Liebesfilm | Deutschland 2020 | 75 Minuten

Regie: Ralf Walker

Experimenteller Spielfilm über eine Handvoll Männer und Frauen, die herkömmliche Liebes- und Beziehungsmodelle hinterfragen und Zuschreibungen wie Partner, Paar, Familie entgrenzen. Der Film verzichtet auf eine konventionell-lineare Narration, sondern stellt Szenen unverbunden nebeneinander und setzt in der Manier von German Mumblecore auf Improvisation. Statt einfacher Antworten über Identität, Beziehungen und Partnerschaften dominiert erfrischend anders und recht humorvoll das Polymorph-Vielschichtige. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Ralf Walker · Saskia Walker · Sebastian Fremder
Buch
Ralf Walker
Kamera
Sebastian Fremder
Musik
Daniel Herskedal
Schnitt
Laia Prat
Darsteller
Saskia Walker (Bella) · Devid Striesow (Daniel) · Ralf Walker (Andreas) · Jörg Janzer (Namenloser Alter) · Lars Rudolph (Fritz)
Länge
75 Minuten
Kinostart
07.10.2021
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Liebesfilm

Experimenteller Spielfilm über eine Handvoll Männer und Frauen, die herkömmliche Liebes- und Beziehungsmodelle hinterfragen.

Diskussion

In gewisser Weise ist das durchaus konsequent. In dem Interview-Film „Sprache: Sex“ von Saskia Walker und Ralf Hechelmann wurde über Sex gesprochen, gerne über Bande, voller literarischer Referenzen und gebildeter Reflexionen. In „Der Siebzehnte“ gehen die Filmemacher jetzt näher heran, beleuchten in einer Reihe von Szenen die Praxis, halten aber zugleich mit dem Diskurs nicht hinter dem Berg. In einer losen Folge von Szenen wird eine Gruppe von Menschen gezeigt, die sich zum Thema Sexualität unterschiedlich positionieren. Im Zentrum steht das offene Beziehungsgeflecht von Bella, Andreas und Daniel, die vor, nach und beim Sex zu sehen und zu hören sind. Dazu kommt eine Gruppe junger Menschen um Bellas Sohn Kostja, der gerne eine Freundin hätte, worüber er dann ausgerechnet mit dem Mädchen räsoniert, das sich gut vorstellen könnte, diese Freundin zu sein.

Nackt durch die Natur wandern

Eines Tages begegnet das amouröse Trio im Wald einer Jägerin, die sich als Gräfin zu erkennen gibt. Die Gräfin hat ein Wildschwein geschossen, ist aber Vegetarierin und lädt folglich zum Grillfest im Grünen ein. Bei diesem Treffen reitet Fritz vorbei, dem geraten wurde, sich einen Hund als Freund anzuschaffen, weil er von den vielen gescheiterten Beziehungen erschöpft ist. Er wählte den Hund dann eine Nummer größer: ein Pferd. Dazu gesellt sich noch ein Arzt, der als Einsiedler gerne nackt durch die Natur wandert und sich beizeiten mit dem einschmiert, was eine erfolgreiche Jägerin ausweidet.

Je länger „Der Siebzehnte“ dauert, desto klarer wird, dass die Abfolge der Szenen extra so montiert wurde, dass keine Handlung im konventionellen Sinne entsteht. Die einzelnen Szenen stehen auf diese Weise für sich im Raum. Da den Darstellern überdies Raum für Improvisation gelassen wurde, den diese mit Verve zu nutzen wissen, vergeht mitunter einige Zeit, bis das Ausagieren vor der laufenden Kamera Funken schlägt. So verwandelt sich das Enervierende von Bellas unerhörter Fröhlichkeit im Fortgang des Films in eine Art von Beziehungsklugheit, die staunen lässt.

Eine betont offene Drift

Man ist gut beraten, sich auf die betont offene Drift dieses atmosphärischen German-Mumblecore-Films einlassen und sich von der Spielfreude von Devid Striesow, der hier seine Rolle in „Drei“ interessant und souverän variiert, Lars Rudolph und Franziska Petri mitreißen zu lassen.

Für das Experiment, das hier gewagt und realisiert wurde, findet sich im Presseheft diese schöne Formel, formuliert von Saskia und Ralf Walker: „Wir wissen weder, wer wir sind, noch wer wir waren, noch wer wir sein werden. Wir versuchen, wir haben versucht, wir werden versuchen. Wir versuchen uns, wir versuchen die anderen. Manchmal haben wir uns versucht und müssen weitersuchen.“ Man wartet jetzt gespannt auf den nächsten Versuch, etwas zur Sprache, aber nicht auf den Punkt zu bringen.

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