David Lynchs Fieberträume

Mittwoch, 01.08.2018

„Eraserhead“ und „Twin Peaks – Der Film“

Diskussion

„Ich habe ‚Eraserhead’ gespürt, nicht gedacht“, versuchte der junge David Lynch Ende der 1970er-Jahre einmal sein extravagantes Kinodebüt gegenüber Filmkritikern in Los Angeles in Worte zu fassen, die schlichtweg nicht verstanden hatten, was ihnen da 89 Minuten lang visuell vorgesetzt worden war. Was 1977, immerhin im selben Jahr wie „Star Wars“, nach fünfjähriger Produktionszeit mit reichlich Pech und Pannen sowie einem minimalen Budget von 20.000 US-Dollar endlich das Licht der Kinoleinwände erblickt hatte, gehört zweifelsohne auch noch nach 41 Jahren zum audiovisuell Auf- und Anregendsten, was die Filmgrammatik des 20. Jahrhunderts zu bieten hat.

In betörenden Schwarz-weiß-Bildern, mit einem unvergesslichen Sounddesign und einer vollkommen irrational kreierten Plotstruktur, die weder Raum noch Zeit zu kennen scheint, war dem einstigen Kunststudenten Lynch in der Tat ein kinematografischer Paukenschlag gelungen, der bis heute nachhallt. Seit Luis Buñuels surrealistischen Fieberträumen „Ein andalusischer Hund“ (1929) und „Das goldene Zeitalter“ (1930) hatte man so etwas einzigartig Neues und gleichsam Verstörendes nicht mehr in einem Kinosaal gesehen, oder besser: gemeinsam durchlitten.

Im Mittelpunkt dieses albtraumhaften Kinotrips, der seine Inspiration bei Francis Bacon, René Magritte, Max Ernst und Man Ray an keiner Stelle verbirgt, steht Henry Spencer (Jack Nance). Als junger Vater eines missgebildeten Babys, das er zusammen mit Mary X (Charlotte Stewart) bekommen hat, lebt der seltsame Mann mit Starkstromfrisur und Hosenanzug in einer dystopischen Welt ohne Natur. Zwischen postapokalyptischen Industrielandschaften und wenigen Worten mit den potenziellen Schwiegereltern Mr. X (Allen Joseph) und Mrs. X (Jeanne Bates) ahnt jeder Zuschauer sofort, dass hier grundsätzlich gar nichts vorhersehbar, jedoch vielerlei psychoanalytisch konnotiert ist. In einer off

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