Dokumentarfilm | Frankreich/USA 2021 | 82 Minuten

Regie: Émilie Thérond

Der Dokumentarfilm erzählt von drei selbstbewussten Frauen, die in entlegenen Weltregionen unterrichten und ganz in ihrem Beruf aufgehen. Die Lehrerinnen aus Burkina Faso, Sibirien und Bangladesch kämpfen mit großem Einsatz für mehr Bildung und wollen Kinder, die unter schwierigen Umständen aufwachsen, darin unterstützen, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Der Film geht nicht nur wegen der sympathischen Protagonistinnen und der Kinder ans Herz, sondern auch aufgrund seiner authentischen Bilder. Eine Liebeserklärung an alle Lehrerinnen und Lehrer, an der auch der etwas gefühlige Soundtrack nicht ändert. - Ab 12.
Zur Filmkritik

Filmdaten

Originaltitel
ÊTRE PROF
Produktionsland
Frankreich/USA
Produktionsjahr
2021
Produktionsfirma
Winds Film/Daisy G. Nichols Prod./France 2 Cinéma/Vendôme Prod./Chapka Films
Regie
Émilie Thérond
Buch
Émilie Thérond
Kamera
Simon Watel
Musik
Rémi Boubal
Schnitt
Anne Lorrière · Margot Meynier · Maxime Pozzi-Garcia
Länge
82 Minuten
Kinostart
27.04.2023
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm
Externe Links
IMDb | TMDB | JustWatch

Heimkino

Verleih DVD
X Verleih (16:9, 1.85:1, DD5.1 diverse/dt.)
DVD kaufen

Doku über drei Lehrerinnen, die in Burkina Faso, Sibirien und Bangladesch mit großem Einsatz den Kindern Bildung beibringen wollen.

Diskussion

Sandrines erster Job nach dem Lehramtsstudium steht an. In ihrem Heimatland Burkina Faso ist es üblich, dass frisch gebackene Lehrkräfte aufs Land versetzt werden. Also muss die junge Lehrerin vorerst Abschied nehmen von ihrem Kind, denn jetzt heißt es: Ab in die Provinz! Das ist eine große Umstellung für die junge Frau, die in der Hauptstadt Ouagadougou zu Hause ist. Kaum in ihrer neuen Heimat angekommen, wird sie gleich mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert: Es gibt im ganzen Dorf praktisch kein Mobilnetz und weder einen funktionsfähigen Brunnen noch eine regelmäßige Stromversorgung. Das Schulgebäude hat immerhin ein Dach, aber keine Fenster. Gleich am nächsten Tag soll sie anfangen – mit fünfzig Kindern, die fünf verschiedene Dialekte sprechen und sehnsüchtig auf ihre neue Lehrerin warten, um die offizielle Landessprache Französisch sprechen, lesen und schreiben zu lernen.

Zwei Jurten und eine Fähre

In Ostsibirien rast Svetlana mit ihrem Rentierschlitten in Eiseskälte durch die tief verschneite Taiga. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie den Winter über mit ihrer Wanderschule unterwegs, um Nomadenkinder zu unterrichten und ihnen die Sprache, die Kultur und das mündlich überlieferte Wissen ihres Volkes, der Ewenken, nahezubringen. Zuerst werden die beiden Jurten, eine für die Schule, eine zum Schlafen, aufgebaut. Gleich darauf geht es schon los: Vier Jungs, die anfangs ziemlich gleichgültig wirken, wollen bei Svetlana mehr über das Leben ihrer Vorfahren erfahren.

Ganz anders sieht dagegen Taslimas Arbeitsplatz in Bangladesch aus: eine ausgemusterte Fähre, die nochmal flottgemacht wurde und während der Monsunzeit dafür sorgt, dass die Kinder weiter zur Schule gehen können. Taslima unterrichtet viele Kinder unterschiedlicher Altersgruppen. Doch die engagierte Junglehrerin hat neben der Vermittlung von Wissen noch ein weiteres wichtiges Anliegen: Sie möchte besonders die Mädchen fördern, denen manchmal schon im Alter von elf oder zwölf Jahren die Zwangsverheiratung droht.

Die Dokumentaristin Émilie Thérond begleitet die Hauptpersonen, die sie zu Beginn nacheinander vorstellt, über unterschiedliche Zeiträume hinweg. Mit Sandrine bleibt man ein ganzes Schuljahr über im afrikanischen Buschland, vom ersten Arbeitstag bis zur Zeugnisvergabe. Es gibt genügend Zeit, um die humorvoll-herzliche Lehrerin und die Kinder kennenzulernen: die ehrgeizigen und die, denen alles zufällt, ebenso wie diejenigen, die es schwer haben.

Gedichte in Ewenkisch

Svetlanas Unterrichtszyklen umfassen dagegen meist nur einen Zeitraum von etwa zehn Tagen, dann zieht sie weiter. Bei Svetlana können die Kinder nicht nur ewenkisch lernen und zum ersten Mal Gedichte in ihrer Muttersprache hören, sondern auch, wie man mit dem Lasso ein Rentier fängt. Letzteres trifft am ehesten den Geschmack der Kinder. Doch auch, was den Umgang mit Gedichten betrifft, sind kleine Fortschritte zu beobachten.

Taslima in Bangladesch kämpft auf einer ganz anderen Ebene: Sie unterrichtet in dem nur auf den ersten Blick idyllisch wirkenden Schulboot fast ausschließlich Kinder aus unterprivilegierten Familien, in denen die Mädchen trotz guter Schulleistungen oft nicht mal zur Oberschule gehen können, weil sie noch im Kindesalter verheiratet werden – trotz strenger Gesetze, die dies verhindern sollen. Auch Taslima drohte einst dieses Schicksal. Heute ist sie selbst der beste Beweis dafür, wie wichtig Schulbildung ist und welche Erfolge sich damit erzielen lassen. Hinter ihrer sanften Stimme und ihrem zurückhaltenden Auftreten verbergen sich ein eiserner Wille und viel Selbstvertrauen.

Über diese beiden Eigenschaften verfügen auch ihre Kolleginnen in reichem Maße, ebenso vereint sie ihr Glaube an die Fähigkeiten ihrer Schutzbefohlenen, ihr Optimismus und der liebevolle, geduldige Umgang mit den Kindern. Trotz aller kulturellen Unterschiede scheinen sich gute Lehrkräfte überall auf der Welt zu gleichen, ebenso wie die Kinder.

Kinder stehen im Mittelpunkt

Émilie Thérond gibt ihren drei Protagonistinnen viel Zeit, von sich selbst und von dem zu sprechen, was sie antreibt. Später wechselt die Inszenierung souverän zwischen den Schauplätzen und findet überall kleine Geschichten, die aufgenommen und weitererzählt werden. Bei Sandrine sind es die Begegnungen mit dem kleinen Yves, der zu Beginn kein einziges Wort Französisch spricht, und mit Monique, die ihr so gerne nacheifern möchte.

Bei allen drei Pädagoginnen stehen die Kinder im Mittelpunkt. Und auch wenn die jeweiligen Lebensumstände sich stark voneinander unterscheiden, sind sie sich einig darin, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler mit Liebe, Verständnis und noch mehr Geduld auf ihrem Weg begleiten. Der Off-Kommentar wäre eigentlich gar nicht nötig, um zu erkennen, dass hier drei überaus sympathische Frauen mit Hingabe und Leidenschaft ihrem Beruf nachgehen, der für alle eine echte Berufung darstellt. Generell ist der Kommentar ebenso wie die Filmmusik gelegentlich etwas zu pathetisch geraten.

Kritik an den sozialen Verhältnissen in den drei so unterschiedlichen Ländern Russland, Bangladesch und Burkina Faso wird nur kurz etwas angetippt; intensivere Überlegungen dazu finden nicht statt. An diesem Punkt hätte der Off-Kommentar etwas mutiger sein dürfen. Doch geht es Émilie Thérond weniger um eine politische Aufarbeitung als um affektive Momentaufnahmen und darum, eine insgesamt hoffnungsvolle, fröhliche Stimmung zu erzeugen. Das klappt auch dank der drei liebenswerten Alltagsheldinnen, die gute Laune und Optimismus verbreiten.

Kommentar verfassen

Kommentieren