The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window

Drama | USA 2021 | 204 (8 Folgen) Minuten

Regie: Michael Lehmann

Nach einem traumatischen Verlust hat sich eine Frau weitgehend vom Leben zurückgezogen, leidet unter einer Angststörung und verbringt die Tage mit zu viel Rotwein und Psychopharmaka am Fenster ihres Vorstadthauses. Ein gutaussehender neuer Nachbar und seine kleine Tochter hellen ihre Stimmung auf, bis sie eines Abends in deren Haus einen Mord beobachtet. Die Polizei will ihr nicht glauben, weil es keine Indizien gibt, also geht sie auf eigene Faust ans Ermitteln, ob der neue Nachbar der Mörder ist. Eine komödiantisch angelegte Murder-Mystery-Serie, die den Brückenschlag zwischen Spannung und Humor gut hinbekommt, solange es um einen soliden "Whodunit"-Plot geht; weniger überzeugend gelingt das, sobald die Handlung sich in Richtung Psychothriller bewegt. Die gute Hauptdarstellerin trägt dazu bei, dass die Serie trotzdem solide unterhaltend bleibt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE WOMAN IN THE HOUSE ACROSS THE STREET FROM THE GIRL IN THE WINDOW
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Michael Lehmann
Buch
Hugh Davidson · Larry Dorf · Rachel Ramras
Musik
Nami Melumad
Schnitt
Jennifer Van Goethem · Tara Timpone · Stephanie Willis
Darsteller
Kristen Bell (Anna) · Tom Riley (Neil) · Michael Ealy (Douglas) · Mary Holland (Sloane) · Shelley Hennig (Lisa)
Länge
204 (8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Komödie | Serie | Thriller

Eine komödiantische Murder-Mystery-Serie mit Kristen Bell als seelisch angeschlagener Frau, die im Haus gegenüber einen Mord beobachtet und zu ermitteln beginnt.

Diskussion

Voyeurismus kann gefährlich sein! Seit Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ spielen Thriller immer wieder mit dem Motiv der Schaulust, die in Todesangst umschlägt, wenn sich sicher wähnende Beobachter etwas sehen, was sie nicht sehen sollten, und dann ihrerseits ins Visier genommen werden. Zuletzt hatte Joe Wrights Romanverfilmung „The Woman in the Window“ das Thema durchgespielt, mit Amy Adams als seelisch labiler, agoraphobischer Heldin, die Zeugin eines Mordes wird, bei der Polizei aber wegen fehlender Indizien und ihrer psychischen Probleme auf Unglauben stößt. Die Miniserie von Rachel Ramras, Hugh Davidson und Larry Dorf übernimmt von „The Woman in the Window“ diese Ausgangskonstellation – nur dass die Serienmacher das Thema diesmal nicht als bierernsten Suspense-Stoff angehen, sondern mit komödiantischen Einschlägen, wie schon die kurios-umständliche Titel-Verballhornung andeutet.

War es Mord – oder zu viel Krimis und Rotwein?

Auch die Heldin von „The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window“ wird durch eine Angststörung in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt: Anna (Kristen Bell) hat nach einem schlimmen Verlust – ihre Tochter wurde ermordet, und an der Trauer zerbrach ihre Ehe – eine Ombrophobie entwickelt, eine panische Angst vor Regen, traut sich kaum noch von zuhause weg und verbringt ihre Tage mit Psychopharmaka und Unmengen Rotwein im Sessel am Fenster ihres Suburbia-Häuschens, wo sie wechselweise Krimis liest und die Nachbarn beobachtet. Entsprechend bleibt es ihr nicht verborgen, als gegenüber neue Leute einziehen: der gutaussehende Neil (Tom Riley), seine süße Tochter (Samsara Yett) – und keine Mutter, da Neil, wie Anna bald herausfindet, verwitwet ist. Prompt wittert sie Morgenluft: Würden sie und das verwaiste Vater-Tochter-Gespann nicht gemeinsam wieder die perfekte Kleinfamilie abgeben?

Doch dann taucht die schnippische Stewardess Lisa (Shelley Hennig) auf und entpuppt sich als Neils Freundin. Und als Anna eines Abends durchs Fenster beobachtet, wie diese in Neils Haus blutig zu Tode kommt, ist ihr guter erster Eindruck vom neuen Nachbarn endgültig ruiniert. Ist Neil ein Mörder? Die von Anna alarmierte Polizei findet keine Hinweise auf ein Verbrechen und schreibt das Ganze dem Alkohol-Medikamenten-Cocktail und der durch Krimis angeheizten Fantasie der Zeugin zu. Auch Anna zweifelt an der Zuverlässigkeit ihrer Wahrnehmung, beginnt aber nichtsdestotrotz auf eigene Faust zu ermitteln – was sich bald als gefährlich entpuppt…

Die Verbrecherjagd setzt neue Energien frei

Dass Krimi- und Komödienelemente eine schöne Symbiose eingehen können, ist nichts Neues; zuletzt hat es in Steve Martins spielerischer Murder-Mystery-Serie „Only Murders in the Building bestens funktioniert. „The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window“ hat einige inhaltliche Ähnlichkeiten: Wo in „Only Murders in the Building“ eine Mordermittlung zum Movens für drei krimibegeisterte Großstadt-Monaden wurde, endlich die Nachbarn in ihrem Apartmenthaus kennenzulernen und ihre Vereinzelung zu überwinden, treibt sie nun Anna dazu an, ihre Lethargie und ihre Phobie in den Griff zu bekommen und wieder aktiv zu werden – auf soliden „Whodunit“-Gleisen geht es also Richtung Neuanfang. Dabei ist die Serie stilistisch zwar nicht so originell und spielerisch wie „Only Murders in the Building“, würzt die Mörderjagd aber durchaus amüsant mit allerlei kuriosen Begegnungen und Herausforderungen.

Psychothriller und Komödie kommen sich ins Gehege

Weniger gelungen ist die Genremischung dann, wenn das Ganze mehr zum Psychothriller-Stoff wird und es um Annas Trauma und ihre Zweifel am Realitätsstatus der eigenen Wahrnehmungen geht: Da funken mitunter zu plumpe Humor-Brechungen störend in die (Melo-)Dramatik und innere Spannung. Dass etwa die Ursache von Annas Phobie, der Verlust ihrer Tochter, durch eine überkandidelt-makabre Backstory zu einer Art schlechtem Witz wird, wirkt eher geschmacklos als lustig. Vor allem Kristen Bells darstellerischem Geschick ist es geschuldet, dass solche Patzer die Sympathie für die Hauptfigur, die die Basis fürs Mitfiebern ist, nicht nachhaltig schmälern: Anders als dem Drehbuch gelingt es Bell mit bewährtem Charme, Komisches und Ernstes auszutarieren.

Dass die Serie, die einige interessante Haken schlägt, gegen Ende wieder deutliche Ähnlichkeiten mit „The Woman in the Window“ an den Tag legt und die vermeintlich verblüffende Auflösung daher für so manche Krimifans arg vorhersehbar sein dürfte, ist zwar schade; nichtsdestotrotz gesteht man Anna gern die Option auf einen weiteren Fall in einer zweiten Staffel zu. Der Samen dafür wird im Finale gelegt – wieder in den Fußspuren eines vielgeliebten Hitchcock-Klassikers, „Eine Dame verschwindet“.

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