Dem Horizont so nah

Drama | Deutschland 2019 | 117 Minuten

Regie: Tim Trachte

Eine aufgeweckte Schülerin verliebt sich in den 1990er-Jahren auf der Kirmes in einen attraktiven jungen Mann, der als Model arbeitet und ein flottes Auto fährt, aber ein tragisches Geheimnis verbirgt. Der nach dem gleichnamigen Bestseller entwickelte Film rückt die Liebesgeschichte ins Zentrum und ringt mit dem Dilemma aus Verzauberung und Krankheit, Drogensucht und Missbrauch. Die an US-amerikanischen Vorbildern orientierte Love Story verfügt über eine außergewöhnliche Hauptdarstellerin, große Gefühle und einen originellen Soundtrack, ohne dass sich die vielen stimmigen Teile aber zu einem wirklichen Ganzen fügen würden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Tim Trachte
Buch
Ariane Schröder
Kamera
Fabian Rösler
Musik
Michael Kamm
Schnitt
Charles Ladmiral
Darsteller
Luna Wedler (Jessica) · Jannik Schümann (Danny) · Luise Befort (Tina) · Frederick Lau (Dogan) · Denis Moschitto (Jörg)
Länge
117 Minuten
Kinostart
10.10.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm | Literaturverfilmung
Diskussion

Eine lebenslustige Schülerin lernt auf der Kirmes einen frechen Kerl kennen, der als Model arbeitet und ein flottes Auto fährt, aber ein tragisches Geheimnis verbirgt.

Der Märchenprinz auf dem Schimmel kommt im Cabriolet daher, es graut schon der Morgen. Das Mädchen ist betrunken, und da kennt das provinziell-kleinstädtische Milieu keine Gnade. Also rettet der Prinz sie vor einem hartnäckigen Verehrer. Nun könnten sie gemeinsam in den Sonnenaufgang fahren. Doch „Dem Horizont so nah“ von Tim Trachte beginnt ja gerade erst.

Natürlich war es Liebe auf den ersten Blick. Auf dem Jahrmarkt haben Jessica und Danny sich kennengelernt. Tiefe Blicke gewinnen mühelos gegen skeptische Freundinnen. Auch wenn sich Danny zwischendurch seltsam brüsk zeigt, geht es zunächst noch ein bisschen so weiter: Der 20-Jährige fährt nicht nur Cabrio, er modelt auch, lädt Jessica in ein schickes französisches Restaurant ein und rezitiert unterm Sternenhimmel Joseph von Eichendorff. Dann fällt der Satz vom Prinz und seinem weißen Pferd. Dannys Mitbewohnerin eröffnet Jessica, dass es sich bei ihm mitnichten um einen solchen handelt.

Im Zentrum steht die Liebesgeschichte

„Dem Horizont so nah“ beruht auf dem gleichnamigen, sehr dialoglastig-autobiografischen E-Book-Bestseller von Jessica Koch. Die Drehbuchautorin Ariane Schröder bleibt recht nah am Ton und am Kern der Geschichte, die von der ersten großen Liebe und einem tragischen Hintergrund erzählt. Der Film spielt in den 1990er-Jahren, die Figur des Danny könnte den Fotoromanen der ikonischen Jugendzeitschrift „Bravo“ entsprungen sein. Das Jahrzehnt wird von Ausstattung, Kostüm und Setdesign eher zurückhaltend interpretiert, es gibt ein paar Konversationen per SMS via Klapphandy und taillenhohe Karottenjeans. Doch im Vordergrund steht die Liebesgeschichte, nicht das Zeitkolorit.

Die Love Story wird in ihren dramaturgischen Stationen allerdings eher durchexerziert, als dass sie sich dramatisch und emotional nachvollziehbar entwickelt. Das erinnert an die Nummernrevue in Trachtes „Abschussfahrt“ (2015), in dem eine alkoholgeschwängerte Abi-Tour mit dem aus High-School-Komödien bekannten Figurenensemble handwerklich routiniert, aber wenig originell abgewickelt wird. Die Nebenfiguren sind auf Stichwortgeber reduziert, obwohl sie von Denis Moschitto als Dannys väterlichem Freund bis zu Victoria Mayer als Jessicas Mutter durchgehend gut besetzt sind.

Wenn Blicke sprechen

Ein echter Lichtblick ist Luna Wedler als Jessica. Die Schweizer Schauspielerin stellt hier erneut unter Beweis, dass sie zu den vielversprechenden deutschsprachigen Nachwuchsdarstellerinnen gehört. Robust und verletzlich zugleich wirft sie sich mit großer Energie in die Rolle. Sie kann mit Blicken geradezu sprechen! Ihr Temperament, ihre Natürlichkeit und ein leicht selbstironischer Zug erinnern an Emma Stone. Luna Wedlers Gegenüber Jannik Schümann ist hier kein ebenbürtiger Partner; im Vergleich bleibt er als Danny eher blass.

„Dem Horizont so nah“ orientiert sich deutlich an US-amerikanischen Vorbildern und bewegt sich zwischen „Mut zum Kitsch“ und „keine Angst vor großen Gefühlen“. Die schweren Themen, etwa Dannys tragisches Geheimnis, werden sensibel behandelt, es gibt Meer, Sonnenuntergänge, ganz großes Kino und einen wirklich originellen Soundtrack. Nur wollen sich die Teile nicht zum Ganzen verbinden. Die Liebe, das große Kino, die Geschichte bleiben in der Behauptung stecken.

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