Youth Unstoppable - Der Aufstieg der globalen Jugend-Klimabewegung

Dokumentarfilm | Kanada 2020 | 89 Minuten

Regie: Slater Jewell-Kemker

Facettenreiche Langzeitbeobachtung der kanadischen Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker über die Entstehung der globalen Jugendklimabewegung. Seit 2008 filmt die junge Regisseurin ihre Erlebnisse auf UN-Klimagipfeln, führt Interviews und dokumentiert Aktionen Gleichgesinnter. Kombiniert mit Reise-Eindrücken und Stationen ihrer persönlichen Entwicklung entsteht daraus eine einzigartige Chronik des Kampfs um die Erhaltung der Umwelt, wobei der radikal subjektive Ansatz ein Höchstmaß an Authentizität gewährleistet und viele Denkanstöße liefert. - Sehenswert ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
YOUTH UNSTOPPABLE: THE RISE OF GLOBAL YOUTH CLIMATE MOVEMENT
Produktionsland
Kanada
Produktionsjahr
2020
Regie
Slater Jewell-Kemker
Buch
Slater Jewell-Kemker
Kamera
Daniel Bekerman · Wendy Jewell · Slater Jewell-Kemker · Nick Taylor
Musik
Brendan Canning · Ohad Benchetrit · Moby · Thom Yorke
Schnitt
Matt Lyon · Mike Munn · Nick Taylor
Länge
89 Minuten
Kinostart
30.09.2021
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 10.
Genre
Dokumentarfilm

Facettenreiche Langzeitbeobachtung der kanadischen Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker über die Entstehung der globalen Jugendklimabewegung.

Diskussion

„We are unstoppable. Another world is possible“ - Wir sind nicht aufzuhalten. Eine andere Welt ist möglich. Diese Parole skandierten jugendliche Demonstranten bei der Pariser UN-Klimakonferenz (COP 21) im Jahr 2015, auf der die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius beschlossen wurde. Die kanadische Filmemacherin und Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker hat das Schlüsselwort „unstoppable“ des Schlachtrufs in den Titel ihres ersten langen Dokumentarfilms aufgenommen und mit dem Wort „Youth“ zu einer kompakten These vereint: Wenn die Jugend sich einig ist, ist sie nicht aufzuhalten.

Mit „Youth Unstoppable“ dreht die junge Regisseurin eine außergewöhnliche Langzeitbeobachtung zur Jugendklimabewegung, die wichtige Stationen der globalen Klimaschutzpolitik Revue passieren lässt und in tagebuchartiger Narration die persönliche Entwicklung der Autorin in dieser internationalen Bewegung schildert.

„Ich kämpfe für meine Zukunft“

Ausgangspunkt der facettenreichen Chronik ist allerdings nicht der UN-Gipfel in Paris, sondern ein denkwürdiger Auftritt eines zwölfjährigen Mädchens auf dem ersten Weltklimagipfel in Rio de Janeiro 1992. Als Severn Cullis-Suzuki damals im Namen der nachfolgenden Generationen an die politischen Führer der Welt appellierte, mehr für den Klimaschutz zu tun, und sagte: „Ich kämpfe für meine Zukunft“, legte sie damit das Fundament der heutigen Jugendklimaschutzbewegung, die sich gegen Erderwärmung, Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung engagiert.

Im gleichen Jahr wurde Jewell-Kemker in Los Angeles geboren. Als Tochter von Filmemachern begann sie schon mit sechs Jahren, eigene Filme zu drehen. Als Zehnjährige interviewte sie Prominente und Politiker zu Umweltthemen. Mit 15 reiste sie als Jugend-Delegierte zum G8-Gipfeltreffen 2008 nach Kobe in Japan, um die Interessen der jungen Generation in die Diskussionen einzubringen. Die Kamera hatte sie stets dabei und hielt ihre Eindrücke fest.

Seit etwa einem Dutzend Jahren nimmt die junge Regisseurin an Klimakonferenzen in Brasilien, Dänemark, Polen und Frankreich teil, protokolliert die Diskussionen, schaut hinter die Kulissen des Konferenzbetriebs, marschiert bei Demonstrationen mit, beschreibt Hoffnungen und Enttäuschungen der international vernetzten Aktivisten, fängt die Aufbruchstimmung ein, die US-Präsident Barack Obama und Al Gore in Paris 2015 verbreiten, aber auch die Frustration, die Donald Trump mit seiner rückwärtsgewandten Klimapolitik auslöste.

Die Vorläuferin von Greta Thunberg

Zwischendurch fliegt Jewell-Kemker, die das Geschehen oft aus dem Off kommentiert, nach Nepal und Bangladesch, wo sie die Folgen des Klimawandels hautnah zu spüren bekommt; manchmal erholt sie sich auch in ihrem kleinen Haus auf Rädern auf einer Farm im kanadischen Ontario. Schließlich begegnet Jewell-Kemker auch Greta Thunberg. Selbst wenn die junge Schwedin mit ihrem Schulstreik und ihrer „Fridays for Future“-Bewegung schnell Weltruhm erlangte, darf die weniger bekannte Kanadierin als ihre klimapolitische Vorläuferin gelten.

Der idealistische Impetus der Autorin tritt immer wieder deutlich zu Tage. Jewell-Kemker setzt sich mit viel Herzblut und unermüdlicher Energie für den Erhalt der Lebensgrundlagen auf der Erde ein – ein Ziel, das gegen den Widerstand der Industrie, vieler Politiker und Lobbyisten leichter durchzusetzen ist, wenn junge Leute mitmachen.

Natürlich tauchen in „Youth Unstoppable“ auch die allseits bekannten Warnbilder von Naturkatastrophen und Umweltschäden auf, die von der Erderwärmung begünstigt werden. Sie spielen hier allerdings nur eine marginale Rolle. Das Besondere an der subjektiven Filmchronik ist, dass sie das Aufblühen der Klimaschutzbewegung gleichsam von innen heraus schildert. So werden wir Zeuge, wie die Aktivisten dazulernen und schlagkräftigere Strukturen aufbauen, um ihre Anliegen wirkungsvoller in die Öffentlichkeit tragen. Die Fortschritte, Rückschläge und Niederlagen des Kollektivs spiegeln sich oft in sehr persönlichen Aufnahmen wider, in denen Jewell-Kemker von eigenen Enttäuschungen erzählt und zwischen Enthusiasmus und Desillusionierung pendelt. Es gibt aber auch Glücksmomente, etwa wenn sie dem Taucher und Umweltaktivisten Jean-Michel Cousteau wiederbegegnet, der sie beim ersten Treffen als kindliche Reporterin in ihrem Engagement ermutigt hatte.

Erfrischend: der radikal subjektive Ansatz

Erfrischend an „Youth Unstoppable“ ist, dass er radikal subjektiv ist und auf journalistische Objektivität pfeift. Vor allem im ersten Drittel kommt der Film oft rau, fast ruppig daher. Die Kamera wackelt, die Montage ist sprunghaft. Man spürt, dass die junge Regisseurin ihre filmischen Mittel noch nicht sicher beherrscht. Doch das bessert sich mit den (Lebens-)jahren und der professionellen Erfahrung, nicht zuletzt im Umgang mit der Filmmusik. Vor allem wirkt die Darstellung authentisch und ehrlich. Damit liefert der Film gerade dem jungen Publikum, aber nicht nur ihm, starke Identifikationsangebote und gibt viele Denkanstöße.

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