Das Nichts sehen und lachen

Donnerstag, 20.09.2018

Zu Bruno Dumont und seiner Serie „Quakquak und die Nichtmenschen“

Diskussion

Als der französische Filmemacher und ehemalige Philosophieprofessor Bruno Dumont 2014 in Cannes seine für den Sender arte produzierte Miniserie „Kindkind“ präsentierte, war die Überraschung groß. Der Meister des todernsten Existentialismus hatte sich in einen schrägen Komödianten verwandelt. Oder eher noch: Er hatte entdeckt, wie viel komödiantisches Potenzial in seinen bisherigen Dramen steckte und dementsprechend die Schraube der Deformierung und übertriebenen Körperlichkeit etwas weiter angezogen.

Angesiedelt ist die Serie um einen kleinen Lausbuben, der von allen „Kindkind“ genannt wird, an der nordfranzösischen Küste zwischen Kuhställen und grünen Feldern vor dem blauen Meer. Genau in jenen rauen Dorflandschaften also, die Dumont bereits in früheren Filmen, etwa in „Humanität betrachtete. Erzählt wird eine mit Laiendarstellern besetzte, wilde Kriminalgeschichte rund um zerstückelte Menschen, die in den Hinterteilen von Kühen gefunden werden. Besondere Aufmerksamkeit bekommt dabei das Ermittlungsduo Van der Weyden (Bernard Pruvost) und Carpentier (Philippe Jore). Die beiden Polizisten gehören zum Irrsinnigsten, was man sich an TV-Charakteren vorstellen kann. In zuckenden, sich wiederholenden, übertriebenen Bewegungen fahren sie mit ihrem Auto meist auf zwei Rädern, schießen ziellos in die Luft und philosophieren hier und da in ein absurdes Nichts hinein. Sie treten beständig auf der Stelle, nichts an ihrem Verhalten könnte den Fall lösen. Stattdessen folgen sie einer Art Protokoll, das seine eigene Wahrheit kreiert und eigentlich nur den Status quo behalten möchte. Mehr noch als die Ordnung, sagt Van der Weyden mehrfach, verwundere ihn die Unordnung. Die Komik von Dumont besteht aus Bewegungen und Tönen im Verhältnis zur Erwartung an eine Krimiserie. Das Lachen ist nicht immer angenehm, aber presst sich schallend aus einem heraus.



Wo Tragik sich aus jedem Lachen schälen könnte

Seither hat Dumont mit dem abstrusen Strandkrimi/der Milieustudie „Die feine Gesellschaft und dem Rockmusical „Jeannette über die Kindheit der Jeanne d’Arc weiter seine eigene Unberechenbarkeit sowie seinen immensen Beitrag zur Komik im Kino unter Beweis gestellt. Nun folgt mit „Quakquak und die Nich

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