Mrs. Taylor's Singing Club

Drama | Großbritannien 2019 | 112 Minuten

Regie: Peter Cattaneo

Eine hochnäsige Offiziersgattin gründet auf einer Militärbasis mit weiteren Soldatenfrauen einen Chor, nachdem ihre Männer zu einem sechsmonatigen Auslandsdienst nach Afghanistan abkommandiert wurden. Dabei gerät sie mit einer aufgeweckten Sängerin in Konflikt, die nicht nur einen besseren Draht zu den Frauen hat, sondern auch lieber spritzige Popsongs statt klassischem Liedgut singen will. Nach historischen Begebenheiten folgt der Film so vorhersehbar wie überraschungslos den Konventionen des Chorfilms. Störend wirkt auch der übertriebene Antagonismus der beiden Hauptfiguren, die nur extreme Stereotypen verkörpern. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
MRS. TAYLOR'S SINGING CLUB
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Peter Cattaneo
Buch
Rosanne Flynn · Rachel Tunnard
Kamera
Hubert Taczanowski
Musik
Lorne Balfe
Schnitt
Lesley Walker · Anne Sopel
Darsteller
Kristin Scott Thomas (Kate Taylor) · Sharon Horgan (Lisa) · Greg Wise (Richard Taylor) · Jason Flemyng (Crooks) · Emma Lowndes (Annie)
Länge
112 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie

Zwei Ehefrauen englischer Soldaten, deren Männer nach Afghanistan abkommandiert sind, geraten sich bei der Organisation eines Chors in die Haare.

Diskussion

„Military Wives“ heißt dieser Film im Original. Man muss das im Hinterkopf behalten. Denn es geht hier nicht um den Afghanistan-Krieg, seine politischen Folgen und sozialen Verwerfungen. Die Männer sind abwesend; oft gibt es eine Nachrichtensperre, die etwas Gutes oder Schlechtes bedeuten kann. Der Krieg bleibt außen vor. Dass er aber trotzdem Folgen hat, vor allem für die Familien, könnte ein wichtiges Thema sein. Doch Regisseur Peter Cattaneo, der 1997 mit „Ganz oder gar nicht“ einen riesengroßen Erfolg feierte, geht auf Nummer sicher und präsentiert einen Chorfilm, der vor allem angenehm unterhalten soll.

Cattaneo erzählt die Geschichte von Kate Taylor, einer Offiziersgattin, die wie andere Ehefrauen der Soldaten auf einer Militärbasis irgendwo in Großbritannien lebt. Plötzlich sind die Männer weg, auf einem sechsmonatigen Auslandseinsatz in Afghanistan. Kate kommt die Aufgabe zu, eine Freizeitgruppe zu gründen, um die besorgten Gattinnen auf andere Gedanken zu bringen. Eigentlich ist sie gar nicht die Richtige dafür, weil sie im Umgang zu steif und zu hochnäsig ist, auch dickköpfig und humorlos wirkt. An Ideen für eine Freizeitgruppe herrscht kein Mangel. Eine Teerunde vielleicht? Oder doch lieber ein Strickklub? Nein – ein Chor soll es sein.

Zwei streiten um die Leitung

Allerdings trifft nicht jede Frau den richtigen Ton – die eine, weil sie sich nicht traut, die andere, weil sie sich überschätzt. Damit nicht genug: Kate besteht in ihrem Bildungsdünkel auf eher klassischem Liedgut, während die anderen lieber „Don’t You Want Me“ von Human League singen. Das bringt Kate in Opposition zur rebellischen Lisa, die einen besseren Draht zu den anderen Frauen hat und überdies schon in einem Chor gesungen hat. Plötzlich besitzt der Chor zwei Leiterinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Irgendwann werden sie sich zusammenraufen müssen, wenn es mit dem ersten öffentlichen Auftritt klappen soll.

„Mrs. Taylor’s Singing Club“ beginnt humorvoll, mit launigen Onelinern, die gern auf die Popkultur anspielen. „The first rule about Knitting Club: There is no Knitting Club“, wiederholt Kate einmal ein geflügeltes Wort in Anlehnung an David Finchers „Fight Club“. Auch die Kabbeleien zwischen Kate und Lisa machen anfangs Spaß, auch wenn die Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit, wie ein Chor zu leiten sei, mitunter nach Boulevardtheater riechen. Mit zunehmender Dauer des Films aber überzeichnet Cattaneo den Antagonismus der beiden Hauptfiguren. Kristin Scott Thomas und die wunderbare Sharon Horgan verkörpern extreme Stereotypen. Dass sie auf authentischen Vorbildern beruhen, glaubt man nicht. (Der „Military Wives Choir“, übrigens geleitet von einem Mann, war 2012 der erste von vielen weiteren auf britischen Militärbasen.)

Singen als Bewältigung einer Krise

Cattaneo interessiert sich mehr für eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen. Konflikte, Rückschläge, dramaturgische Umwege und verbale Verletzungen, die eigentlich nicht wiedergutzumachen sind, sorgen immer wieder für Sand im Getriebe der Erzählung. Dabei verlässt sich der Regisseur auf die Genrekonventionen, die man aus „Wie im Himmel“, „Oh Happy Day“ oder „Song for Marion“ kennt.

Im Mittelpunkt stehen das gemeinschaftliche Singen als Bewältigung einer Krise, der Aufbau eines Chores, die uneinigen Chorleiterinnen, die Proben, der erste Auftritt. Obwohl hier eine wahre (und darum einzigartige) Geschichte erzählt wird, ahnt man stets, wie es weitergeht. Das Drehbuch greift einzelne Sängerinnen heraus, um kurz ihr Schicksal zu streifen. Doch gerade bei jener jungen Frau, die viel zu früh ihren Ehemann an der Front verliert und nun mit ihrer Trauer konfrontiert ist, zeigt sich die Oberflächlichkeit des Skripts. Wirklich mitfühlen kann man als Zuschauer nicht.

Pathos statt Konflikt

Die Idee, Lisa ein Lied komponieren zu lassen, bei der jede Sängerin eine Zeile beisteuert, ist eigentlich originell. Doch leider kommt sie mit reichlich Pathos daher. Die „Military Wives“ singen nämlich nicht nur für sich, sondern auch – darauf verweisen die Schlussszenen – für ihre Ehemänner im fernen Afghanistan. Dass dieser Auslandseinsatz nicht weiter problematisiert wird, gehört zum konfliktscheuen Konzept des Filmemachers.

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