Die Geldwäscherei

Satire | USA 2019 | 95 Minuten

Regie: Steven Soderbergh

Eine Farce über die Geschichte der sogenannten „Panama Papers“, deren Veröffentlichung die Umtriebe der in Panama ansässigen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca auffliegen ließ, die mittels Briefkastenfirmen Superreichen unter anderem dabei half, ihr Geld am Fiskus ihrer jeweiligen Länder vorbeizuschleusen. Von Mossack und Fonseca als „Moderatoren“ verbunden und kommentiert, geben mehrere Episoden, die in unterschiedlichen Teilen der Welt und mal auf Opfer, mal auf Nutznießer fokussieren, Einblicke in die Grundlagen der Geldwäsche-Geschäfte und stellen auf pointierte Weise den Zynismus des Finanzmarkts bloß. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE LAUNDROMAT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Steven Soderbergh
Buch
Scott Z. Burns
Kamera
Peter Andrews
Musik
David Holmes
Schnitt
Mary Ann Bernard
Darsteller
Meryl Streep (Ellen Martin) · Gary Oldman (Jürgen Mossack) · Antonio Banderas (Ramón Fonseca) · Jeffrey Wright (Malchus Irvin Boncamper) · James Cromwell (Joe Martin)
Länge
95 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Satire
Diskussion

Eine Farce über die Geschichte der sogenannten „Panama Papers“, deren Veröffentlichung die Umtriebe der in Panama ansässigen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca auffliegen ließ.

Vermeintlich lustig geht es los, doch eigentlich tun sich von Anfang an erkennbar Abgründe auf. Zwei Herren im Anzug führen durch den Film. Manchmal tragen sie auch Smoking. Sie begrüßen die Zuschauer, sprechen direkt in die Kamera; sie reden viel und unterhaltsam, ihre Sätze sind durchzogen von kleinen, als Pointen gesetzten Einsichten und Wahrheiten, die von Party-Zynismen und dem bejahenden Einverständnis mit dem Bestehenden nicht mehr zu unterscheiden sind. Und sie sprechen sehr schnell, so schnell, dass man keine Zeit hat, auf Einzelheiten und das Kleingedruckte zu achten, es ist mehr der Fluss, die Geste, als das Gesagte, was hier hängen bleibt.

Sie wirken wie eine Mischung aus Fernseh-Showmastern und Autoverkäufern: Ein bisschen schmierig und nicht unbedingt vertrauenswürdig, gerade in der Art, in der sie um Vertrauen buhlen. Geradezu altmodisch hat Steven Soderbergh den Auftritt dieser beiden in Szene gesetzt; mit nostalgischen Anklängen an das „Rat Pack“ und die Casino-Welt von Las Vegas, deren Facetten er in „Ocean’s Eleven“ inszeniert hatte. Im Gestus eines nachsichtigen „So funktioniert nun mal die Welt“-Realismus erzählen die Herren dem Publikum eine kurze Geschichte des Reichtums, beginnend mit Höhlenmenschen, die das Feuer entdecken, über die Erfindung des Geldes bis zur heutigen Derivat- und Ratingökonomie der Finanzmärkte.

Ein schwarzhumoriges Lehrstück zur Lage des Kapitalismus

Antonio Banderas und Gary Oldman spielen die beiden, mit panamaischem beziehungsweise deutschem Akzent. Ihre Auftritte bilden das verknüpfende Band einer Kette von Szenen und Episoden, die ansonsten nur lose zusammenhängen, mitunter Sketch- und Exkurs-Charakter haben und sich erst mit der Zeit zu der Skizze eines der größten Finanzskandale der letzten Jahrzehnte zusammenfügen – der Geschichte der „Panama Papers“, die 2016 bekannt wurde – und zu einem Lehrstück der gegenwärtigen Lage des Kapitalismus. Mit jedem ihrer Auftritte werden auch die zwei Herren vom Anfang mehr und mehr zum Teil dieser Geschichte, die sie anfangs scheinbar ganz teilnahmslos präsentierten. Sie entpuppen sich nämlich als der Deutsche Jürgen Mossack und der Panamaer Ramón Fonseca, die beiden Gründungsdirektoren der inzwischen berüchtigten Firma „Mossack Fonseca & Co“.

Die erste Episode erzählt von Ellen und Joe, einem amerikanischen Ehepaar im Rentenalter. Es scheint recht typisch für den weißen Mittelstand, dem der amerikanische Traum seine besseren Seiten gezeigt hat. Bis zu jenem Morgen, an dem beide bei einem Bootstrip im Urlaub schwer verunglücken, Joe ertrinkt und seine Witwe erkennen muss, dass die Bootsfirma nicht versichert ist. Genau gesagt: Sie war es, aber die Versicherung hat sich wiederum versichert, und so ist die finanzielle Verantwortung so lange von einer zur nächsten Versicherung weitergereicht worden, bis niemand mehr verantwortlich und juristisch haftbar war.

So tut sich in „The Laundromat“ mit jedem Erzählschritt ein immer größeres Netz von Geldverschiebung und Geldwäsche auf. Eine Briefkastenfirma reiht sich an die nächste, überall werden sie von Strohmännern und -frauen geleitet. Eine besonders bizarre, im Film ins Absurd-Komische gewendete Episode ist jene von der analphabetischen Sekretärin Mia Beltran, die formell ungefähr 25.000 Unternehmen „besaß“. Als sie durch einen Unfall überraschend ums Leben kommt, stellt das ihre Chefs und wahren Firmenbesitzer vor erhebliche logistische Probleme.

Die Zuschauer sollen aufgewühlt und mobilisiert werden

Insgesamt unterhielten „Mossack Fonseca & Co“ auf diese Weise über 300.000 Unternehmen in mindestens 21 Staaten. Es ist die Erfahrung dieser Absurdität, die Soderbergh vermitteln will, und die moralische Empörung über eine derart skrupellose Finanzindustrie. „The Laundromat“ ist in diesem Sinn eher eine faktengesättigte „Doku-Fiction“ nach realen Ereignissen als ein Spielfilm. Manches hat rein illustrativen Charakter. Dies ist ein agitatorischer Film, und die Absicht des Regisseurs ist es, Kino als moralische Anstalt zu betreiben. Die Zuschauer sollen aufgewühlt und informiert werden, um an Ende mobilisiert zu sein. Und zwar in die „richtige“ Richtung.

Dazu sind dem Regisseur viele Mittel recht. Mit der von ihm gewohnten Virtuosität und Lust an der Variation stilistischer Formen, mit viel Witz und grundsätzlicher (Selbst-)Ironie, erzählt Soderbergh die Geschichte der „Panama-Papers“ als Farce mit tieferer Bedeutung. Hierbei kommt dem Regisseur die episodische Struktur des Drehbuchs entgegen, die es ermöglicht, einzelnen Teilen oder Exkursen einen je eigenen Ton zu geben. Das passt auch dazu, dass Soderbergh „The Laundromat“ für die etwas kurzatmigeren Sehgewohnheiten eines Streamingdienstes produzierte. Die Gefahr solcher Erzählweisen besteht eher darin, dass es schwerer wird, einen großen Bogen zu schlagen, und darin, dass nicht jede Episode gleich stark sein kann.

Meryl Streep hat das letzte Wort

Die grundsätzliche Haltung Soderberghs sind die fassungslose Lust an der Absurdität des Themas und der unbedingte Aufklärungswille. Neben dem großen Humor sind auch diverse kurze Schauspielauftritte bekannter US-Größen Highlights des Films. Sie fangen es jederzeit auf, wenn der Film gelegentlich ins Boulevardeske abkippt.

Im Zentrum steht dabei – neben dem sardonischen Triumph der zynischen Vernunft in Banderas’ und Oldmans Szenen – der Auftritt von Meryl Streep. Sie verkörpert nicht nur die resolute Witwe Ellen, die bis zum Ende des Films zunehmend verzweifelnd, aber nie aufgebend um ihr Recht kämpft, sondern auch die Sekretärin von „Mossack Fonseca“. Ihr gehört auch die letzte Szene: In einer bewusst „theatralischen“, künstlich gehaltenen Sequenz schlüpft sie zunächst von einer Rolle in die andere, um dann die Maske abzulegen und als Meryl Streep zum Publikum zu sprechen. Das Make-Up ist ab, die Maske ist gefallen: Willkommen zurück in der Realität.

 

 

 

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