A Discovery of Witches

Fantasy | Großbritannien 2018 | 345 Minuten

Regie: Alice Troughton

Eine Serienadaption von Deborah Harkness' "All Souls"-Trilogie, in der Vampire, Hexen und Dämonen unerkannt unter den Menschen leben. Staffel 1 kreist um die erblühende Liebe einer von Hexen abstammenden Historikerin zu einem Vampir. Dieser wird auf sie aufmerksam, als ein magisches Buch zu der jungen Frau, die eigentlich mit Magie nichts zu tun haben will, eine unheimliche Verbindung offenbart. Allerdings ist der kultuvierte Blutsauger nicht der einzige, der auf das Buch und die Frau aufmerksam wird. Ein gefährliches Strategie-Spiel um Wissen und Verbündete beginnt. Eine gediegene Umsetzung der romantisch-fantastischen Vorlage, die mit üppigen Schauwerten und einem versierten Schauspieler-Ensemble punktet und die zuckersüße Love Story mit Lust an der Historie kreuzt. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
A DISCOVERY OF WITCHES
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Alice Troughton · Sarah Walker · Juan Carlos Medina
Buch
Kate Brooke · Charlene James · Sarah Dollard · Tom Farrelly
Kamera
Petra Korner · Christophe Nuyens · Suzie Lavelle
Musik
Rob Lane
Schnitt
Nick Arthurs · Philip Kloss · Nikki McChristie
Darsteller
Teresa Palmer (Diana Bishop) · Matthew Goode (Matthew Clairmont) · Owen Teale (Peter Knox) · Malin Buska (Satu) · Louise Brealey (Gillian)
Länge
345 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Fantasy | Liebesfilm | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Universum
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Diskussion

Eine Serienadaption von Deborah Harkness' "All Souls"-Trilogie, in der Vampire, Hexen und Dämonen unerkannt unter den Menschen leben. Staffel 1 kreist um die erblühende Liebe einer von Hexen abstammenden Historikerin zu einem Vampir.

Es ist nicht neu, dass Vampire und andere Kreaturen der Nacht nicht nur Gegenstand des Horrors, sondern auch erotischer Projektionen sein können; das war schon in der Blütezeit des Gothic Horror im 19. Jahrhundert nicht anders. Im Fahrwasser von Stephenie Meyers „Twilight“-Reihe, die ab 2006 in Buchform erschien und zwischen 2008 und 2012 auch im Kino zum Blockbuster-Franchise geriet („Twilight – Biss zum Morgengrauen“, „New Moon – Biss zur Mittagsstunde“, „Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht“) erlebte das Genre der vampirischen Fantasy-Romanzen dann einen regelrechten Boom und der Vampir als Liebhaber seine Apotheose: Während weiland die holden Maiden noch von langweiligen viktorianischen Gentlemen vor den verführerischen Prinzen der Dunkelheit beschützt werden mussten, können die modernen Heldinnen wie in „Twilight“ auf die freiwillige Triebkontrolle der Vampire bauen und deren animalische Sexyness sozusagen in homöopathisch-metrosexuellen Dosen genießen. Eine erfolgreiche Variante des Themas lieferte die Amerikanerin Deborah Harkness mit ihrer zwischen 2011 und 2014 erschienenen „All Souls“-Trilogie, die ähnlich wie „Twilight“ in einer modernen Gegenwarts-Welt spielt, in der Vampire, Hexen und Dämonen unerkannt unter den Menschen leben und eine Art Parallelgesellschaft mit komplexen, konservativen Regeln formen.

Ein magisches Buch & eine grenzüberschreitende Liebe

Mit der Serie „A Discovery of Witches“ hat Sky nun mit der Verfilmung der Bestseller-Reihe begonnen. Im Mittelpunkt steht eine junge Historikerin (Teresa Palmer), die gerade dabei ist, an der Universität von Oxford beruflich Fuß zu fassen, als sie von ihrer Herkunft eingeholt wird: Diana stammt von einer Familie von Hexen ab, hat sich aber von diesem Erbe distanziert und will mit Magie nichts am Hut haben – bis ihr bei ihren Forschungen zur Geschichte der Alchemie in der Bodleian Library ein magisches Buch in die Hände fällt, das auf unheimliche Weise auf sie zu reagieren scheint und Diana ins Visier der übernatürlichen Community bringt. Vor allem wird der 1500 alte Vampir Matthew Clairmont (Matthew Goode) auf sie aufmerksam, der zu einer der führenden Familien unter den Blutsaugern gehört und ein vitales Interesse an dem  Buch hat, weil es Informationen zum Ursprung der Vampire enthalten könnte, die keineswegs in die falschen Hände geraten sollen.

Womit vor allem die Hände von Hexen gemeint sind, die unter der Führung des zwielichtigen Peter Knox (Owen Teale) hinter dem Werk her sind, um darin ein Mittel zu finden, die Blutsauger zu vernichten. Diana sitzt zwischen den Stühlen, fasst aber schließlich Vertrauen zu Matthew und fühlt sich zunehmend zu ihm hingezogen. Mit der erblühenden Liaison zwischen den beiden handeln sie sich allerdings zusätzliche Probleme ein, denn Verbindungen zwischen den magischen Spezies sind von der sogenannten „Congregation“, dem Rat der magischen Kreaturen, geächtet. Ein gefährliches Strategiespiel um Wissen, Einfluss und Verbündete beginnt. Wie dieses ausgehen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, dass Diana ihre eigene magische Macht zu akzeptieren und zu nutzen lernt.

Der feuchte Traum einer Historikerin

Deborah Harkness, die als Professorin für europäische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte an der University of California arbeitet, nutzt ihr Fantasy-Universum nicht zuletzt als Ventil  für ihre Lust an der Historie: Aus ihrer Perspektive ist die Vampir-Romanze nicht nur der Teenie-Traum vom Entdecken der „gefährlichen“ Sphäre der Erotik, der er in Meyers „Twilight“-Universum ist, sondern vor allem der feuchte Traum des Geschichts-Fans – schließlich sind Vampire als alterslose Wesen, die im besten Fall Jahrtausende auf dem Buckel haben, fantastische Zeugen des Vergangenen. Von dem, was Harkness davon in ihre Bücher einbaut, schafft es zwar nur ein kleiner Teil in die Adaption hinein; der liefert der Serie aber nicht nur ein interessantes Motiv-Netz, das sich von antiken Mythen über mittelalterliche Alchemie bis zum Zweiten Weltkrieg erstreckt, sondern auch eine Steilvorlage, um mit historisch schauträchtigen Kulissen und aufwendigen historistischen Sets zu arbeiten, die die Serie nicht zuletzt zum Augenschmaus machen: Neben der wunderbaren Bodleian Library spielt u.a. Venedig eine zentrale Rolle, außerdem der als mittelalterliche Burg konzipierte Stammsitz Sept-Tours der Clermont-Familie in der Auvergne.

Trotz dieser Geschichtsverliebtheit ist der Stoff durchaus auch zeitgeistig: Nicht nur, weil die zuckersüße Vampir-Liebesgeschichte hier gekreuzt wird mit der Geschichte einer weiblichen Selbstfindung und -befreiung, sondern auch, weil sie eingebettet wird in eine Figurenkonstellation, in der sich immer mehr die traditionsbewussten, weißen alten Männer als Bösewichter erweisen, während sich um Diana ganz im Sinne der „Diversity“ ein bunter Haufen an ethnischen, sexuellen und magischen Identitäten versammelt. Und dass eine Riege bewährter, großteils britischer Darsteller zur Verfügung steht, verleiht dem umfangreichen Figurenensemble auch da Kontur, wo der erzählerische Raum fehlt, die Backstories detaillierter auszumalen.

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