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Tatjana Turanskyj (1966-2021)

Montag, 20.09.2021

Die Filmemacherin Tatjana Turanskyj ist am Samstag, 18. September, im Alter von 55 Jahren gestorben

Diskussion

Die Filmemacherin Tatjana Turanskyj ist am Samstag, 18. September 2021, im Alter von 55 Jahren gestorben.


„An expert in crisis“, so nannte sich die arbeitslose Architektin und Drifterin Greta in Tatjana Turanskyjs Langfilmdebüt „Eine flexible Frau“. Mit einer Mischung aus Widerspenstigkeit und Anpassung, Dazugehörenwollen und Sabotagelust zählte Greta zu den außergewöhnlichsten Frauenfiguren des – nicht nur feministischen – deutschen Kinos.

Die Filmemacherin, Autorin und Produzentin Turanskyj hatte es sich in ihren Arbeiten zur Aufgabe gemacht, von den Verstrickungen und Widersprüchen, in denen Frauen sich in der heutigen Gesellschaft wiederfinden, zu erzählen. Feministische, aber auch soziologische Theorie spielt in ihrer Trilogie „Frauen und Arbeit“ eine große Rolle; „Eine flexible Frau“ (2010) und „Top Girl oder La déformation professionelle“ (2014) beschäftigen sich mit Fragen der Emanzipation und der Dienstleistungsarbeit in der neoliberalen Ökonomie, „Orientierungslosigkeit ist kein Verbrechen“ (2016) kreist vor dem Hintergrund von Migration und Sicherheitspolitik um das prekäre Verhältnis von Systemkritik und Privilegien. Dabei schließt der Diskursfilm die Emotion nicht aus. Turanskyjs Frauenfiguren sind keine abstrakten Modelle, sondern lebendige Figuren, die immer auch einen gründlichen Schmerz mit sich herumtragen.

Mit ihrer Arbeit untrennbar verbunden war ihr Engagement in der feministischen Filmpolitik. Tatjana Turanskyj war Mitbegründerin der Initiative „Pro Quote Regie“, die 2018 in ProQuote Film unbenannt wurde. Seit 2020 lehrte sie auch im Bereich Film an der HfG Offenbach. Am Samstag ist Tatjana Turanskyj im Alter von 55 Jahren gestorben.

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