo Battiato in seiner spröden Interpretation des weltbekannten Stoffes, von dem es inzwischen auch Hörspiele und sogar eine Musicaladaption gibt, in den ersten Episoden weitgehend dem zentralen „Whodunit“-Handlungsstrangs des Romans. Von dessen mirakulöser Finesse fehlt in dieser 26 Millionen Euro teuren RAI- und TELE-5-Co-Produktion allerdings jede Spur. Allzu stark reduziert auf den bloßen Kriminalplot der Vorlage und unter dem völligen Verzicht auf zeichentheoretische Querverweise, (meta-)literarische Anspielungen von Sherlock Holmes bis zur Bibel oder realhistorische Hintergründe zur komplexen Gemengenlage zwischen Klerus und Kaiser im späten Mittelalter, fehlt dieser ausgesprochen kreuzbrav-geglättet inszenierten Miniserie jeder intellektuelle Esprit.

Selbst der reine Suspense-Faktor dürfte sich für Zuschauer, die weder Ecos Roman noch Annauds Kinoadaption kennen, absolut in Grenzen halten: so lieblos und vorhersehbar sind viele der Szenen in dieser Adaption arrangiert, bis der nächste von vielen enervierenden Redeschwällen beginnt. Den Schmutz und Gestank des Mittelalters kann man in diesen seltsam entsättigten Farben (Bildgestaltung: John Conroy) an keiner einzigen Stelle schmecken.

Reichlich steril inszenierte Nebenstränge

Und so folgt ein Mord auf den nächsten, während angespornt durch den Inquisitor Bernardo Gui (Rupert Everett) der Widerstand gegen den vermeintlichen Ketzer Baskerville wächst, bis aus dem ermittelnden Jäger selbst ein Gejagter wird, dem der Zutritt zu den wertvollen Schätzen der Klosterbibliothek explizit verweigert wird. In reichlich steril inszenierten Nebensträngen wird trotz allen Pomps bei der Ausstattung außerdem die Rolle des Novizen Adson weitererzählt, der auch hier nähere Bekanntschaft mit einer namenlosen, wilden Schönen macht (Greta Scarano) – der vermeintlichen „Rose“ des Romantitels – sowie das perverse Intimleben des Inquisitors ausgebreitet.

Was Umberto Ecos Weltbestseller (1980) zu einer solitären Erscheinung innerhalb der postmodernen „Pastiche-Literatur“ machte, war in erster Linie seine formal-ästhetische Besonderheit. Egal ob man Ecos voluminöser Romandebüt nun als historische Räuberpistole, philosophisches Traktat, gelehrsame Geschichtsstunde oder metatextuellen Textkoloss für Spezialisten der Linguistik oder Komparatistik interpretierte: Dem 2016 gestorbenen Literaten, Zeitungskolumnisten und Professor für Semiotik gelang es, damit sowohl ein breites wie ein wissenschaftliches oder intellektuellen Publikum anzusprechen, was nun auf Giacomo Battiatos reichlich belanglose Neufassung keinesfalls zutrifft. Das ist Fernsehen von gestern, ohne Aussicht auf morgen. Was wohl der „poeta doctus“ Eco über diese gänzlich misslungene Verfilmung geschrieben hätte?

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