Fantasy | USA/Polen 2019 | 474 (8 Folgen) Staffel 1 Minuten

Regie: Alik Sakharov

Serienverfilmung der "Hexer"- bzw. "Geralt"-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski. Der Fantasy-Stoff kreist um den Monsterjäger Geralt von Riva, der ein geheimnisvolles Mädchen als Schützling annimmt und über sie in politische Wirrnisse und kriegerische Auseinandersetzungen involviert wird. Staffel 1 konturiert mittels verschiedener Motive aus Sapkowskis Erzählungen die Vorgeschichte wichtiger Figuren und führt obendrein den zentralen Handlungsstrang um das junge Mädchen ein, das von den Schergen eines aufstrebenden Kaiserreichs gejagt wird. Angesiedelt in einer spätmittelalterlich anmutenden, mit Elementen aus Märchen und Sagen angereicherten Welt, entfaltet die Serie vor allem über ihr vielgestaltiges Figurenensemble einen lebensprallen, abenteuerlich-fantastischen, mit sardonischem Humor gezeichneten Kosmos, in dem es immer wieder um die Schwierigkeit geht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und handfeste Themen wie Rassismus und Sexismus anklingen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE WITCHER
Produktionsland
USA/Polen
Produktionsjahr
2019
Regie
Alik Sakharov · Charlotte Brändström · Alex Garcia Lopez · Marc Jobst
Buch
Lauren Schmidt
Kamera
Jean-Philippe Gossart · Gavin Struthers
Musik
Sonya Belousova · Giona Ostinelli
Schnitt
Liana Del Giudice · Nick Arthurs · Jean-Daniel Fernandez-Qundez · Xavier Russell
Darsteller
Henry Cavill (Geralt von Rivia) · Freya Allan (Ciri) · Anya Chalotra (Yennefer) · Anna Shaffer (Triss Merigold) · Joey Batey (Rittersporn)
Länge
474 (8 Folgen) Staffel 1 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Fantasy | Serie

Eine Serienverfilmung von Andrzej Sapkowskis Fantasy-Zyklus um einen mit besonderen Kräften ausgestatteten Krieger, der Monster aller Art bekämpft.

Diskussion

Es ist brutal, es ist dreckig, und es ist lebensgefährlich – doch trotzdem gehört der Kampf gegen eine sogenannte Kikimora, ein spinnenartiges, im Sumpf hausendes Ungetüm, noch zu den leichteren Übungen von Geralt von Riva (Henry Cavill). Denn wenigstens hat Geralt angesichts des Biests, das ihn gleich in der ersten Sequenz der Serienverfilmung von Andrzej Sapkowskis Fantasy-Zyklus in die Mangel nimmt, keine moralischen Probleme damit, das zu tun, was sein Job als sogenannter „Hexer“ ist: die durch magische Elixiere gesteigerten Kampfkünste, über die seinesgleichen verfügt, zu nutzen, um Monster zu töten und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Wenig später fangen dann die echten Schwierigkeiten an. Der Zauberer, dem Geralt den toten Körper der Kikimora verscherbeln will, versucht Geralt anzuheuern: Er soll ihm ein weiteres „Monster“ vom Hals schaffen, die auf Rache gegen ihn sinnende Brigantin Renfri. Geralt lehnt ab, sobald er die Hintergründe erfährt: Was zwischen dem Zauberer und der Frau schwelt, ist eine so unselige Geschichte aus Unrecht und Gegengewalt, dass Geralt es vorzieht, nicht zu entscheiden, wer hier das Ungeheuer ist und auf wessen Seite er sich stellt. Doch sich rauszuhalten ist, wie später noch oft in der Serie, letztlich auch unmöglich…

Showrunnerin Lauren Schmidt Hissrich umreißt für den Serienauftakt mittels einer markanten Episode aus Andrzej Sapkowskis Erzähluniversum sehr klar, mit was für einer Art von Held man es hier zu tun hat: Der „Witcher“ ist dank seiner besonderen Fähigkeiten zwar bestens dafür qualifiziert, die eiskalte Killermaschine zu sein, als die die meisten seiner Zeitgenossen die Hexer ansehen, hat aber „so viele Skrupel wie ein Fuchsfell Flöhe“ (wie es in der Buchvorlage einmal über ihn heißt) und hält sich mit schnellen Urteilen über die Daseinsberechtigung von Mitmenschen und -kreaturen lieber zurück – schon deswegen, weil er als „Mutant“ bestens weiß, wie es ist, selbst zur Zielscheibe von Vorurteilen und Hass zu werden.

Die pralle Sinnlichkeit und Detailliebe eines Brueghel-Gemäldes

Mit der in den 1990er-Jahren erschienenen, aus mehreren Erzählungsbänden und einer Roman-Pentalogie bestehenden „Hexer“- oder „Geralt“-Saga, der 2015 noch ein Einzelroman folgte, schuf der polnische Autor einen modernen Klassiker der Fantasyliteratur; 2002 wurde der Stoff zum ersten Mal (mehr schlecht als recht) verfilmt und hat sich seit dem Launch des „The Witcher“-Computerspiels, auf dessen Look die Serie sich teilweise bezieht, zum erfolgreichen Franchise ausgewachsen. Bekannt wurde Sapkowski zuvor durch seine „Narrenturm“-Trilogie, die im Schlesien des 15. Jahrhunderts spielt und in die Zeit der Hussitenkriege eintaucht; die mit Motiven aus Märchen und Sagen angereicherte Welt seiner „Hexer“-Saga trägt durchaus ähnliche Züge: Der an die Ära des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit erinnernde fiktive Kontinent, durch den der Hexer zieht, ist in zahlreiche kleine Königreiche gegliedert und von politischen, ethnischen und weltanschaulichen Spannungen zerrissen, die sich immer wieder in Pogromen, kriegerischen Auseinandersetzungen und um sich greifender Verrohung entladen.

Sapkowski schildert diese Welt mit dem sardonischen Humor des klassischen  Schelmenromans, ohne dabei zynisch oder misanthropisch zu werden; das Panorama an Menschen und magischen Geschöpfen unterschiedlicher Nationen, Stände und Spezies, mit dem es sein Held zu tun bekommt, entfaltet sich mit der prallen Sinnlichkeit und Detailliebe eines Brueghel-Gemäldes, gewürzt mit einem fantastisch-makabren (und mitunter erotischen) Schuss Hieronymus Bosch.

Der Barde, die Zauberin und die Prinzessin

Lauren Schmidt Hissrich und ihr Team tun ihr Bestes, um diesem Tonfall gerecht zu werden. Dabei greift das Drehbuch in den ersten acht Folgen lose Episoden aus Sapkowskis Erzählungen auf, um die zentralen Protagonisten zu konturieren und schlaglichtartig ihre Vorgeschichte zu beleuchten. Dazu gehört neben Geralt sein bester Freund, der kapriziöse Troubadour Rittersporn (auch musikalisch als gelungene Mischung aus mittelalterlichem Barden und One-Man-Boygroup verkörpert von Joey Batey), der eine komödiantische Reibungsfläche für den grimmig-grüblerischen Helden abgibt. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Geralts zukünftige große Liebe, die ehrgeizige, herrlich eigensinnige Zauberin Yennefer von Vengerberg (Anya Chalotra), die hier mit kompletter „origin story“ versehen wird – eine zentrale  Frauenfiguren in einer Saga, die mit einer ganzen Fülle an interessanten weiblichen Charakteren aufwartet, was fürs Fantasy-Genre der 1990er-Jahre noch bemerkenswert war und nun in der Adaption dafür sorgt, dass sich die Serie in Sachen „Gender Equality“ auf der Höhe der Zeit bewegt.

Diese Episoden werden, unbekümmert um die Chronologie, schon ab Folge 1 gemischt mit einem Handlungsstrang, der zum zentralen Plot der Roman-Pentalogie hinführt und als weitere Hauptfigur Ciri (Freya Allan) vorstellt, eine junge Prinzessin, die unerhörte Macht in sich trägt und darum ins Kreuzfeuer der politischen Interessen gerät – nicht zuletzt derjenigen des Kaisers von Nilfgaard. Dessen Truppen attackieren im Serienauftakt Ciris Heimatland Cintra und treiben das Mädchen zu einer gefahrvollen Flucht, die sie schließlich mit Geralt zusammenführen wird, mit dem sie ein schicksalhaftes Ersatzvater-Tochter-Band verbindet.

Mehr Dialog als epische Beschreibung

Trotz eines offensichtlich stattlichen Budgets stellt die Serie Schauwerte nicht offensiv aus, hält sich mit veritablen Massenszenen (wie etwa der Schlacht um Cintra) eher zurück und setzt fantastische Special-Effect-Kreaturen nur wohldosiert ein, um stattdessen mehr Sorgfalt und Zeit darauf zu verwenden, die zentralen Protagonisten mit einem vielgestaltigen, markant konturierten Ensemble an Nebenfiguren zu umgeben, das ein Gefühl vermittelt für den bunten sozialen Kosmos, den Sapkowskis Bücher eröffnen. Wie in der Vorlage ist die Stärke denn auch hier weniger die große epische Beschreibung à la Tolkien als vielmehr das Dialogische, die verbale oder auch handgreiflich eskalierende Konfrontation zwischen den Figuren – ein fantastisch-abenteuerliches Welttheater.

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