Jason Blum, der Horror-Enthusiast

Zum Start von „Halloween“

Diskussion

Mit seiner Produktionsfirma „Blumhouse“ hat Jason Blum in den letzten Jahren Maßstäbe in Sachen Horrorkino gesetzt, etwa mit dem Überraschungserfolg „Get out“. Neben dem Kino der Angst, wie aktuell in „Halloween“, hat der unkonventionelle Film-Ermöglicher aber auch ein Herz für Arthousekino à la „BlacKkKlansman“. Eine Würdigung.


Was haben Joel Edgertons „The Gift“, M. Night Shyamalans „Split“, Damien Chazelles „Whiplash“ und Spike Lees „BlacKkKlansman“ gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten Blick die Entdeckung, dass alle diese Filme die Neugier des Publikums auf unerwartete Aspekte eines vertrauten Themas bedienen. Und bei genauem Hinsehen, dass sie das Zeug zu einem außenseiterischen Kinoerfolg in sich trugen. Der Mann, der diesen Erfolg vorausgeahnt und sein Geld in die Produktion der Filme investiert hat, ist Jason Blum. Seine Firma heißt Blumhouse Productions und dürfte Fans in aller Welt als die Heimat von zahllosen Horrorfilmen bekannt sein.

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Ein neuer Wes Craven

Anlässlich von Halloween und der Premiere von David Gordon Greens gleichnamigem Film ist es an der Zeit, die Frage zu stellen: Wer ist dieser Jason Blum? Die passende Antwort lautet: Der neue Wes Craven. Wie Craven hat Jason Blum erkannt, dass die Zeit reif war, das Genre des Horrorfilms für eine neue Generation wiederzuentdecken und mit dem Geld, das diese Filme einspielen, gelegentlich auch Filme mit höherem Anspruch zu ermöglichen, Filme wie „The Gift“, „Split“, „Whiplash“ und „BlacKkKlansman“. Jason Blum ist heute 49, aber er sieht viel jünger aus – und denkt auch so. Er hat in der etablierten Filmindustrie seine Sporen verdient, vor allem bei Weinsteins Miramax und bei Paramount. Dort hat er schon bald festgestellt, dass er vor allem der Sohn seines Vaters, eines New Yorker Kunsthändlers und Entdeckers von Andy Warhol, geblieben ist. Sein Blick auf Filme war anders als der vieler Kollegen seines Alters. Die teuren, auftrumpfenden Filme des Hollywood-Establishments waren (und sind) nicht seine Sache.

Eines von Jason Blums Erfolgs-Franchises: Die Purge Reihe (Foto: "The First Purge")
Eines von Jason Blums Erfolgs-Franchises: Die "Purge"-Reihe (Foto: "The First Purge")

Wenig investieren, aber am Ende viel verdienen, um sein Geld in immer mehr Filme stecken zu können, ist ein Motto nach Blums Herzen.

Schon äußerlich hat sich Blum von der Welt der Stars und der Luxus-Produzenten abgesetzt. Blumhouse Productions, das Unternehmen, das er im Jahr 2000 gegründet hat, steht am Rand des schäbigen „Koreatown“, nicht weit von Downtown Los Angeles. Wenig investieren, aber am Ende viel verdienen, um sein Geld in immer mehr Filme stecken zu können, ist ein Motto nach Blums Herzen. „Unser Ideal-Modell bei Blumhouse“, hat er der Journalistin Lynn Hirschberg erzählt, „ist ein Film, der nicht mehr als vier Millionen Dollar kostet. Sollte bei so einem Film alles schiefgehen, steht man finanziell immer noch okay da. Sogar in der heutigen Wirtschaftslage kann man aus einem Horrorfilm jederzeit vier Millionen herausschlagen: zwei aus dem internationalen und zwei aus dem amerikanischen Markt. Zu dem Preis können wir herumspielen, verrücktes Zeug machen, neue Regisseure ausprobieren und Risiken eingehen.“

Wenn Jason Blum manchmal wie ein kalkulierender Buchhalter klingt, so ist er seinem innersten Wesen nach doch von der Psyche eines berechnenden Hollywood-Produzenten weit entfernt. Er fühlt sich als „Auteur“ und vor allem als Unabhängiger. Seine Filme folgen einem Low-Budget-Modell, wollen aber möglichst hoch hinaus. Was bei dem Genre nicht immer leicht ist. Blum hat Trash produziert, aber er hat immer darauf geachtet, dass der Trash für die Fans attraktiv blieb. Und er hält die Augen auf, um junge Talente und Sujets zu finden, die das von ihm gewählte Genre des Horrorfilms in neue Richtungen führen.

„Einer der revolutionärsten Produzenten“

Blum sucht unaufhörlich nach Projekten, in die sonst keiner investieren will, wie in seinen Erfolgsfilm „Paranormal Activity“, den Paramount zunächst viele Male abgelehnt hat, oder auch in „Whiplash“, der gleich mehrere von Blums Sensibilitäten ansprach und von dem er nach wie vor sagt, wenn es eine Horror-Version eines Arthouse-Films gäbe, dann wäre das „Whiplash“. Die Fachzeitschrift „Variety“ nannte Blum kürzlich „einen von Hollywoods revolutionärsten Produzenten“. Sie hätte das wohl nicht getan, hätten Blums Filme nicht inzwischen über drei Milliarden Dollar eingespielt.

Blum-Horror: "Happy Death Day"
Blum-Horror: "Happy Death Day"

Die Spanne der Blumhouse-Produktionen reicht von „Paranormal Activity“ bis zu „The Purge“. Dazwischen tummeln sich Filme unterschiedlichsten Niveaus und verschiedenster Thematik. Einige haben es zu Franchises geschafft, Filme wie „Sinister“, „Insidious“ und „The Purge“, der nach mehreren Kinofilmen nun auch das Fernsehen mit einer aus zehn Folgen bestehenden Serie erobert. Mit „Halloween“ kehrt Blum zu John Carpenters Klassiker von 1978 zurück und hat sogar Jamie Lee Curtis bewegen können, die Rolle der Laurie Strode noch einmal zu spielen.

Jason Blum ist ein politisch interessierter Mensch, ein Liberaler, der für Hillary Clintons Präsidentschaftskampagne gespendet hat. Das heißt aber nicht, dass man seine Filme nun alle nach politischen Botschaften abklopfen sollte. Einer der wenigen Filme, die einen politischen Hintergrund besitzen, ist Jordan Peeles „Get out“, der in jeder Hinsicht eine der ambitioniertesten Produktionen von Jason Blum ist und nicht ohne Grund für einen „Oscar“ als bester Film nominiert wurde. Aber auch seine „Purge“-Filme lassen sich durchaus in diese Richtung interpretieren. Vor allem der erste, 2013 entstandene Film dieser Reihe besitzt eine Menge Ansätze zu aktuellen gesellschaftskritischen Kommentaren.

Den Gewinn mit der Mannschaft teilen

Die Aufmerksamkeit, die sich Blum nicht nur bei eingefleischten Horrorfans, sondern auch in Independent-Kreisen verschafft hat, geht nicht unwesentlich auf seine Arbeitsweise zurück. Blum ist ständig auf der Suche nach jungen Talenten. Dabei geht er ganz bewusst Risiken ein. Sogar wenn er einen bis dahin unbekannten und ungeübten Neuling gefunden hat, an dessen Talent er glaubt, gibt er ihm mehr Kontrolle über den Film, als in Hollywood üblich ist. Er mischt sich nicht in die Abfassung des Drehbuchs ein und überlässt seinen Regisseuren die Kontrolle über den Endschnitt. 50 Prozent der Zeit, sagt Blum, habe es funktioniert; und das sei in seinem Geschäft ein gutes Ergebnis.

Dass Blum auch schon mal teure Stars für einen seiner Filme bekommt, wie Ethan Hawke für „The Purge“, hat mit seinem Prinzip zu tun, den Mitarbeitern einen Prozentsatz am Einspielergebnis zu garantieren. Da arbeiten dann gelegentlich auch bewährte Kräfte für pure Gewerkschaftshonorare, denn es hat sich längst herumgesprochen, dass Blum nicht leichtfertig in ein Filmprojekt einsteigt. Die Zeit hat er lange hinter sich. Als Blum noch für Miramax arbeitete und auf einer Vespa durch Cannes flitzte, begeisterte er sich für Arthouse-Filme und setzte oft zu rasch auf den geschäftlich falschen Film.

Im Filmgeschäft muss man eine gute Nase haben, nur dann findet man Projekte wie „Get out“, jenen Senkrechtstarter über einen jungen Schwarzen, der in der betuchten Familie seiner weißen Freundin mit einem verstörenden Geheimnis konfrontiert wird. Jason Blum lebt und arbeitet für Filme wie „Split“, „Get out“ und „The Purge“. Je länger er im Geschäft ist, umso mehr folgt ihm das Publikum und manchmal sogar die Kritik. Kein Wunder, dass er inzwischen einen First-Look-Deal bei Universal Pictures hat.

"Get out"
"Get out"

Fotos: © Gage Sidmore/Wikimedia (Porträt Jason Blum, oben), Universal

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