The Professor

Drama | USA 2019 | 96 Minuten

Regie: Wayne Roberts

Ein Englisch-Professor erfährt, dass er unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Doch anstatt mit Frau und Tochter zu reden, frönt er einem hemmungslosen Hedonismus und irritiert mit seinen Eskapaden Freunde, Kollegen und Familie – bis er eine ungewöhnliche Entscheidung trifft. Eine unentschlossen inszenierte Tragikomödie, die der existenziellen Not des Protagonisten keine stichhaltigen Erkenntnisse abgewinnt. Der Humor ist flach, und nicht immer trifft der Film den richtigen Ton. Einzig der Hauptdarsteller vermag mit seinem Charisma zu überzeugen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
RICHARD SAYS GOODBYE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Wayne Roberts
Buch
Wayne Roberts
Kamera
Tim Orr
Musik
Aaron Dessner · Bryce Dessner
Schnitt
Sabine Emiliani
Darsteller
Johnny Depp (Richard) · Rosemarie DeWitt (Veronica) · Odessa Young (Olivia) · Danny Huston (Peter) · Zoey Deutch (Claire)
Länge
96 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Tragikomödie

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Tragikomödie um einen Englisch-Professor, der auf die Nachricht, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, mit hemmungslosem Hedonismus reagiert.

Diskussion

„Sie haben nur noch sechs Monate zu leben“, muss Johnny Depp in der Titelrolle gleich zu Beginn des Films, noch vor dem Vorspann, erfahren. Wie würde man selbst mit so einer erschütternden Nachricht umgehen? Andere um Beistand bitten, um nicht allein zu sterben? Dem Leben eine andere Richtung geben, um ihm in der verbleibenden Zeit noch so etwas wie Sinn zu verleihen? Versäumte Chancen nachholen? Bilanz ziehen? Sich mit anderen Menschen aussöhnen? Das sind gewichtige Fragen. Doch zum kuriosen Konzept von Drehbuchautor und Regisseur Wayne Roberts zählt, dass sie gar nicht erst gestellt werden. Der todkranke Richard ist ein schlechter Patient, der sich der Krebsdiagnose schlicht verweigert.

Als Richard, Professor an einer altehrwürdigen Universität in Neuengland, die Arztpraxis verlässt, murmelt er „Fuck“. Auf der Straße schreit er es dann laut heraus. Achtlos watet er in einen schmutzigen Teich, um kurz darauf völlig durchnässt kehrt zu machen. „Fluch der Karibik“ meets Wes Anderson. Für einen Augenblick wähnt man sich in einer feinen Komödie. Doch dieses Versprechen kann der Regisseur nicht einlösen. Dafür ist die Figur nicht lustig genug. Wenn Richard sich irritierend benimmt oder provokante Dinge sagt, fällt der schale Humor auf ihn zurück. Er ist ein Ritter von der traurigen Gestalt, der nicht einmal fähig ist, seine Frau Veronica (Rosemarie DeWitt) und seine Tochter Olivia über seine Krankheit zu informieren.

Der Protagonist nimmt sich alle Freiheiten

Zurück an der Uni, wirft er jene Studenten aus dem Seminar, die in ihrer Freizeit keine Bücher lesen, Geschäftsleute werden wollen oder Trainingshosen tragen. Das dezimiert die Anzahl der Lernwilligen radikal, doch so richtig Profil gewinnen ihre Charaktere nicht, auch nicht die von Zoey Deutch gespielte Claire, die sich als freundschaftliche Stütze in der Not anbietet. In der Liebe nimmt sich Richard Freiheiten, schließlich geht auch Veronica fremd – ausgerechnet mit seinem Boss, dem Dekan der Universität.

Fortan mäandert der Film ziellos vor sich hin. Roberts schickt seinen Titelhelden durch heimelige Räume, vom schicken Esszimmer zuhause über die holzgetäfelten Räume der alten Uni bis zur netten Bar im Ort. Doch die Einsichten, die Richard hier von sich gibt, sind nicht mehr als griffige Kalendersprüche. „In jedem Moment komponieren wir die Geschichten unseres Lebens“ – so richtig erkenntnisträchtig sind solche Sätze nicht. Und so beschleicht den Zuschauer der Verdacht, dass Richard aus der Nähe seines Todes nichts lernen wird. Der Tragik einer unheilbaren Krankheit und der existenziellen Not, für die es keinen Trost gibt, verweigert sich der Film, ohne dem etwas halbwegs Überzeugendes entgegenzusetzen, weder makabren Humor noch sinnfreie Absurdität.

In der Manier von Captain Sparrow

Gelegentlich vergreift sich der „The Professor“ schlicht im Ton, etwa, wenn Richard auf der Toilette Sex mit einer Kellnerin hat, während seine Studenten im Lokal auf ihn warten, oder einer seiner männlichen Studenten ihm im Büro erst Anal-, dann Oralverkehr anbietet. Das sind plumpe Demonstrationen von Richards neu entdeckter (oder besser: selbst auferlegter) sexueller Freiheit.

Anstatt die Figur zugänglicher zu machen, strahlen ihre Eskapaden eine unsympathische Respektlosigkeit gegenüber den Mitmenschen aus – etwa, wenn Richard eine alternativ angehauchte Studentin schikaniert oder die Ehefrau des Dekans ein wenig zu lange auf den Mund küsst. Immerhin trägt Johnny Depp den Film mit seinem Charisma; er darf in Captain-Sparrow-Manier die Worte verschlucken oder laut herausschreien, sich danebenbenehmen und der feinen Gesellschaft vors Schienbein treten. Dennoch hätte man sich tiefschürfendere Einsichten über das Leben und seine Endlichkeit gewünscht. Richards rebellisches Phlegma ist irgendwann schlicht nicht mehr genug.

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