Max und die wilde 7

Abenteuer | Deutschland 2020 | 87 Minuten

Regie: Winfried Oelsner

Ein 9-jähriger Junge muss in das Altenheim auf einer alten Ritterburg ziehen, in dem seine Mutter als Pflegerin arbeitet, was ihm zunächst gar nicht gefällt. Als ein Serieneinbrecher auf der Burg sein Unwesen treibt, tut sich der junge Hobbydetektiv mit einer Rentnerclique zusammen, die aus drei recht speziellen Charakteren besteht. Schön unsentimental, handwerklich versiert und mit guten Darstellerleistungen erzählt der Film von der Annäherung zwischen den Senioren und dem Kind. Ebenso subtil wie kurzweilig transportiert er Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Selbstvertrauen, die Detektivgeschichte bleibt bis zuletzt spannend und kindgerecht. - Sehenswert ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Winfried Oelsner
Buch
Lisa-Marie Dickreiter · Winfried Oelsner
Kamera
Andy Löv
Musik
Eike Hosenfeld · Moritz Denis
Schnitt
Thomas Stange · Maja Stieghorst
Darsteller
Jona Eisenblätter (Max) · Alwara Höfels (Marion Bergmann) · Uschi Glas (Vera Hasselberg) · Günther Maria Halmer (Kilian von Hohenburg) · Thomas Thieme (Horst Dobberkau)
Länge
87 Minuten
Kinostart
06.08.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 8.
Genre
Abenteuer | Familienfilm | Krimi | Literaturverfilmung

Kinderfilm um einen 9-jährigen Hobbydetektiv, der sich mit drei unkonventionellen Senioren zusammentut, um eine Diebstahlserie in deren Altersheim aufzuklären.

Diskussion

„Und jetzt – Zur Sache, Schätzchen!“, stiftet die Rentnerin Vera den 9-jährigen Max zum Einbruch ins Zimmer der Oberschwester an. Wir befinden uns in einem gehobenen Altersheim auf einer historischen Ritterburg namens „Burg Geroldseck“. Vera ist eine frühere Schauspielerin und Bewohnerin des Hauses, Max der Sohn einer Altenpflegerin – und gemeinsam sind sie einem Serieneinbrecher auf der Spur. Veras Spruch ist kein Zufall: Denn gespielt wird die überkandidelte Diva von Uschi Glas, Hauptdarstellerin der Kultkomödie Zur Sache, Schätzchen aus dem Jahr 1968. Ihre Vera erzählt zudem jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist, dass sie „die Apanatschi“ war (womit der Uschi-Glas-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi von 1966 gemeint ist), und hat zig „Bravo“-Poster und Devotionalien in eigener Sache an der Wand hängen. Erfrischend, welch selbstironischen Umgang mit der eigenen öffentlich-beruflichen Persona die Schauspielerin Uschi Glas in den vergangenen Jahren pflegt: Davon zeugen etwa auch die Auftritte der früheren Schülerinnen-Darstellerin aus den „Pauker“-Filmen als völlig überforderte Lehrerin in der Fack ju Göhte-Kinoreihe.

In der Kinderbuchverfilmung „Max und die wilde 7“ ist sie Teil einer Rentnerclique, zu der außer ihr noch Kilian, Professor im Ruhestand, und der frühere Fußballtrainer Horst gehören: „Die wilde 7“ werden die drei genannt, weil sie immer gemeinsam an Tisch 7 essen und alle ein bisschen speziell sind. Während Vera etwas leicht Überkandideltes hat und der mürrische Forscher Kilian Vogelspinnen in seinem Zimmer hält, ist Horst eher von der handfesten Sorte. Das mag zunächst nach rechten Klischees klingen – doch das Drehbuch von Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner, der zudem für die Regie verantwortlich zeichnet, entwickelt seine Charaktere liebevoll. Dickreiter und Oelsner haben zuvor schon die gleichnamige, bislang dreibändige Kinderbuchvorlage geschrieben, auf deren erstem Buch („Das schwarze Ass“) Drehbuch und Film beruhen. Zudem haben die Filmemacher mit der Besetzung einen tollen Coup gelandet: Neben Glas konnten sie Günther Maria Halmer als Kilian und Thomas Thieme als Horst verpflichten – die drei Schauspieler verleihen ihren noch ziemlich rüstigen Rentner-Figuren Statur und Persönlichkeit.

Das neue Mitglied der „wilden 7“

Wie der Titel es ankündigt, wird „die wilde 7“ bald um ein Mitglied erweitert: Um Max, der mit seiner alleinerziehenden Mutter gerade eingezogen ist auf „Burg Geroldseck“. Sein erster Besuch in der neuen Schule, wo ihn Klassenfiesling Ole Schröder sogleich schikaniert, ist schon mal eher frustrierend. Und in der Burg, Max’ neuem Zuhause, führt Oberschwester Cordula ein strenges Regiment. Nun stehen langweilige, einsame große Ferien für den 9-jährigen Hobbydetektiv an. Natürlich ist Max deshalb wie elektrisiert, als bei einer Bewohnerin des Heims eingebrochen wird. Als kurz darauf Vera zum nächsten Diebstahl-Opfer wird, tut sich Max mit der Rentnerclique zusammen, um dem sogenannten „schwarzen Ass“ das Handwerk zu legen.

Wie sich die älteren Herrschaften und das Kind nach anfänglichem Misstrauen einander annähern, ist schön unsentimental, mit Ecken und Kanten erzählt. Der Ton ist durchaus rau – wobei Max so manche Einschätzung auch bloß in Form seiner Gedanken äußert. Die sind dann nur für den Zuschauer hörbar: Ein überzeugender (auch in der Vorlage verwendeter) Kunstgriff, um die Gefühlswelt des Jungen zu zeigen.

Kindgerechte Detektivgeschichte

Überhaupt ist dieser Max eine stimmige Figur und wird vom jungen Jona Eisenblätter sehr natürlich gespielt. Dass der zurückhaltende Grundschüler im Zuge seiner Freundschaft mit den Rentnern und der gemeinsamen Ermittlungen lernt, seine Ängste zu überwinden, mutig zu sein und zu sich selbst zu stehen, wird überzeugend und subtil transportiert. Unaufdringlich, humorvoll und kurzweilig vermitteln sich zudem Werte wie Zusammenhalt und Offenheit gegenüber verschiedenen Lebenswelten. Last but not least bleibt die handwerklich gut gemachte Detektivgeschichte bis zuletzt spannend – und dabei aber kindgerecht, also auch nicht zu aufregend.

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