Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 119 Minuten

Regie: Manfred Oldenburg

Der Fußballspieler Toni Kroos, der seit 2014 bei Real Madrid unter Vertrag steht, ist einer der erfolgreichsten deutschen Kicker aller Zeiten. Jenseits des Fußballplatzes weiß man aber kaum etwas über den zurückhaltenden Sportler. Die Langzeitbeobachtung will dieses Defizit beheben und interviewt dazu eine Vielzahl von Weggefährten, Angehörigen und Freunden, die fast alle Lobeshymnen anstimmen. Kroos kommt auch selbst ausführlich zu Wort, ohne dass der Film ihm wirklich nahekommen würde. Das unspektakuläre Porträt zeichnet seine Karriere nach und gewährt zumindest ein paar spannende Einblicke in die Parallelwelt des Spitzenfußballs. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Manfred Oldenburg
Buch
Manfred Oldenburg
Kamera
Johannes Imdahl · Torbjörn Karvang
Musik
Gert Wilden jr.
Schnitt
André Hammesfahr
Länge
119 Minuten
Kinostart
04.07.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm | Sportfilm

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
EuroVideo (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
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Langzeitbeobachtung über den zurückhaltenden Fußballprofi, der seit fünf Jahren bei Real Madrid als Mittelfeldstratege spielt.

Diskussion

Man würde nicht unbedingt an Toni Kroos denken, wenn man sich einen Fußballer aussuchen dürfte, dem man in einem langen Porträtfilm etwas näherkommen möchte. Schließlich gilt der Mittelfeldstratege von Real Madrid zwar als genialer Kicker, hat jedoch unter all den Paradiesvögeln im internationalen Fußballzirkus eher das Image eines unauffälligen Dienstleisters. Jenseits des Platzes sucht der gebürtige Greifswalder auch nicht unbedingt das Rampenlicht.

Möglicherweise hat aber gerade dieses Image den Dokumentarfilmer Manfred Oldenburg bewogen, einen Film über Toni Kroos zu drehen. Die Eingangsszene ist auch durchaus überraschend. Da steht Kroos in einer Umkleide und schrubbt unter einem Wasserhahn eigenhändig seine Fußballschuhe. Bei Real Madrid gäbe es für diesen Job eigentlich dienstbare Geister, doch das mit den Schuhen sei eine Marotte bei ihm, erklärt Kroos.

Nur Hoeneß ist immer noch sauer

Von solchen Eigenheiten hätte man sich in diesem Porträt mehr gewünscht, aber offenbar gibt es diese nicht. Dafür werden jede Menge prominenter Zeitgenossen aufgeboten, die alle voll des Lobes für den Fußballer sind. Das reicht von Trainern wie Zinédine Zidane, Pep Guardiola und Jupp Heynckes über Mitspieler wie Casemiro, Luka Modric und Sergio Ramos bis „Experten“ wie Marcel Reif oder Robbie Williams. Auch der Popmusiker preist Kroos’ Passgenauigkeit und Spielintelligenz. Nur Uli Hoeneß merkt man inmitten dieser fortwährenden Lobhudelei an, dass er auf Kroos noch immer sauer ist, weil der beim (verlorenen) Champions-League-Endspiel 2012, dem ominösen „Finale dahoam“, beim Elfmeterschießen gekniffen hat.

Dafür hat die Familie Kroos bereitwillig ihre privaten Foto- und Videosammlungen zur Verfügung gestellt. Oma und Opa, die Eltern und Bruder Felix, selbst ein Fußballprofi, bekunden ebenfalls ihre Bewunderung für das berühmte Familienmitglied. Überdies hat Toni Kroos sogar die Türen seines Eigenheims in der Nähe von Madrid für das Filmteam geöffnet. So kommt man dem Star erstaunlich nahe, ohne dass sich eine wirkliche Nähe einstellt. Über Gefühle könne er schlecht reden, sagt er. Was aber nicht heiße, dass er keine habe.

Zuhause ist es am schönsten

Erstaunlicher ist, dass Kroos, der seit fünf Jahren bei Real Madrid spielt, sich mit seinem spanischen Masseur immer noch auf Englisch unterhält oder Kroos’ Ehefrau erklärt, dass sie seit vier Jahren nicht mehr in der Madrider Innenstadt gewesen ist – wie ihr Mann sei sie am liebsten daheim. Das alles nimmt sich so unspektakulär aus wie die Hauptfigur.

Einen Einblick in die Parallelwelt des Spitzenfußballs gewährt der Film am ehesten bei einer Gala in London, wo Toni Kroos von einem Interview zum nächsten geschickt wird, Fototermine absolvieren muss und dabei, von Begleitern umringt, unentwegt über Flure hastet. Das ist rasant montiert, das filmische Prunkstück dieser Langzeitbeobachtung, die den Fußballer als durchaus sympathischen, aber eben auch nicht sonderlich spannenden Zeitgenossen vorstellt.

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