Romantische Komödie | Deutschland 2021 | 88 Minuten

Regie: Florian Gottschick

Zwei Paare aus Hamburg verabreden ein Experiment: Vier Wochen, in denen jede/jeder mit dem Partner/der Partnerin des/der anderen zusammenlebt, aber ohne Sex. Als sich die vier Mittzwanziger danach treffen, stehen die kriselnden Liebesbeziehungen auf dem Prüfstand. Die kammerspielartige, turbulente Beziehungskomödie punktet mit einem spielfreudigen deutschen Star-Ensemble und überraschenden Wendungen, schöpft ihr Potenzial aber nicht aus, weil existenzielle Krisen ausbleiben und das Finale allzu konstruiert wirkt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2021
Regie
Florian Gottschick
Buch
Florian Gottschick · Florian von Bornstädt
Kamera
Lukas Steinbach · Christof Wahl
Schnitt
Christoph Dechant
Darsteller
Jonas Nay (Nils) · Nilam Farooq (Janina) · Paula Kalenberg (Maria) · Louis Nitsche (Ben) · Tim Oliver Schultz (Anton)
Länge
88 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Romantische Komödie

In der Beziehungskomödie mit deutscher Starbesetzung lassen sich junge Paare aus Hamburg auf ein Experiment ein: Vier Wochen Zusammenleben mit der/dem anderen Partner/in, aber ohne Sex. Als sich die vier danach wiedersehen, müssen sie klären, wer bei wem bleiben will.

Diskussion

"Das war an sich schon eine sagenhaft dämliche Idee", sagt der Nils (Jonas Nay) beim Zusammentreffen mit seiner Lebensgefährtin Maria (Paula Kalenberg) und ihren beiden Freunden Janina (Nilam Farooq) und Ben (Louis Nitsche) in einem abgelegenen Strandhaus an der Nordseeküste. Die Idee bestand darin, dass die beiden Paare sich auf ein Experiment geeinigt haben: Vier Wochen Partnertausch, aber ohne Sex. Danach reisen die vier Mittzwanziger aus Hamburg für ein Wochenende ans Meer, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Bilanz zu ziehen. Doch die angepeilte Analyse des Experiments, mit dem die Paare ihre jeweiligen kriselnden Liebesbeziehungen überprüfen wollten, läuft schnell aus dem Ruder.

Als der adrette Makler Nils vor dem Haus seiner wohlhabenden Eltern sieht, wie zärtlich Ben und Maria miteinander umgehen, ahnt er schon, dass die charmante Kindergärtnerin und der sensible, aber erfolglose Schauspieler die zentrale Regel gebrochen haben. Am Abendessenstisch bringt er das Thema zur Sprache und sorgt mit provokanten Bemerkungen für das erste Streitgespräch. Es bleibt nicht bei dieser Enthüllung an dem langen Wochenende. Nach und nach kommen weitere gebrochene Versprechen, verschwiegene Fakten und peinliche Geheimnisse ans Tageslicht, die Gefühle verletzen und Vertrauenskrisen auslösen, die zu heftigen Diskussionen über Wertvorstellungen führen und im Eifer des Gefechts sogar zu körperlichen Übergriffen. Und die schließlich Lebensmodelle in Frage stellen.

Pudeldame liefert Songs für den Soundtrack

Die für Netflix produzierte Romantikkomödie spielt mit Ausnahme weniger kurzer Szenen in dem noblen Strandhaus, wobei die Fixierung auf Innenräume nur durch einige Spaziergänge am Sandstrand aufgelockert wird. Die Kameramänner Lukas Steinbach und Christof Wahl setzen reizvolle visuelle Akzente, indem sie das Bild zuweilen in zwei oder drei Segmente teilen und so meist Szenenwechsel vorbereiten. Zwischendurch sorgt auch der Soundtrack mit Songs und eingängigen Klangflächen für musikalische Abwechslung; verantwortlich zeichnen dafür Darsteller Jonas Nay, der Frontmann der Band Pudeldame, und sein Bandkollege David Grabowski.

Der 1981 geborene Regisseur Florian Gottschick knüpft mit der Filmromanze an seinen Diplomfilm "Nachthelle" an, mit dem er 2014 sein Regiestudium an der Babelsberger Hochschule abschloss. In dem namhaft besetzten Psychodrama erzählt er, wie sich zwei Paare für ein Urlaubswochenende in einem Dorf in der Lausitz verabreden und von verdrängten Erlebnissen und Schuldgefühlen aus der Kurve getragen werden. Ein wichtiger Unterschied zu "Du Sie Er & Wir" besteht jedoch darin, dass darin ein Paar aus homosexuellen Männern besteht. Die Ausgangskonstellation des Drehbuchs von Gottschick und Florian von Bornstädt erinnert zugleich an das Setting der italienischen Komödie „Perfetti Sconosciuti" und ihres deutschen Remakes „Das perfekte Geheimnis" von Bora Dagtekin, in denen jeweils ein Paar mehrere Freunde zum Abendessen einlädt und ein bizarres "Spiel" für allerlei Irrungen und Wirrungen auslöst. An den Schwung und den Poitenreichtum dieser Kinohits reicht Gottschicks Arbeit auf der komödiantischen Ebene allerdings nicht heran.

Ein gutes Darsteller-Quartett, aber auch einige Längen

Für sein jüngstes Werk hat der Filmemacher, der zuletzt mit dem Frauenporträt "Fucking Berlin" (2016) und dem erotische aufgeladenen Drei-Personen-Kammerspiel "Rest in Greece" (2019) hervorgetreten ist, nichtsdestotrotz ein prominentes Ensemble aufstrebender junger Darsteller versammelt: Paula Kahlenberg ("Nahschuss") harmoniert dabei vor der Kamera ebenso gut mit Jonas Nay ("Deutschland 83") wie Nilam Farooq ("Sweethearts") mit Louis Nitsche ("In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte"). Die vier erhalten in häufig wechselnden Konstellationen reichlich Gelegenheit, ihren Figuren Profil zu geben. So flüchtet sich Nils häufig in Zynismen und arrogante Sprüche, während Janina ihre professionellen Minderwertigkeitsgefühle durch übertriebenen Aktivismus in Sozialen Medien kaschieren will. Ben wiederum kokettiert allzu gerne mit seinem Looser-Image, und die stets um Konsens bemühte Maria hat es dicker hinter den Ohren, als es zunächst scheint.

Die soliden Darstellerleistungen können aber nicht verhindern, dass sich vor allem in der zweiten Hälfte in den vielen Gesprächsrunden einige Längen einschleichen. Zudem überrascht es, dass die Figuren trotz der teils schockierenden Enthüllungen meist Haltung bewahren und tiefere psychologische Krisen ebenso ausbleiben wie erschütternde emotionale Ausbrüche – am Ende setzen sich alle immer wieder brav zusammen. Zu diesem Befund passt allerdings wiederum die finale Pointe, die dann doch etwas konstruiert wirkt.

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