Tod und Trauer im Kinderfilm

Dienstag, 16.04.2019

Filme, die altersgerecht von Tod und Trauer erzählen, können Kindern helfen, Ängste und Erfahrungen rund um den unausweichlichen Abschied vom Leben in Worte und Bilder zu fassen.

Diskussion

Kinder muss man loslassen. Nach und nach, damit sie wachsen, die Welt entdecken und ihr Leben leben können. Man kann sie vor vielem schützen, aber nicht vor allem. Manchmal werden Kinder schon früh, viel zu früh mit Krankheit, Tod und Trauer konfrontiert, muss man selbst Abschied nehmen, weil die Tochter, der Sohn so unheilbar krank ist wie beispielsweise das Mädchen, dessen Geschichte der deutsch-kenianische Film „Supa Modo“ erzählt. Jo, gerade neun Jahre alt, hat Krebs. Dass sie bald sterben wird, erfährt sie durch einen Arzt, den sie im Krankenhaus belauscht. Zwei Monate gibt er dem Mädchen noch. Zwei Monate, acht Wochen, 60 Tage – so wenig Zeit für ein Kind, das so viel Spaß und Freude am Leben hat, so gerne lacht und wieder zur Schule gehen möchte. Im Moment der Wahrheit träumt sich Jo hinein in einen Wald, in dem sie schließlich – plötzlich mit einem Umhang ausgestattet – abzuheben scheint. Doch dem Tod kann sie nicht entrinnen. Niemand kann das. Wahrscheinlich weiß die Neunjährige das alles längst und begeistert sich gerade deshalb für die Martial-Arts-Kämpfer Bruce Lee und Jackie Chan und noch mehr für Batman & Co, die sie für „unsterblich“ hält. In ihrer Fantasie beim Spielen wird das Mädchen zu ihrem Alter-Ego Supa Modo, eine Superheldin mit übermenschlichen Kräften.

Tabuthema Tod

Der Tod ist im Kinderfilm eine heikle Sache. Viele finden, er hat dort nichts zu suchen. Das Thema erscheint schlichtweg zu traurig, zu schwer. Statt heiterem Gelächter wird man im Dunkel des Kinos womöglich ein leises Schluchzen oder am Ende ein paar unbequeme Fragen hören: Warum musste das kleine Mädchen sterben? Wird mir oder dir das auch passieren? Warum können wir nicht für immer leben? Was passiert, wenn man tot ist?

Mit Heldenträumen gegen den unausweichlichen Tod: Jo (Stycie Waweru) in "Supa Modo"
Mit Heldenträumen gegen den unausweichlichen Tod: Jo (Stycie Waweru) in "Supa Modo"

Eltern und Erzieher wissen, dass diese Fragen kommen, spätestens wenn im nahen Umfeld jemand gestorben ist. Bücher und Artikel zum Umgang mit solchen Fragen gibt es viele, und sie raten vor allem zu altersgerechten und ehrlichen, nicht beschönigenden Antworten. Wer eingeschlafen ist, wacht irgendwann wieder auf. Wer auf eine Reise gegangen ist, kommt vielleicht wieder. Wer tot ist, kehrt nicht mehr zurück. Der Stuhl, auf dem die kleine Jo am Esstisch gesessen hat, ist gegen Ende des Films leer, ebenso wie das Bett, in dem sie geschlafen hat. Das stimmt traurig, aber „Supa Modo“ ist kein Trauerspiel. Regisseur Likarion Wainaina erzählt in seinem Film nämlich nicht nur vom Sterben des Mädchens, vom Abschiednehmen und von der Trauer der Hinterbliebenen, sondern auch davon, wie zuerst Jos Schwester und dann schließlich auch ihre Mutter und das ganze Heimatdorf alles dafür tun, dass ihre letzten Lebenstage zu ihren schönsten und aufregendsten werden: Sie erfüllen ihr einen Herzenswunsch und drehen einen Superheldenfilm mit ihr in der Hauptrolle – und das ist ein großer Spaß, auch für das Publikum im Kino.

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