Action | China 2021 | 121 Minuten

Regie: Benny Chan

Einige Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Einsatz stehen ein rechtschaffener Inspektor und sein ehemaliger Schüler nun auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes. Ihr mit Waffen, Fahrzeugen und Fäusten in ganz Hongkong ausgetragenes Duell gefährdet nicht nur das Leben zahlloser Menschen, sondern wird für den Inspektor auch zum permanenten Integritätstest. Der letzte Film des Regisseurs Benny Chan knüpft mit fantastischen Setpieces und seinen bis ins Melodrama übersteuernden Affekten noch einmal an die Hochphase seiner Karriere im Hongkonger Action-Kino an, wobei auch das Vertrauen auf Autoritäten wie die Polizei eher dem Stil der 1990er-Jahre entspricht. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
NOU FO
Produktionsland
China
Produktionsjahr
2021
Regie
Benny Chan
Buch
Benny Chan · Tang Yaoliang · Ryan Wai-Chun Ling
Kamera
Yuen Man Fung
Musik
Nicolas Errèra
Schnitt
Curran Pang
Darsteller
Donnie Yen (Cheung Sung-Bong) · Nicholas Tse (Yau Kong-Ngo) · Lan Qin (Lam Ho-Ying) · Angus Yeung (Cho Ning) · Patrick Tam (Yuen Ka-Bo)
Länge
121 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Martial-Arts-Film | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch
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Der letzte Film von Hongkong-Action-Kultregisseur Benny Chan: Ein Polizist stellt sich einem ehemaligen Kollegen entgegen, der nun als Gangster die Stadt bedroht.

Diskussion

Das Hongkong dieses Films teilt sich in zwei Welten: eine gewaltige Hochhausmetropole und ihren schmutzigen, in Wellblech gewickelten Untergrund. Cheung Sung-Bong (Donnie Yen) und Yau Kong-Ngo (Nicholas Tse) sind für ihre Berufung in beiden Welten unterwegs, steigen aus den Höhen der Metropole bis hinunter in die Abwasserkanäle. Polizist ist nur noch einer von ihnen. Cheung leitet als legendärer Senior Inspector eine Spezialeinheit der Hongkonger Polizei. Sein ehemaliger Schüler und Partner Yau hat diese für ein Leben im Untergrund getauscht.

Die Wege der beiden trennen sich genau dort, wo auch ihre Persönlichkeiten auseinandergehen. Beim letzten gemeinsamen Einsatz, für den, wie von ganz oben angewiesen, alle Methoden (eben auch die jenseits von Vorschrift und Recht liegenden) erlaubt sind, töten Yau und sein Team einen Kriminellen im Zuge eines Verhörs. Cheung ist als einziger Zeuge derjenige, der im Gerichtssaal entscheiden muss, ob die übereifrigen Cops in den Knast gehen. Als Bilderbuch-Polizist mit unerschütterlichem Moralkompass entscheidet sich Cheung, die Wahrheit zu bezeugen. Das Gericht hört sie, seine Erklärungs- und Relativierungsversuche jedoch nicht. Yau und dessen Team wandern hinter Gitter, wo die Jahre den Heißsporn zum zynischen, überheblichen Gangster runterkühlen, der nun, da er wieder auf freiem Fuß ist, seine Rachepläne in Gang setzt.

Extremsituation als Integritätstest

Der ganz Hongkong gefährdende Racheakt wird für Inspector Cheung nicht nur zur anhaltend lebensbedrohlichen Extremsituation, sondern auch zum dauerhaften Integritätstest. Nach der Gerichtsverhandlung und einem Bestechungsversuch durch die Führungsetage, die ihn zum Dinner lädt und ihm nahelegt, eine Ermittlung gegen ihresgleichen unter den Tisch fallen zu lassen, ist es Yau, der den ehemaligen Mentor mit der Entführung seiner Frau in eine ethische Zwickmühle bringt, die er nur mit einem Vorstoß gegen die Vorschriften und mit den eigenen Martial-Arts-Fähigkeiten meistern kann.

Mit Donnie Yen als Frontmann knüpft „Raging Fire“ an die Blütezeit des Hongkonger Action-Genres an. Regisseur Benny Chan schuf mit seinem Debüt „A Moment of Romance“ (1990) einst einen Kultklassiker dieses Kinos; die klassische Formel aus Verrat, Ehre, Waffen, Blut, Pathos und Melodrama sind nun auch in diesem, Chans letztem Film – der Filmemacher starb vor der Premiere mit nur 58 Jahren – die Zutaten, aus denen Chan sein Action-Feuerwerk bastelt. Der Polizeidienst ist dabei stets heroische Handarbeit. Wenn der Inspector nachts in die eigene Altbauwohnung zurückkehrt, nachdem er sich fast im Alleingang einem Gangboss und seinen Handlangern stellt, werden im Badezimmer erst einmal die lockeren Zähne aus dem Kiefer gepult. Gemessen an den Hochzeiten des Genres und den jüngeren, drastischeren, den Autoritäten gegenüber deutlich misstrauischeren Ausläufern der zeitgenössischen Genreverwandten, wie etwa Johnny Tos Drug War (2012), wirkt „Raging Fire“ etwas zahmer. Der spektakuläre Showdown zieht die Daumenschrauben für die Beteiligten und Unschuldigen drastisch an, doch die anarchische Kraft von einst dringt nicht immer durch die Idealisierung der Hongkonger Polizei.

Pistole gegen Sturmgewehr, Schlagstock gegen Messer

Dennoch liefern sich Yen und Tse als „Heroic Bloodshed“-Stereotypen, die Chan vor dem in Stein geschlagenen Leitsatz der Hongkonger Polizei („We serve with pride and care“) einander gegenüberstellt, ein Duell, dessen Eruptionen ganz Hongkong erschüttern. Die dazugehörigen Setpieces (Donnie Yen wird in den Credits als „Action Director“ geführt) sind entsprechend beeindruckend: Mit Pistole gegen Sturmgewehr, Schlagstock gegen Messer, Dienstwagen gegen Motorrad, Sprengstoff gegen Kindergarten und natürlich Faust gegen Faust lässt Chan die zwei Persönlichkeiten aufeinanderprallen. Nachdem sie einander die Körper zertrümmert haben, wirft Cheung seinem Kameraden Yau einen letzten, von den Laserpointern dutzender Sturmgewehre geleiteten Blick zu, und „Raging Fire“ fängt in Nicholas Tses blutverschmiertem Gesicht für einen Moment das vor Trauer, Wut und Melodrama überquellende Spektakel ein, mit dem Benny Chans Karriere begann und nun leider viel zu früh endet.

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