The Night Clerk - Ich kann dich sehen

Thriller | USA 2020 | 86 Minuten

Regie: Michael Cristofer

Ein junger Mann mit Asperger-Syndrom arbeitet als Nachtportier in einem kleinen Hotel. Um das Verhalten der Gäste zu studieren, hat er in einigen Zimmern Kameras installiert. So wird er Zeuge, wie eine Frau erschossen wird, und gerät darüber selbst ins Visier der Polizei. Doch auch eine weitere Frau, die auffallend nett zu ihm ist, führt etwas im Schilde. Spannungsarmer Thriller, der Versatzstücke des modernen Film noir aufgreift, dabei aber die detektivische Recherche aus dem Blickfeld verliert. Die Themen der Überwachung und des Voyeurismus werden nur oberflächlich behandelt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE NIGHT CLERK
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Michael Cristofer
Buch
Michael Cristofer
Kamera
Noah Greenberg
Musik
Erik Hall
Schnitt
Kristi Shimek
Darsteller
Tye Sheridan (Bart Bromley) · Ana de Armas (Andrea Rivera) · Helen Hunt (Ethel Bromley) · John Leguizamo (Espada) · Johnathon Schaech (Nick Perretti)
Länge
86 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Die BD präsentiert den Film auf Deutsch und Englisch mit optionalen Untertiteln für Hörgeschädigte. Unter den Extras finden sich zwei kurze Featurettes („Director’s Vision“, „The Story“), die wenig über den Film hinausweisen, sowie der deutsche Trailer.

Verleih DVD
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Thriller um einen jungen Nachtportier, der am Asperger-Syndrom leidet, den Mord an einer Frau beobachtet und darüber selbst ins Visier der Polizei gerät.

Diskussion

Bart (Tye Sheridan) ist irgendwie anders, das sieht man sofort, wenn er als Nachtportier in einem kleinen Hotel am Counter sitzt. Er leidet am Asperger-Syndrom, darum fehlen ihm jegliche soziale Fähigkeiten. Eine mögliche Konversation mit Fremden lernt er im Vorhinein auswendig; die Frage nach seinem Wohlbefinden nimmt er so ernst, dass er eine Antwort als „zu kompliziert“ verweigert. Einmal sagt er einem Kioskbesitzer, dass er ein hässliches Hemd trage, einem Autohändler wirft er Fettleibigkeit vor. Man ahnt, dass Barts Unfähigkeit sich zu verstellen ihm noch zum Verhängnis werden wird.

Ein Voyeur mit Asperger-Syndrom

Noch irritierender ist allerdings die Tatsache, dass Bart in einigen Hotelzimmern Kameras installiert hat, um die Gäste zu beobachten. Er wolle ihr Verhalten studieren, um es nachzuahmen, rechtfertigt er sich im Off. In Wahrheit ist Bart ein Voyeur. Die Handlung kommt in Gang, als eines Nachts eine schöne Frau eincheckt, Besuch von einem Mann erhält, mit ihm in Streit gerät und kurz darauf erschossen wird. Bart hat über seine Monitore alles mit angesehen und wollte der Frau zu Hilfe eilen – zu spät. Jetzt sammelt er verwirrt alle Kameras ein. Eine allerdings vergisst er, und so gerät der junge Mann ins Visier des Polizeibeamten (John Leguizamo). Um Aufsehen zu vermeiden, wird Bart in ein anderes Hotel derselben Kette versetzt. Hier will eine junge Frau namens Andrea (Ana de Armas) übernachten. Verdammt nett ist sie und sehr flirtbereit. Doch was will sie wirklich von Bart?

Ein brutaler Mörder, ein desillusionierter Detective, ein zu Unrecht Verdächtigter, eine Femme fatale. Regisseur Michael Cristofer, der seit „Original Sin“ (2001) keinen Film mehr drehte, hatte wohl einen Neo Noir mit reichlich Sex und großer Intrige im Sinn. Doch „The Night Clerk“ ist weder „Body Heat“ (1981) noch „Kill Me Again“ (1989). Viel zu früh gibt der Film sein Geheimnis preis, das zuvor durch eine Ellipse – Wer gab den tödlichen Schuss ab? – bewahrt werden sollte; die detektivische Recherche verläuft seltsam richtungslos, so dass keine Spannung aufkommen will. Mehrmals sieht man, wie John Leguizamo im Auto auf den Verdächtigen wartet. Doch wie sich die Szene auflöst, erfährt man nicht. In den Verhören ist der Beamte selbstherrlich und denkfaul – kein Wunder, dass ihn niemand ernst nimmt.

Figuren ohne Geheimnisse

Auch den Themen der Überwachung und des Voyeurismus, die mit schwarz-weißen, starr und ausschnittartig quadrierten Bildern den Stil des Films bestimmen, gewinnt Cristofer keine erkenntnisträchtigen Aspekte ab. Zu unlaubwürdig werden sie als Lebenshilfe für einen psychisch Behinderten gerechtfertigt. Ana de Armas wiederum ist für eine Femme fatale vielleicht zu temperamentvoll: Schon beim ersten Auftreten verraten ihre großen Augen ihr Geheimnis. Dass sie behauptet, einen Bruder mit Asperger-Sydrom zu haben, um so das Vertrauen von Bart zu gewinnen, ist als Finte dann doch zu durchsichtig und geschmacklos.

Schade ist es auch um Helen Hunt, die als überfürsorgliche und ängstliche Mutter nicht mehr zu tun hat, als Mahlzeiten zu bereiten und ihren Sohn vor aufdringlichen Polizisten zu schützen. Dabei hätte dieser Film so viel mehr sein können: Ein junger Mann mit Asperger-Syndrom muss sich trotz seiner sozialen Defizite und seiner Unerfahrenheit in Liebesdingen gegen einen unberechtigten Mordverdacht und eine hinterlistige Verführung wehren. Was macht das mit ihm? Eine Antwort auf diese Frage bleibt „The Night Clerk“ schuldig.

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