Schlafes Bruder

Drama | Deutschland 1995 | 127 Minuten

Regie: Joseph Vilsmaier

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wächst in einem abgeschiedenen Alpendorf ein junger Mann mit genialischer musikalischer Begabung auf. Durch Mißtrauen und Mißgunst ohnehin zum Außenseiter gestempelt, scheitert er letztlich an seiner unerfüllten Herzensliebe. Eine Verfilmung des Erfolgsromans von Robert Schneider, die für die subtile und komplexe Erzählstruktur der Vorlage nie eine filmische Entsprechung findet. Mit außergewöhnlichem äußerem Aufwand entstand eine protzige Großproduktion, die die Fabel unangemessen vereinfacht und auf eine doppelt scheiternde Liebesgeschichte reduziert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1995
Regie
Joseph Vilsmaier
Buch
Robert Schneider
Kamera
Joseph Vilsmaier
Musik
Norbert Jürgen Schneider · Hubert von Goisern
Schnitt
Alex Berner
Darsteller
André Eisermann (Elias) · Dana Vávrová (Elsbeth) · Ben Becker (Peter) · Detlef Bothe (Lukas) · Paulus Manker (Oskar)
Länge
127 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung

Heimkino

Im Gegensatz zur extralosen DVD von CinePlus enthält die Edition von Kinowelt u.a. das Making of "Schlafes Bruder - Die Entstehungsgeschichte eines außergewöhnlichen Films".

Verleih DVD
CinePlus/MAWA (1.78:1, DD5.1 dt.); Kinowelt/Arthaus (16:9, 2.35:1, DD2.0 dt.)
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Diskussion
Als der Roman "Schlafes Bruder" 1992 als Debüt des damals 31jährigen Robert Schneider erschien, lag bereits ein domiger Weg hinter ihm: 23 Verlage sollen das Manuskript abgelehnt haben, bevor es nach seinem Erscheinen in kürzester Zeit zu einem Stück Weltliteratur avancierte. Sowohl die Skepsis der Verleger als auch der enorme Erfolg sind verständlich: der Roman ist ein vertracktes Stück Literatur, der die Sprache des frühen 19. Jahrhunderts nachbildet, in der Fabel eher den Innensichten seines Protagonisten verpflichtet ist als einer äußeren Handlung. Durch den Kunstgriff des auktorialen Erzählens wechselt Schneider virtuos zwischen Nähe und Distanz zu den Begebenheiten: einerseits als Chronist, der mit seziererischer Härte die düstere Dumpfheit einer bäuerlichen Dorfgemeinschaft beschreibt, andererseits als mitfühleader Kommentator, der über Haß, Eifersucht, Mißgunst und auch die Angst der Menschen trauert, die sich gegen jede Form des Andersseins wehren. Was als Wunder der "Mensch- und der Geniewerdung" beginnt, scheitert tragisch in beiderlei Hinsicht: in dem Maße, wie das Genie unterdrückt wird, verraten die Menschen um es herum ihre Menschlichkeit. Am Ende erweist sich "Schlafes Bruder" als zeitlos-aktuelle Reflexion über Defizite des menschlichen Zivilisationprozesses.

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