© ZDF/Letterbox Filmproduktion/Fabrizio Maltese

Bad Banks - Die 2. Staffel

Mittwoch, 05.02.2020

Die Drama-Serie über den schmutzigen Kalten Krieg der Finanzwelt geht in die zweite Runde.

Diskussion

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Am Beginn der zweiten Staffel von „Bad Banks“, etwa ein gutes halbes Jahr nach der Krise der „Deutsche Global Invest Bank“, sitzen die Manager weiterhin auf ihren Posten. Nur der niederländische Investment-Chef Gabriel Fenger (Barry Atsma) hat den Bogen überspannt und schmort stellvertretend für die Fehler aller in Untersuchungshaft. Allerdings wird auch er nicht lange dortbleiben. Neu im Spiel ist der ehrgeizige Berliner Finanzminister Alexander Schunk (Trystan Pütter), der sich der Wirtschaft zu bedienen versucht, um seine eigene Karriere voranzutreiben.

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Die erste Folge braucht ein wenig, um ins Laufen zu kommen. Doch wenn das erst mal geschehen ist, hat Drehbuchautor Oliver Kienle gemeinsam mit Regisseur Christian Zübert, der Christian Schwochow in der zweiten Staffel ersetzt, eine Situation etabliert, in der das Bild eines ökonomischen Haifischbeckens noch weiter auf die Spitze getrieben wird. Gab es zuvor zumindest Bündnisse auf Zeit und aus taktischen Gründen, kämpft nun jeder offen gegen jeden und misstraut allen anderen. Die tückische Finanzchefin Christelle LeBlanc (Desirée Nosbusch) fürchtet (zu Recht) um ihren Job und versucht im Gegenzug, alle anderen zu manipulieren; ihr Chef, der Altbanker Quirin Sydow (Tobias Moretti), versucht, seinen Vorstandsvorsitzenden abzuschießen, und besticht weiterhin den Leiter der Finanzaufsicht. Mittendrin: die Protagonistin Jana Liekam (Paula Beer) und „ihr“ Team Adam und Thao. Sehr früh bekommt Liekam den Tipp, dass LeBlanc heimlich gegen ihre eigenen Kunden spekuliert.

Der Kampf der Bösen gegen die noch Böseren

Es ist ein permanenter Kriegszustand, in dem verunsichernde Blicke und das Mobiltelefon als Waffen dienen, mit dem man entweder unfreiwillig zum Spion wird oder das im richtigen Moment zum Anruf bei der Finanzaufsicht oder der Compliance-Abteilung des eigenen Unternehmens dient.

Neues Spiel für Jana Liekam (Paula Beer).
Neues Spiel für Jana Liekam (Paula Beer).

Es ist schon erstaunlich für so ein unmoralisches Milieu und eine Serie, die so offen mit der Gewissenlosigkeit ihrer Protagonisten spielt, welche Rolle darin die Moral in bestimmten Situationen spielt. Auch das ist Zeitgeist pur: Wo das ökonomische Controlling ausgereizt ist, setzt das Controlling des Gewissens und der guten Absichten ein. Das idealistische Reden, die zur Schau getragenen guten Absichten und die Rechtsvorschriften, die das Einhalten von Mindeststandards erzwingen sollen, sind die neueste Waffe im Kampf der Bösen gegen die noch Böseren.

Dazu gehören auch modische Ökothemen wie Klima und Nachhaltigkeit. Die Story der zweiten Staffel von „Bad Banks“ dreht sich nämlich um ein gehyptes Start-up namens „Green Wallet“, das die Nachhaltigkeit zum Alleinstellungsmerkmal und zur moralischen Investitionsalternative erklärt. Liekam lässt allerdings keinen Zweifel an ihrer eigentlichen Haltung: „Nachhaltigkeit ist ein Spitzenaushängeschild.“ Sie will in „Green Wallet“ nur investieren, um die Vergehen von LeBlanc aufzudecken, da sie zugleich von dieser erpresst wird.

„Grüne“ Finanzleute treffen auf neoliberale Zyniker

Alle haben aus der ersten Staffel noch Leichen im Keller. Außer den Ökoinvestoren mit dem guten Gewissen. Doch „Bad Banks“ lässt kaum einen Zweifel daran, dass auch die „grünen“ Finanzleute letztlich trotz aller Unterschiede genau die gleichen Haie sind wie die neoliberalen Zyniker von „Global Invest“. Denn auch bei den Öko-Banken geht es letztlich um Profit; zum finanziellen Gewinn kommt hier noch der emotionale hinzu. Wenn beide Seiten in einem klischeehaften Berliner Loft, das direkt den 1990er-Jahren entstiegen zu sein scheint, aufeinandertreffen und sich nichts zu sagen haben, ist das einer der wenigen komödiantischen Momente in der Drama-Serie.

Anschließend lästert Adam über die „behinderten Bio-Latten“: „Schön einen auf Öko machen und sich dann von den Idioten finanzieren lassen.“ „Bad Banks 2“ betont die unglaubliche Arroganz und Unaufrichtigkeit der Öko-Fonds-Manager und widerlegt deren Behauptung, Profit und Nachhaltigkeit würden sich unter derzeitigen Strukturbedingungen nicht widersprechen. Unter der coolen Rasta-Frisur ist die Ökobankerin auch nur eine harte Yuppie-Lady, die sinistre Pläne verfolgt und sich bei erster Gelegenheit abwerben lässt.

Finanzchefin Christelle LeBlanc (Desirée Nosbusch) mit dem Finanzminister (Trystan Pütter).
Finanzchefin Christelle LeBlanc (Desirée Nosbusch) mit dem Finanzminister (Trystan Pütter).

Zugleich entpuppen sich alle wahren Idealisten in dieser Serie früher oder später als manisch-depressiv, massiv medikamentenabhängig oder als korrupt. Und finanziert werden die Öko-Fonds durch reiche Erben. Ein desaströses Bild, bei dem sogar die härteste Kapitalistin Mitleid empfindet. Sentimentalität gibt es in „Bad Banks 2“ immer nur an der falschen Stelle.

Schwarz-grüne Koalition aus Abgebrühten und Moralisten

Dies alles ist insofern Zeitgeist pur, als in der Beziehung von Yuppies und Öko-Moralisten die mentale Arbeitsteilung der deutschen Gesellschaft offenkundig wird: eine schwarz-grüne Koalition aus Abgebrühten und Moralisten, aus Desillusionierten und Idealisten, wie sie innerhalb der gebildeten bürgerlichen Schichten längst existiert. Im Zweifel sind die ökologischen Moralisten Sprösslinge der reichen Großbürger, während die „hungrigeren“ Yuppies und Neoliberalen der unteren Mittelschicht entstammen. Gemeinsam ist ihnen die Verachtung für den Rest, allen voran die Alten und Politiker. Gleichzeitig ist aber nicht zu übersehen, dass „Bad Banks 2“ auch mit dem Masochismus von Teilen des Publikums spielt, dem Selbsthass der Idealisten, die es auf perverse Weise genießen, ihresgleichen, nämlich den wohlhabenden Mittelschichten, die sich Moral leisten können, beim Scheitern zuzusehen.

Dieses Scheitern der Idealisten ist die eigentliche Botschaft von „Bad Banks 2“. In einem zentralen Monolog formuliert Gabriel Fenger, warum alle Ideen von Nachhaltigkeit und einem anderen Wirtschaften scheitern müssen, solange nicht auch die Gesellschaft und das Bewusstsein jedes Einzelnen einer Revolution unterworfen wurden: „Weil du eine kleine feige Hure bist, genau wie alle anderen Menschen, deswegen wird ,Green Wallet‘ scheitern... Du spendest wahrscheinlich 50 Euro im Jahr, die du von der Steuer absetzt, kaufst dir jedes Jahr aber ein neues Handy, für das Kinder in denjenigen Ländern sterben, für die du deine 50 Euro spendest... Wir alle mogeln uns um unser Gewissen herum. Und die, denen das am besten gelingt, die, die sich am besten einreden, das Richtige zu tun, während sie anderen schaden, die sind die Gewinner.“ Der Zyniker entpuppt sich als der wahre, freilich gescheiterte Moralist.

Banker am Rande des Nervenzusammenbruchs

Die zweite Staffel von „Bad Banks 2“ übertrifft damit noch die erste Staffel. Sie ist mutiger in Inhalt und Erzählweise; die Dynamisierung der Inszenierung und ihre Temposteigerung durch Christian Zübert macht deutlich, wie behäbig und bieder die erste Staffel stellenweise doch war. Bedeutenden Anteil haben daran vor allem die Darsteller. Ihre Charaktere sind selten einfache Identifikationsfiguren; umso mehr ist ihre Leistung zu würdigen, die Zuschauer trotzdem Anteil an ihnen nehmen zu lassen, die im Detail kaum durchschaubare Handlung zu tragen und Dialoge im Finanz-Chinesisch mit Leben zu füllen.

Wieder auf freiem Fuß: Gabriel Fenger (Barry Atsma).
Wieder auf freiem Fuß: Gabriel Fenger (Barry Atsma).

Für Paula Beer ist die Figur der Jana Liekam eine ideale Rolle. In der zweiten Staffel ist sie noch facettenreicher: nicht mehr die halb-unschuldige Novizin am Hof des Geldadels, sondern eine Fürstin aus eigenem Recht, geachtet und gefürchtet, immer cool, dabei nicht ohne menschliche Wärme oder Seiten, die nur die Zuschauer kennen. Die Schauspielerin kann Autor und Regisseur dankbar sein, dass sie ihr Möglichkeiten jenseits ihrer bisheriger Auftritte geben. Hier ist sie nicht wie so oft schon idealisiertes Objekt in den Händen eines Regisseurs, hier stellt sie ein Film nicht als püppchenhafte Ikone auf einen Sockel wie etwa in ihrem Debüt bei Chris Kraus in „Poll“ oder zuletzt in „Werk ohne Autor“ und Petzolds „Transit“. Stattdessen entfaltet Paula Beer Charme und jugendliche Unrast, trotz all der Expertise in ihrem Beruf – ein seltsamer Kontrast zwischen fast kindlicher Wirkung und der Härte der Finanzkriegerin.

Großartig ist auch Albrecht Schuch in der Rolle von Liekams vertrautem Partner Adam, der das Gegenteil von ihr verkörpert: Der Finanzmarkt ist für ihn eine Art Droge („Ich muss das leben. Um aus Scheiße Geld zu machen, musst du sie zuerst probieren.“); er ist vom kurzfristigen Erfolg so abhängig wie ein Fixer vom täglichen Schuss, den Ausgleich bilden andere Exzesse mit Frauen und Alkohol, dazwischen gibt es kurzfristige Depressionsschübe. Das mag den Börsen-Klischees seit „Wall Street“ und „American Psycho“ folgen, doch Schuch verkörpert dies mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit und Humanität - und gänzlich ohne zu karikieren. Man nimmt ihm sogar den naiv liebenden Vater der von ihm getrenntlebenden Kinder ab.

Im Vergleich zur ersten Staffel fällt dafür Mai Dong Kieu ab: War sie 2018 noch die Entdeckung, lässt ihre Rolle der Thao diesmal kaum mehr zu als das Klischee von der „undurchschaubaren Asiatin“. Routiniers wie Desirée Nosbusch als manipulative Lady Macbeth des Bankenmilieus, Barry Atsma in einem diesmal reduzierten Auftritt als Gabriel Fenger und Tobias Moretti als von den neuen Verhältnissen überrollter Altbanker an der Grenze zur Karikatur runden das Tableau. Einzig Trystan Pütter als deutscher Finanzminister bleibt in jeder Szene eine Witzfigur: absurd unglaubwürdig und den Kollegen nicht gewachsen.

„Bad Banks 2“ inszeniert die Entfesselung des Chaos auf allen Ebenen. Es zeigt Broker am Rande des Nervenzusammenbruchs und funktioniert selbst ein bisschen wie der Derivate-Handel: schnell, ohne Blick zurück oder Zeit zur Reflexion. Das Publikum ist mal in der Rolle von Insidern, die auf der Höhe der Macher eine neue Idee entwickeln, dann wieder in der von jenen trotteligen Kleinsparern, die von Menschen wie der ambivalenten Liekam in zwei Minuten zugelabert und über den Tisch gezogen werden. Die Verzinsung der Serie ist dabei überraschend langfristig. Man wartet gespannt auf die nächste Tranche.


Ausstrahlungstermine für "Bad Banks - Staffel 2":

arte, 6. Februar, 20.15-22.45, Folgen 1-3

arte, 7. Februar, 20.15-23.00, Folgen 4-6

ZDF, 8. Februar, 21.45-23.25, Folgen 1-2

ZDF, 9. Februar, 22.15-23.55, Folgen 3-4

ZDF, 10. Februar, 22.15-23.55, Folgen 5-6

ZDF, 10. Februar, 23.55-00.40, Bad Banks – Die Dokumentation



Fotos: ZDF/Letterbox Filmproduktion/Fabrizio Maltese

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