Jodorowsky's Dune (arte)

15.2., 21.45-23.15, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

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Die Ausmaße, visionären Ideen und komplexen Handlungsbögen von Frank Herberts literarischer „Dune“-Saga haben immer wieder die Aufmerksamkeit der Filmwelt erweckt. Aktuell steckt „Blade Runner 2049“-Regisseur Denis Villeneuve in den Vorbereitungen für eine Verfilmung, die sich anschickt, nach David Lynchs grandios gescheiterter Adaption (1984) und einer wenig inspirierten Fernsehversion von 2000/2003 endlich eine Variante zu präsentieren, die mit dem Kultcharakter der Romane mithalten kann.

Zumindest was Ideen und Innovationen angeht, hätte eine herausragende Verfilmung bereits in den 1970er-Jahren entstehen können. Damals setzte sich der argentinische Künstler und Filmemacher Alejandro Jodorowsky in den Kopf, seine eigene Version von Herberts Romanen zu verfilmen – auf eine vorherige Lektüre hatte er im Vertrauen auf seine eigene Schöpfungskraft angeblich verzichtet. Diese selbstbewusste Haltung ergänzte sich mit kreativem Ehrgeiz: Jodorowsky suchte Gleichgesinnte und fand sie unter anderem im Comic-Autor Moebius, der ihm für das Drehbuch von mehreren tausend Seiten detaillierte Bildentwürfe zeichnete, im Schweizer Künstler H.R. Giger für das geplante spektakuläre Design und in den „ProgRock“-Gruppen Pink Floyd und Magma für die Musik. Für die Besetzung schwebten Jodorowsky er selbst, sein Sohn Brontis, David Carradine, Orson Welles und Salvador Dalí vor.

Die Dokumentation von Frank Pavich aus dem Jahr 2013 blickt zurück auf das Projekt, für das sich angesichts seines Wahnwitzes letztlich keine Finanzierung auftat, und lässt viele der damals Beteiligten zu Wort kommen. Der unverändert vitale und selbstsichere Jodorowsky spricht auch mit 85 Jahren noch vom „großartigsten Filmprojekt“ aller Zeiten und enthüllt Details zu den Plänen für die Verfilmung. Ergänzt wird dies nicht nur durch informative Interviews mit Jodorowskys damaligen Mitarbeitern, sondern vor allem auch durch die Einbeziehung faszinierender Originaldesign-Zeichnungen, die eine Ahnung von den Ambitionen des Projekts vermitteln. Die unverhüllte Bewunderung von Pavich für Jodorowsky verdeckt dabei ein wenig, dass „Dune“ seinerzeit vor allem am Größenwahn eines Regisseurs scheiterte, der das Erlebnis eines LSD-Rausches in Filmform bannen wollte und dafür auch einen 15-stündigen assoziativen Film in Kauf genommen hätte. Gleichwohl bietet der Dokumentarfilm als Hommage an entfesselte Kreativität viele Andockpunkte und stellt nachvollziehbare Verbindungen her, insbesondere zum Look von kurz nach dem Scheitern von „Dune“ gedrehten, weniger monströsen Science-Fiction-Filmen wie „Krieg der Sterne“ und „Alien“. – Ab 16.


Foto: Chris Foss

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