The Terror - Staffel 2

Historienfilm | USA 2019 | Minuten

Regie: Lily Mariye

Die zweite Staffel der Serie "The Terror", die inhaltlich unabhängig von Staffel 1 eine in einer anderen Zeit angesiedelte Mischung aus Historien- und Mystery-Thriller entwirft: Im Zuge des Zweiten Weltkriegs und des Angriffs auf Pearl Harbor werden japanisch-stämmige Amerikaner als potenzielle Staatsfeinde in den USA in Lagern interniert. In dieser ohnehin schon schweren Zeit wird die japanisch-amerikanische Community von rätselhaften Todesfällen heimgesucht. Der mörderische Geist, der dahinter steckt, scheint in unheilvoller Beziehung zu einem jungen japanisch-stämmigen Fotografen und dessen Familie zu stehen. Während die Serie als historisches Familienmelodram durchaus spannend unterhält, nicht zuletzt weil die Geschichte um Einwandererschicksale, nationale Identität und Rassismus viele aktuelle Anknüpfungspunkte hat, wirkt der Horror-Plot um den rachsüchtigen Geist wie ein banales J-Horor-Klischee und findet keine überzeugende Beziehung zum historischen Rahmen.

Filmdaten

Originaltitel
THE TERROR - SEASON 2
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Lily Mariye · Josef Kubota Wladyka · Toa Fraser · Meera Menon
Buch
Max Borenstein · Alexander Woo · Shannon Goss · Tony Tost
Kamera
John Conroy
Musik
Mark Korven
Schnitt
Christopher Nelson · Justin Li · Jamie Alain
Darsteller
Derek Mio (Chester Nakayama) · Shingo Usami (Henry Nakayama) · Naoko Mori (Asako Nakayama) · George Takei (Yamato-san) · Cristina Rodlo (Luz)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Genre
Historienfilm | Mystery-Film | Serie | Thriller
Diskussion

Die zweite Staffel der Serie "The Terror", die inhaltlich unabhängig von Staffel 1 eine in einer anderen Zeit angesiedelte Mischung aus Historien- und Mystery-Thriller entwirft: Im Zuge des Zweiten Weltkriegs und des Angriffs auf Pearl Harbor werden japanisch-stämmige Amerikaner als potenzielle Staatsfeinde in den USA in Lagern interniert. In dieser ohnehin schon schweren Zeit wird die japanisch-amerikanische Community von rätselhaften Todesfällen heimgesucht.

Der Tod der Frau, die sich gleich zum Serienauftakt auf dem Landungssteg eine ihrer langen Haarnadeln durchs Ohr in den Schädel bohrt, ist offensichtlich nur vordergründig ein Selbstmord: Eine kleine, unnatürliche Verrenkung des Halses, ein Stolpern, als verliere sie die Kontrolle über ihren Körper, haben kurz vorher angedeutet, wovon Bekannte und Verwandte später bei der Beerdigung munkeln: Hier hatte ein böser Geist seine Hand im Spiel! Die zweite Staffel von „The Terror“ ist angesiedelt in der japanischen Community im Amerika der 1940er Jahre. Zwar haben die Männer und Frauen ihre Heimat weit hinter sich gelassen; doch was auch immer die Selbstmörderin heimgesucht hat, ist den Auswanderern offensichtlich bis Kalifornien gefolgt. Und es wird weitere Tote fordern – ausgerechnet in einer Zeit, die ohnehin ein finsteres Kapitel für die US-Japaner ist: Im Zuge des Zweiten Weltkriegs, in dem Japan und die USA Gegner sind, geraten Menschen japanischer Abstammung in den USA in Generalverdacht, mit dem Feind gemeinsame Sache zu machen. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor spitzt sich die Lage zu und mündet bald in die massenhafte Deportation in Internierungslager.

Mit der 2018 bei AMC gestarteten Miniserie „The Terror“, der Adaption von Dan Simmons’ Roman um eine unglückselige britische Expedition im Jahr 1845, hat die neue Staffel „The Terror – Infamy“ nichts gemeinsam außer der Tatsache, dass die jeweils zehn Episoden beider Staffeln Mystery-Stoffe vor historischem Hintergrund erzählen; dass das Ganze nun zu einer Anthologie-Serie erklärt wird, dürfte vor allem dem Erfolg des Originals geschuldet sein, an den nun angeschlossen werden soll. Staffel 2 hat sich gleichwohl auch wieder ein lohnendes Sujet gewählt – zumal es über das historische Interesse hinaus in der Geschichte, in der es um Einwanderungs-Schicksale, nationale Identität und Rassismus geht, diverse aktuelle Anknüpfungspunkte gibt.

Innerer und äußerer Druck auf eine Einwanderer-Familie

Im Zentrum steht eine Familie, in der ein latenter Generationen-Konflikt tobt: Chester Nakayama (Derek Mio), der bereits in den USA groß geworden ist, reibt sich an seinem noch in den Traditionen der alten Heimat Japan verwurzelten Vater (Shingo Usami), der als Fischer auf einer Insel vor Kalifornien arbeitet und nie Ambitionen hatte, über dieses begrenzte Biotop und die verschworene japanische Gemeinschaft hinaus in den USA heimisch zu werden. Chester dagegen, der aufs College geht, Fotograf werden will und amerikanische Freunde hat, hat mit den Wertvorstellungen seines Vaters wenig am Hut – ein latenter Konflikt, der sich zuspitzt, als Chester bekennt, dass er sich auf eine Liaison mit Luz (Cristina Rodlo), einer jungen Frau außerhalb der japanischen Community, eingelassen hat und mit ihr ein Kind erwartet.

Der Druck durch seinen Vater und den Rest der Familie ist allerdings bald nicht mehr Chesters Hauptproblem, als der Druck von außen auf die japanische Community immer aggressiver wird und die Nakayamas und ihre Nachbarn und Freunde schließlich zum elenden Dasein in den Internierungslagern verdammt werden. Die Frage nach Zugehörigkeit, Identität und Loyalität stellt sich danach für alle mit neuer Schärfe.

Als würden die Macher der historischen Familiensaga nicht trauen und zwischendurch „Buh!“ rufen

Während es der Serie gelingt, daraus ein spannungsvolles Familien-Melodram ganz aus der Sicht der japanischen Minderheit zu machen, hat „The Terror – Infamy“ jedoch merkliche Probleme damit, die Mystery- und Horrorelemente so atmosphärisch und sinnstiftend in den historischen Plot einzubauen, wie dies in der Originalstaffel gelang. Der Handlungsstrang um den „Yurei“, den ruhelosen Geist, der hier in Form einer Frauengestalt auftritt, die zu den Nakayamas im Allgemeinen und zu Chester im Speziellen in einer rätselhaften Beziehung zu stehen scheint, von Episode zu Episode immer mal wieder ein Opfer fordert und dubiose Ziele verfolgt, braucht sehr lange, um sich schlüssig ins Erzählgewebe einzufügen oder einen eigenen Drive zu entwickeln. Viel zu lange wirkt der (noch dazu auch nicht gerade visuell raffiniert umgesetzte) weibliche Rachegeist nur wie ein abgedroschenes J-Horror-Klischee, das sich aus Versehen ins falsche Genre verirrt hat – als würden die Macher der historischen Familiensaga nicht trauen und zwischendurch immer mal wieder „Buh!“ rufen, um die Zuschauer bei Laune zu halten. Eine Banalisierung, die der Stoff nicht verdient hat.

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