Ein Mordsteam ermittelt wieder

Buddy-Movie | Frankreich 2022 | 119 Minuten

Regie: Louis Leterrier

Fortsetzung von „Ein Mordsteam“ von 2012: Die beiden unterschiedlichen Polizisten, der eine schwarz und stur, der andere weiß und schnöselig, tun sich einmal mehr unfreiwillig zusammen, um in der Provinz den Tod eines Mannes zu klären. Dabei kommen sie einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur. Alberne und belanglose Krimikomödie, die vorgibt, akute Probleme der französischen Gesellschaft aufzugreifen, ohne aber für eine ironische Brechung zu sorgen. Einige Szenen sind so geschmacklos und irritierend, dass sie nicht zu einer Komödie passen wollen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
LOIN DU PÉRIPH
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2022
Regie
Louis Leterrier
Buch
Stéphane Kazandjian
Kamera
Thomas Hardmeier
Musik
Guillaume Roussel
Schnitt
Vincent Tabaillon
Darsteller
Omar Sy (Ousmane Diakité) · Laurent Lafitte (François Monge) · Izïa Higelin (Alice) · Dimitri Storoge (Brunner) · Stéphane Pezerat (Mercier)
Länge
119 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Buddy-Movie | Komödie | Krimi

Fortsetzung einer französischen Buddy-Cop-Komödie um zwei ungleiche Pariser Polizisten: Nach rund zehn Jahren müssen sich der Oberschichts-Polizist und sein Kollege aus der Banlieue erneut zusammentun, um in einem brenzligen Fall in der Provinz zu ermitteln.

Diskussion

Zehn Jahre, nachdem der schwarze Polizist Ousmane Diakhité (Omar Sy) in Ein Mordsteam den Mord an der Ehefrau eines Großindustriellen löste, ist er in Paris zum Kommissar des Morddezernats aufgestiegen. Seinen Dickkopf hat er allerdings behalten: Als er einen Kriminellen, der sich nebenbei als Kickboxer verdingt, verhaften will, der sich aber weigert, beginnt Ousmane im geschlossenen, runden Käfig eine wüste Prügelei, um dann die Zuschauer mit Waffengewalt zu einem Hohelied auf die Pariser Polizei zu nötigen: „Dirty Harry“ auf Französisch. Die Handlung kommt in Gang, als am Gare du Nord in einem TGV die obere Hälfte einer in zwei Teile gerissenen, männlichen Leiche gefunden wird. Zufällig steht François Monge (Laurent Lafitte), Ousmanes Partner von damals, daneben. Er leitet mittlerweile das Revier des 12. Arrondissements, doch die Kollegen hassen den arroganten, arbeitsscheuen und chauvinistischen Schnösel abgrundtief, weswegen ihm die ganz große Karriere versagt geblieben ist.

Jetzt sieht er aber seine Chance gekommen: Er steigt ungebeten mit Ousmane in den nächsten Zug, um den Unterleib der Leiche zu suchen. Die Reise führt die beiden in die tiefste Provinz, nach Valergnes, wo sie bereits von der hübschen Polizistin Alice Gauthier erwartet werden. Der Rest der Leiche ist schnell gefunden, ein kurioser Unfall mit dem Motorrad, so scheint es. Fall gelöst, der Bürgermeister drängt etwas zu energisch auf Abreise der Polizisten. Doch Ousmane ahnt, dass es hier um mehr geht. Eine Verschwörung vielleicht?

In allen Belangen unterschiedliche Buddys

Regisseur Louis Leterrier, bekannt geworden mit „The Transporter“ (2002) und dem Hollywood-Film „Die Unfassbaren – Now You See Me“ (2013), dekliniert hier zunächst die Genre-Konventionen des „Buddy Movies“ durch, dessen Gesetze man seit Walter Hills Nur 48 Stunden (1982) zu Genüge kennt und die auch schon der von David Charhon inszenierte Vorgänger-Film „Ein Mordsteam“ erfolgreich bediente. Die zwei Cops Diakhité und Monge unterscheiden sich nicht nur durch ihre Hautfarbe, sondern auch durch ihr Temperament, ihren sozialen Hintergrund, ihren Ehrgeiz und ihre Fähigkeiten. Da François’ Karriereweg eine andere Richtung eingeschlagen hat, kommt auch noch eine gehörige Portion Neid hinzu. Ousmane sieht sich hingegen besonders in der Provinz mit einer gehörigen Portion Rassismus konfrontiert.

Für einen Moment könnte man glauben, dass Drehbuchautor Stéphane Kazandjian mit diesen Anspielungen etwas über die Gespaltenheit der französischen Gesellschaft, in der der Rechtspopulismus immer evidenter wird, sagen will. Doch seinem groben, albernen Humor fehlt diesbezüglich die ironische Brechung. Wenn Ousmane ständig als Afrikaner beschimpft wird, ist das nicht witzig, sondern traurig. Schlimmer noch: In Valergnes sind die beiden Flics gezwungen, wegen Zimmerknappheit im Hotel im selben Bett zu schlafen, homophobe Gags sind die Folge. Beim Hahnenkampf um die attraktive Polizistin gesellt sich dann noch eine gehörige Portion Sexismus hinzu.

Aufregend, aber manieristisch

Nun könnte man dem Film zugutehalten, dass er mit Omar Sy und Laurent Lafitte zwei charismatische Schauspieler hat, deren Charaktere sich gekonnt aneinander reiben. Auch die Landschaftsaufnahmen sind aufregend, vor allem die Autoverfolgungsjagd auf einer in den Felsen geschlagenen, schmalen Straße überzeugt. Doch Reißschwenks, schnelle Schnitte und rasante Drohnenaufnahmen gegen die Fahrtrichtung belegen den visuellen Manierismus des Films.

Und was ist von einer Krimikomödie zu halten, in der die Untersuchung einer halben Leiche als komisch und die Enthauptung eines Motorradfahrers, der bei einer Verfolgungsjagd nicht aufgepasst hat, als Attraktion verkauft wird? Spätestens, wenn der abgetrennte Kopf auf die Motorhaube der Polizisten purzelt, hat man sich aus diesem Film verabschiedet.

Kommentar verfassen

Kommentieren