Drama | Deutschland 2020 | 106 Minuten

Regie: Shirel Peleg

Durch ein Missverständnis scheint in Jerusalem die Hochzeit zwischen zwei besten Freundinnen beschlossene Sache. Nur die Großmutter torpediert die Liaison ihrer jüdischen Enkelin und deren deutscher Partnerin mit aller Härte. Ein komödiantisch angehauchtes Liebesdrama, das Probleme der Gender- und Geopolitik anreißt, ohne sie satirisch überzeugend zu durchdringen. Dadurch bleibt der Film sehr an der boulevardesken Oberfläche und gerät viel harmloser, als das Sujet verspricht. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
KISS ME BEFORE IT BLOWS UP
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Shirel Peleg
Buch
Shirel Peleg
Kamera
Giora Bejach
Musik
Jasmin Reuter
Schnitt
Heike Parplies
Darsteller
Moran Rosenblatt (Shira Shalev) · Luise Wolfram (Maria Müller) · Rivka Michaeli (Berta Posnansky) · Juliane Köhler (Petra Müller) · Bernhard Schütz (Hans Müller)
Länge
106 Minuten
Kinostart
10.09.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie | Liebesfilm

Komödiantisches Liebesdrama um die geplante Hochzeit einer jungen Jüdin mit ihrer deutschen Geliebten.

Diskussion

Was läuft falsch, wenn ein Heiratsantrag beim Gegenüber den Ausruf „Scheiße“ respektive „Könntest du einfach die Klappe halten“ provoziert? Eigentlich nichts; es spricht höchstens für ein unkonventionelles Verständnis von Zweisamkeit zwischen den Liebenden. Maria (Luise Wolfram) liebt Shira (Moran Rosenblatt). So sehr, dass die junge Deutsche nach Jerusalem fliegt und vor der Tür der kaum älteren Jüdin steht – und sie vielleicht sogar heiraten will.

Ausgangspunkt des Films ist jedoch ein aus der Tasche gefallener Ring – und damit ein Missverständnis. Doch kaum glänzt der Ring am Finger, planen Shiras Mutter Ora (Irit Kaplan) und ihre Schwester Ella (Aviv Pinkas) auch schon eine große Hochzeit. In Weiß und mit 300 Gästen, unter Umständen sogar mit Schweineschnitzel. Alles kein Problem. Selbst der Vater ist bereits eingeweiht, und Shiras Bruder macht die beiden flugs zum Gegenstand einer Hausarbeit in Form eines Dokumentarfilms. Solch ein „Spektakel“ gibt es ja selten, meint auch der Lehrer.

Bei der Heirat hört der Spaß auf

Die Liebe unter erschwerten Bedingungen könnte damit ihren Achterbahn-Lauf nehmen. Doch allen Missverständnissen zum Trotz ist Shira einfach genau die Richtige, und der Sex könnte für Maria niemals ein Ende finden. Also gut: Dann eben heiraten!

Doch Maria und Shira haben die Rechnung ohne deren Großmutter Berta (Rivka Michaeli) gemacht. Die ist zwar lose mit einem Palästinenser befreundet, doch wenn es um eine Hochzeit geht, versteht sie keinen Spaß. Immerhin hat Shira schon mit fast jeder Frau in Israel ein Verhältnis gehabt. Warum also jetzt ausgerechnet mit dieser Deutschen den Trauschein teilen?

Nicht umsonst hat Berta den Ring ihrer eigenen Mutter an Shira vermacht. Eines Tages sollte sie, wenn schon keinen Juden, so doch wenigstens eine Jüdin heiraten. Auch wenn es in der Familie durchaus zum guten Ton gehört, sich über Privates und Politisches in den Haaren zu liegen, hat Berta mit ihrer harschen Ablehnung von Maria eine Grenze überschritten. Es droht ein Zerwürfnis zwischen Shira und ihrer Großmutter, was auch Shiras Beziehung zu Maria zunehmend belastet.

Für allerlei Irrungen, Wirrungen und breit ausgespielte Schenkelklopfer wäre in der Liebeskomödie „Kiss Me Kosher“ von Shirel Peleg also gesorgt. Genüsslich wird hier versucht, mit allen nur erdenklichen Stereotypen zwischen Gender- und Geopolitik zu spielen, inklusive der traumatischen Vergangenheit. Die beiden Protagonistinnen können sich das leisten. Schließlich ständen sie ja ganz oben auf einer Liste, wenn es „mal wieder so weit käme“, hat Peleg provokant ins Drehbuch geschrieben, und zwar in einen Dialog ausgerechnet im Holocaust-Museum.

Erstaunlich wenig Chuzpe

Der jüdische Humor nimmt nichts ernst, ist respektlos, aber nie verletzend, oder wenn doch, allenfalls ein bisschen. „Kiss Me Kosher“ besitzt allerdings erstaunlich wenig Chuzpe. Denn hier wird an der Oberfläche gewitzelt, statt zu irritieren, und hier küsst man lieber ausgiebig, wenn eigentlich Sex gemeint ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film auf der dramatischen Ebene alles ansprechen will, was in zwischenmenschlichen und religiös getönten Kreisen – nicht nur in Israel – zum Zankapfel werden könnte. Dabei wird aber nichts vertieft, sondern mündet allzu schnell in einer – letztendlich belanglosen – Pointe.

Zumindest in der komplett eingedeutschten Fassung des offensichtlich mindestens dreisprachigen Drehbuchs finden sich kaum überzeugende Gewitztheiten. Wenn Maria, die in Deutschland an einer Doktorarbeit über den Klimawandel schreibt, einen Satz wie „Weißt du, was ich an Israel liebe? Hier findet man alles: warm und kalt, nass und trocken, schön und hässlich. Ist doch erstaunlich, oder?“ sagen muss, dann ist das wenig originell.

Wenn dann auch noch Marias überrücksichtsvolle Eltern aus Deutschland anreisen, hat das eher etwas von einer Boulevardkomödie als von tragikomischer Zuspitzung. „Kiss Me Kosher“ macht mit schweren Themen möglichst leichtfüßig Unterhaltung und stolpert dabei ein ums andere Mal. Wenn dann doch einmal allzu kräftig ausgeteilt wird, heißt es sofort: „Das ist ein Witz!“ Wo das in einer Komödie allzu inflationär auftaucht, läuft etwas schief.

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