Heist-Movie | Spanien 2021 | 114 Minuten

Regie: Jaume Balagueró

Ein britischer Schatzsucher will zusammen mit vier Spezialisten aus der „Bank of Spain“ in Madrid drei Münzen rauben, die er zuvor in einem alten Schiffswrack geborgen hatte und die dann vom spanischen Zoll konfisziert wurden. Doch der Tresor ist der sicherste der Welt, nicht zuletzt, weil ihn ein Ex-Militär mit allen Mitteln bewacht. Nur leidlich spannender Krimi, der sich vor allem auf die Versatzstücke des Heist-Movies verlässt und mit der Attraktion seiner Bilder angibt. Der komplexen Topographie des auszuraubenden Gebäudes wird der Film aber nicht gerecht, zudem verliert er durch die ausufernde Vorstellung der einzelnen Charaktere an Spannung. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WAY DOWN
Produktionsland
Spanien
Produktionsjahr
2021
Regie
Jaume Balagueró
Buch
Rafa Martínez · Andrés M. Koppel · Borja Glez. Santaolalla · Michel Gaztambide · Rowan Athale
Kamera
Daniel Aranyó
Musik
Arnau Bataller
Schnitt
David Gallart
Darsteller
Freddie Highmore (Thom) · Astrid Bergès-Frisbey (Lorraine) · Sam Riley (James) · Liam Cunningham (Walter) · José Coronado (Gustavo)
Länge
114 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Heist-Movie | Krimi

Heimkino

Verleih DVD
SquareOne
Verleih Blu-ray
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Ein Heist-Movie um ein Team hochspezialisierter Einbrecher, die drei kostbare Goldmünzen aus der spanischen Zentralbank stehlen wollen.

Diskussion

Zunächst sieht alles nach einer zünftigen Schatzsuche aus: Walter (Liam Cunningham), ein Brite, birgt mit seiner Crew vor der Küste Spaniens aus einem alten Schiffswrack drei Goldmünzen aus dem 17. Jahrhundert, deren Wert unschätzbar ist. Allerdings nimmt der spanische Zoll die Männer umgehend fest und beschlagnahmt den Schatz. Schlimmer noch: Die Münzen wandern in den Tresor von Madrids historischem „Bank of Spain“-Gebäude. Das ist nicht irgendein Tresor, sondern der einbruchsicherste Tresor der Welt.

Eine hochspezialisierte Crew gegen einen todsicheren Safe

Aus der filmischen Schatzsuche wird so in „Crime Game“ nach wenigen Minuten ein Heist-Movie, im Stil von „Ocean’s Eleven“, der einmal sogar namentlich genannt wird, und in den Fußstapfen der Erfolgsserie „Haus des Geldes“, wo ebenfalls die spanische Zentralbank eine Rolle spielte. Walter schart eine unschlagbare Crew um sich: Da ist zunächst der Brite James (Sam Riley), der Mann fürs actionbetonte Grobe. Die hübsche Italienerin Lorraine (Astrid Bergès-Frisbey) ist eine versierte Taschendiebin und Safeknackerin. Der Spanier Simon (Luis Tosar) kann alles für einen Einbruch Nötige besorgen. Irritierend hingegen Axel Stein (mit Vollbart und Haardutt) als genialer deutscher Computerhacker, der an mehreren Monitoren die Fäden zieht und die Übersicht behält. Und dann ist da noch der Neuzugang Thom (dargestellt von Freddie Highmore, dem Bub aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“), ein superintelligenter und von der Industrie heißbegehrter Technik-Student. Er soll Lösungen für Probleme finden, von denen Walter noch nichts weiß. Denn: Niemand kennt den Tresor oder seine Funktionsweise. Gegenspieler des Quintetts ist Gustavo, ein schlechtgelaunter Ex-Militär, der „seinen“ Tresor mit allen Mitteln bewacht.

Von nun an folgt Regisseur Jaume Balagueró den sattsam bekannten Versatzstücken des Heist-Movies. Ausbaldowern der Örtlichkeit, Kopieren der Schlüssel, Anzapfen des Überwachungssystems, Suchen von unterirdischen Zugängen, Studieren von Plänen und Zeichnungen, Reden und Erklären, endlich ein rettender Plan zur Überlistung der ausgetüftelten Alarmanlage, deren analoges, mechanisches Prinzip bereits vor 70 Jahren installiert wurde. Wunderbar „old school“, will man sich gerade freuen, doch diese Idee dient nur einem Gigantismus des Bildes, das den Zuschauer überwältigen soll. Von der Schlichtheit der Raubzüge in Jules Dassins „Rififi“ oder Jean-Pierre Melvilles „Vier im roten Kreis“ ist dieser Film weit entfernt, nicht zuletzt wegen der Falle, die sich die Sicherheitsexperten für auf frischer Tat ertappte Bankräuber haben einfallen lassen.

Eigenwillige Solisten sind keine guten Teamplayer

Dem eigentlichen Gebäude der „Bank of Spain“, der Topographie mit Fluren, Büros, Konferenzräumen, Abstellräumen und Kellern, wird der Film so nicht gerecht. Der Spannung abträglich sind zudem mehrere Nebenstränge, die die unterschiedlichen Charaktere erklären sollen, aber zu viel Erzählzeit in Anspruch nehmen und so von der eigentlichen Handlung ablenken. Jedes Mitglied von Walters Truppe hat ein großes Ego, eigentlich ist keiner für das Teamwork geschaffen; man ahnt, dass zumindest eine Koalition nicht halten wird. Am irritierendsten ist dabei ausgerechnet der Charakter von Thom, ein liebenswerter, hochintelligenter Kerl, dem die Zukunft offensteht, der hochdotierte Anstellungen wichtiger Firmen ausgeschlagen hat, um sich selbst und seine Fähigkeiten treu zu bleiben. Warum er eine kriminelle Karriere einschlägt, erklärt der Film nicht.

Den zeitlichen Rahmen bildet übrigens die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Zwischen dem Halbfinale und dem Finale der Spanier müssen alle logistischen Probleme gelöst sein, die Tat selbst findet während der 90 Minuten des Endspiels statt, wenn alle Madrilenen inklusive Polizei und Sicherheitsleuten abgelenkt sind. Allerdings gab es damals eine Verlängerung, die der Film nicht verschweigen kann. Und so verpufft auch dieser durch Zeitknappheit beabsichtigte Spannungsmoment ohne Folgen.

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