Science-Fiction | Deutschland 2020 | 371 (8 Folgen) Minuten

Regie: Joern Heitmann

In Berlin besetzen sinistre Außerirdische mittels einer Party-Droge menschliche Wirtskörper. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die nach Einnahme der Droge keine Erinnerungen mehr an ihr früheres Leben hat: Nach und nach wird ihr bewusst, was passiert, und sie kommt auf die Spur der außerirdischen Verschwörung, bei der sie selbst eine wichtige Rolle spielt. Unterdessen gehen auch zwei Ermittler dem mysteriösen Rauschmittel nach und stoßen bald auf weitere Fälle vermisster Teenager. Eine Science-Fiction-Serie als spannender Genremix aus Alien-Invasion-Stoff, Paranoia-Thriller und Coming-of-Age-Drama, die allerdings durch einige allzu stereotype und unglaubwürdige Figuren und das Schwelgen in Berlin-Klischeebildern an Reiz verliert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SPIDES
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Joern Heitmann · Rainer Matsutani
Buch
Rainer Matsutani · Peter Hume · Fabian Marquez · Carola M. Lowitz · Eckhard Vollmar
Kamera
Clemens Messow
Musik
Mario Grigorov · Steven Schwalbe
Schnitt
Sabine Mahr-Haigis · Garry M.B. Smith
Darsteller
Rosabell Laurenti Sellers (Nora Berger) · Francis Fulton-Smith (Ron Berger) · Désirée Nosbusch (Helen Berger) · Falk Hentschel (David Leonhart) · Florence Kasumba (Nique Navar)
Länge
371 (8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Science-Fiction | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Eye See Movies
Verleih Blu-ray
Eye See Movies
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Eine SciFi-Serie als Mischung aus Alien-Invasion-Stoff, Paranoia-Thriller und Teenagerdrama: Berlin wird von Aliens heimgesucht.

Diskussion

Langsam öffnet die junge Frau ihre Augen. Sie befindet sich in einem eiförmigen Glasbehälter, der mit einer violetten Flüssigkeit gefüllt ist. An ihrem Kopf sind zahlreiche Schläuche befestigt. Links und rechts des Behälters befinden sich Monitore, die ihren Zustand überwachen. Vor dem Mädchen stehen mehrere Personen in Arztkitteln und Chirurgenkleidung sowie ein Mann in einem Elektrorollstuhl. Prüfend ruht deren Blick auf dem weiblichen Versuchsobjekt. Als die junge Frau sich ihrer Situation bewusst zu werden scheint, ergreift sie Panik und sie stößt einen markerschütternden Schrei aus. Ihre Pupillen färben sich schwarz wie die Nacht. „Da bist du ja“, bemerkt der Mann in dem Rollstuhl.

Da ist sie, eine neue Serie aus deutschen Landen, die sich in einem Genre versucht, das in der hiesigen Filmproduktion traditionellerweise sonst eine marginale Rolle spielt: Science-Fiction. Klar, es gibt einige deutsche Klassiker, auch nach Fritz Langs Metropolis. Roland Emmerichs Filmdebüt Das Arche Noah Prinzip (1984) etwa, Rainer Erlers Operation Ganymed(1977), Fassbinders Welt am Draht (1973). Aber das sind eher Ausnahmen geblieben – vielleicht auch, weil es schwer ist, mit den effektstrotzenden Spektakeln aus Hollywood zu konkurrieren.

Außerirdische suchen sich in Berlin menschliche Wirte

Vorzugehen wie Fassbinder und von einer Zukunft der Gegenwart auf der Erde zu erzählen, eröffnet indes Möglichkeiten. Das führt uns zur Dystopie, die sich derzeit großer Beliebtheit erfreut. Auch der deutsche Netflix-Hit Dark hat starke dystopische Anteile. Warum funktioniert das besser? Weil Dystopien sowieso davon leben, sich auf gegenwärtige Missstände zu beziehen und diese weiterzuspinnen; aufwendige futuristische Szenarien haben sie nicht unbedingt nötig. Das spart Produktionskosten. Die Dystopie kann ruhig so ähnlich aussehen wie die Gegenwart. Das gelingt aber nicht immer so gut wie bei Fassbinder.

„Spides“ spielt im Berlin der Gegenwart. Die Stadt sieht aus wie heute. Und sie wird ausgiebig präsentiert. Im Verlauf der acht Folgen der ersten Staffel sehen wir so viele Schauplätze des heutigen Berlin wie in „Schicksalsjahre einer Stadt“ vom historischen Berlin. Auch in „Spides“ bahnen sich Schicksalsjahre an. Denn schnell wird deutlich, dass es um eine Verschwörung geht. Aliens wollen die Stadt erobern und brauchen dazu Menschen als Wirt. Sie scheinen aber vor allem die junge Frau zu brauchen, die zu Beginn der Serie in dem Glasbehälter und danach ein zweites Mal im Krankenhaus aufwacht und ihre Eltern nicht mehr erkennt. Fortan versucht Nora (Rosabell Laurenti Sellers) gemeinsam mit Verbündeten herauszufinden, was mit ihr nicht stimmt. Parallel ermitteln die Kommissare David Leonhart (Falk Hentschel) und Nique Navar (Florence Kasumba) zu Fällen vermisster Teenager. Von Folge zu Folge kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die ihr Netz immer engmaschiger über die Stadt spannt. 

Alien Invasion, Paranoia-Thriller & Coming-of-Age-Story

Wie im Film und in Serien der letzten Jahre verbreitet, vermischt auch „Spides“ die Genres: Zur Science-Fiction gesellt sich der Paranoia-Thriller, der in diesem Genremix mit den Verfilmungen von „The Invasion of the Body Snatchers“ bedeutende Vorbilder hat. Hinzu kommt das Teen-Drama, denn Noras Suche gemeinsam mit ihrer aufrichtigen Freundin Marie (Anna Bullard), deren Bruder Luka (Artjom Gilz) und Peter (Lion-Russell Baumann), der ein doppeltes Spiel zu spielen scheint, entwickelt sich zu einer Reise in die eigene Identität.

Showrunner Rainer Matsutani, dem 1995 mit „Nur über meine Leiche“ eine herrlich schräge schwarze Komödie gelang und seitdem hauptsächlich Fernsehen machte, verbindet die Genres gekonnt. Inszenatorisch bleibt aber unklar, ob es sich um Trash oder um ernste Science-Fiction handeln soll: Einige Figuren sind über alle Maßen typisiert und machen immer wieder Schritte in den Abgrund der Unglaubwürdigkeit. Berlin ist derart omnipräsent, dass man den Eindruck hat, die Serie wolle neben der erzählten Geschichte auch Infos für die besten Hotspots der Metropole liefern. Und dann geht es auch noch um eine Partydroge, womit das globale Klischeebild von Berlin komplettiert wird. So vermischen sich diverse Zutaten leider zu einem Serien-Cocktail, der mal mehr gerührt, mal mehr geschüttelt serviert wird, aber letztlich leider nicht die richtige Temperatur zu haben scheint. 

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„Spides“ läuft seit 5. März 2020 auf SyFy und erscheint am 27. April auch auf DVD und Blu-ray.

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