Playmobil - Der Film

Abenteuer | Frankreich/Deutschland 2019 | 100 Minuten

Regie: Lino DiSalvo

Im ersten Leinwand-Abenteuer um die populären Playmobil-Spielzeugfiguren werden zwei verwaiste Geschwister auf magische Weise in die Playmobil-Welt hineingezogen. Gemeinsam mit neuen Freunden versucht die ältere Schwester, sich und ihren kleinen Bruder wieder in die Realität zurückzubefördern, doch gilt es zunächst, einen bösen Herrscher schachmatt zu setzen. Ein tricktechnisch und in aufwändigen Musical-Nummern makelloser Animationsfilm, dessen Story sich aber in einer planlosen Abfolge von Schauplätzen erschöpft. Actionsequenzen und geschwätzige, mäßig witzige Dialogpassagen behindern sich gegenseitig, sodass der Film letztlich keine Zielgruppe wirklich erreicht. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
PLAYMOBIL: THE MOVIE
Produktionsland
Frankreich/Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Lino DiSalvo
Buch
Blaise Hemingway · Greg Erb · Jason Oremland
Musik
Heitor Pereira
Schnitt
Maurissa Horwitz
Darsteller
Anya Taylor-Joy (Marla) · Gabriel Bateman (Charlie)
Länge
100 Minuten
Kinostart
29.08.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Animation | Familienfilm | Kinderfilm
Diskussion

Tricktechnisch makelloser erster Animationsfilm um die beliebten Playmobil-Figuren, der sich aber in einer Abfolge von Schauplätzen, einigen Actionszenen und geschwätzigem Kalauern erschöpft.

In deutschen wie internationalen Kinderzimmern sind sie bereits seit Jahrzehnten Konkurrenten, nun sind Lego und Playmobil auch im Kino wieder im Wettbewerb vereint. Während Lego bereits seit einigen Jahren mit Fernsehserien und Kinofilmen wie The Lego Movie oder zuletzt The Lego Movie 2 die Entertainment-Welt für sich entdeckt hat, zieht das in Zirndorf bei Nürnberg angesiedelte Playmobil-Unternehmen, von dessen typischen siebeneinhalb Zentimeter großen Figuren bereits astronomische drei Milliarden Exemplare hergestellt wurden, jetzt nach. Das Leinwandwerk heißt ganz pragmatisch „Playmobil – Der Film“ und es beginnt nicht etwa als Animationsabenteuer mit den Spielzeug-Charakteren, sondern mit einer real gefilmten Rahmenhandlung, in der zwei Geschwister nach dem tragischen Unfalltod der Eltern ihr Leben zu meistern versuchen. Während dies der großen Schwester Marla (Anya Taylor-Joy) nur bedingt gelingt, flüchtet sich ihr kleiner Bruder Charlie (Gabriel Bateman) in seine fantastische Playmobil-Welt und wird durch einen Zauber als Figur sogar ein Teil von ihr. Da Marla sich für Charlie verantwortlich fühlt, muss sie ebenfalls in dieses magische Universum eintauchen, um ihren Bruder zu suchen, gegebenenfalls zu retten und in die Realität zurückzuführen.

Man mag sich fragen, ob es der richtige Weg ist, mit einer problembehafteten Coming-of-Age-Story einen Gute-Laune-Film anzugehen, von dem sich die Fans in erster Linie erhoffen dürften, dass ihr geliebtes Spielzeug auf der Leinwand lebendig wird. Ist diese Intro-Hürde aber erst einmal genommen, unterstreicht Regisseur Lino DiSalvo, dass er als Supervising Animator bei Rapunzel – Neu verföhnt und als Head of Animation von Die Eiskönigin – Völlig unverfroren einiges gelernt hat. In bester Disney-Manier zeigt er sich besonders bei stark choreografierten Massenszenen und den bei derlei Animationsfilmen üblichen Musical-Song-Nummern in starker Form. Auch was die Umsetzung der populären Figuren in bewegte Bilder betrifft, macht DiSalvo einen guten Job. Denn trotz aller Einschränkung – die Playmobil-Püppchen können nur Arme und Beine bewegen und mit Augen und Augenbrauen sowie Mund und Zunge ihr Mienenspiel variieren – kann er ein Höchstmaß an Emotionen und Mobilität erzielen.

Es gibt im Prinzip keine Story

Weniger Spaß macht dagegen die Story, denn es gibt im Prinzip keine. Die beiden Protagonisten Marla und Charlie wandern lediglich durch einen Playmobil-Themenpark nach dem anderen, neben Science-Fiction-artigen, Wikinger-Schlachtfeld- oder an James-Bond-Filme erinnernden Agenten-Thriller-Schauplätzen werden auch Klassiker wie die Westernstadt oder das Piratenschiff plan- und strukturlos aneinandergereiht. Und die Action muss sich viel zu oft dialoglastigen Szenarien unterordnen, die gerade in der deutschen Fassung mit komödiantischen Eskapaden eine derartige Dominanz entwickeln, dass sie von den eigentlichen Hauptcharakteren, den Playmobil-Figuren, ablenken.

Leider kann „Playmobil – Der Film“ auch auf der humoristischen Ebene selten überzeugen. Denn meist wechseln sich schmerzhaft peinliche Kalauer wie „Jetzt machen wir den Dino sauer“ mit Verwechslungsklassikern wie „Crétins/Croutons“ ab. Der Versuch, es allen recht machen zu wollen, ob Jung oder Alt, Junge oder Mädchen, Ritterfreund oder Prinzessinnenfan, Actionliebhaber oder Comedy-Freak, darf als gescheitert betrachtet werden.

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