© Filmwelt ("I am Greta")

In unseren Händen

Mittwoch, 29.09.2021

Mit dem Themenschwerpunkt "In unseren Händen" starten das Kinder- und Jugend-Filmportal und filmdienst.de eine Kooperation, um zeitgemäße Kinder- und Jugendfilme mehr ins Gespräch zu bringen

Diskussion

Mit dem Themenschwerpunkt "In unseren Händen" starten das Kinder- und Jugend-Filmportal und filmdienst.de unter dem Motto "#Ich sehe was" eine Kooperation, mit der sie regelmäßig auf neue Kinder- und Jugendfilme hinweisen, wichtige Themen und Herausforderungen in diesem Segment diskutieren und für zeitgemäße Filme für junge Menschen von 5 bis 99 werben wollen.



Wer gestaltet die Welt? Während auf den Wahlplakaten meist ältere Erwachsene zu sehen sind, haben in den vergangenen Jahren immer mehr Kinder und Jugendliche im Zuge der „Fridays for Future‟-Bewegung begonnen, eigene Themen zu formulieren; sie bringen frischen Wind in die Politik und erfüllen die Forderungen nach Partizipation durch ihre eigene Initiative mit Leben. Das ist ein Trend, der sich auch in Dokumentarfilmen widerspiegelt. Seit ein paar Jahren erscheinen immer mehr Filme, in denen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt stehen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen.

Bemerkenswert ist das vor allem, weil diese Filme nicht nur informieren, sondern weil sie inspirieren und damit selbst etwas in Bewegung setzen. Sie porträtieren junge Menschen, die mutig ihren eigenen Weg gehen und etwas wagen – und sprechen gerade dadurch Gleichaltrige an.

In dem Dossier „In unseren Händen“ wollen wir – die Redaktion des Filmdienst sowie des Kinder- und Jugend-Filmportals – gemeinsam einen Blick auf eine Auswahl dieser Dokumentationen werfen und diese vorstellen. Mustergültig etwa ist „Youth Unstoppable‟, in dem Slater Jewell-Kemker über einen Zeitraum von zwölf Jahren den Aufstieg der jungen globalen Umweltbewegung begleitet, weil die Regisseurin bei Beginn der Dreharbeiten selbst erst 15 Jahre alt war und stets eine radikale Innenperspektive zeigt. Im Interview erzählt sie, wie sie ihren Film heute selbst einschätzt.


Am Puls der Zeit

Neutraler, aber glücklicherweise nicht heroisierend ist „I am Greta‟ über die schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Am Puls der Zeit ist auch „Dear Future Children‟ über drei junge Frauen, die sich für die Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen. Die Filme „Morgen gehört uns‟ und „Nicht ohne uns!‟ reisen rund um die Welt, lassen Kinder und Jugendliche mit ihren Träumen und Wünschen, Hoffnungen und Befürchtungen zu Wort kommen oder zeigen, wie diese versuchen, die Welt zu verändern, indem sie sich beispielsweise gegen die Zwangsverheiratung junger Mädchen einsetzen oder eine Kindergewerkschaft gründen.

Was all diese Filme verbindet, beschreibt Holger Twele in dem Artikel „Die Weltgestalter*innen". In diesen Filmen wird nicht nur deutlich, dass Kinder überall ähnliche Ängste, Träume und Hoffnungen haben, sondern sich auch Sorgen um die Zerstörung der Natur und ihres Lebensraums machen.

Doch wie sieht es im Kinderspielfilm aus? Brisante gesellschaftliche und ökologische Themen haben auch in diesen längst Einzug gefunden. Aber oft steht dann doch der naive Traum von einer besseren Welt im Mittelpunkt. „Der engagierte Kinderfilm bleibt meist eher im Utopischen“, stellt Christian Exner in seinem Text „Mal eben die Welt retten" fest. Dagegen machen all die aktuellen Dokumentarfilme von, mit und über engagierte Kinder und Jugendliche Mut. Eine andere Welt scheint tatsächlich möglich zu sein. Und diese besteht nicht nur aus Erwachsenen. Lassen Sie uns zuhören und zusehen!

"Morgen gehört uns" (Neue Visionen)
"Morgen gehört uns" (© Neue Visionen)


Die Kooperation von Kinder- und Jugend-Filmportals und filmdienst.de will solche Kinder- und Jugendfilme stärker ins Bewusstsein rücken. Unter dem Motto "#Ich sehe was" sollen in regelmäßigen Abständen Artikel, Interviews, Themendossiers und Filmlisten entstehen, die das Genre des Kinder- und Jugendfilms nach neuen Themen und Trends durchforsten und die Bandbreite des weltweiten Filmschaffens für junge und junggebliebene Menschen von 5 bis 99 Jahren in all seiner Vielfalt abbilden. Den Anfang machen – passend zur Bundestagswahl – lauter Filme, in denen Kinder ins Geschehen der Welt eingreifen.


Aktuelle Filme, in denen es auf die Initiative von Kindern und Jugendlichen ankommt


7 oder Warum ich auf der Welt bin

Deutschland 2010. Regie: Antje Starost

Sie heißen Albrecht, Basile, Chrysanthi, Jonathan, Vanessa, Vici und Vivi und leben in Deutschland, auf Kreta, in Paris und Ecuador. Sieben Kinder, die von sich erzählen und sich so ihre Gedanken über Gott und die Welt machen. Was sie erzählen, ist so erfrischend wie aufschlussreich. Zu ihrem Witz und ihrem Elan gesellt sich eine vorzügliche Kamera, die die Kinder beim Streifen durch ihre Lebenswelt begleitet. – Ab 6.


Nicht ohne uns!

Deutschland 2016. Regie: Sigrid Klausmann

Kinder am Morgen unterwegs zur Schule. Das ist rund um den Globus überall ähnlich, auch wenn die geografischen oder gesellschaftlichen Unterschiede immens sind. Umso mehr überrascht die große Gemeinsamkeit ihrer Wünsche und Träume, Hoffnungen und Befürchtungen, wenn sie aus ihrem Leben erzählen, über ihre Beziehungen zu Eltern und Geschwistern oder ihren Ängsten vor Gewalt und Krieg. - Sehenswert ab 10.

Als VoD: unter anderen bei Amazon


Die Götter von Molenbeek

Deutschland/Finnland/Frankreich 2019. Regie: Reetta Huhtanen

Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek wachsen zwei Jungs und ein Mädchen auf, wo sie spielerisch mit dem Nebeneinander von Sprachen, Kulturen und Religionen umgehen. Vor allem die Knaben interessieren sich für die Unterschiede zwischen Islam, christlichen Konfessionen und nordischen Vorstellungen. Der Dokumentarfilm taucht in enger Tuchfühlung mit der kindlichen Fantasiewelt in eine Welt ein, wo unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Religionen zum Alltag gehören. - Sehenswert ab 12.

Als VoD: unter anderen bei Amazon

"Die Götter von Molenbeek" (Real Fiction)
"Die Götter von Molenbeek" (© Real Fiction)

Morgen gehört uns

Frankreich 2019. Regie: Gilles de Maistre

Auf der ganzen Welt haben Kinder verstanden, dass man sich für den Schutz der Umwelt einsetzen muss, Obdachlose nicht ihrem Schicksal überlassen und Kinderehen und Ausbeutung nicht dulden darf. Der Film porträtiert sieben Kinder aus Peru, Frankreich, Guinea, Indien und Bolivien, die die Welt im Kleinen verändern und dabei recht geschickt auch ihre Eltern einspannen. Am Ende bleibt nur eine Frage offen: Was kann ich tun? - Ab 8.

Noch im Kino zu sehen


I am Greta

Schweden 2020. Regie: Nathan Grossman

Die junge schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg ist der Inbegriff einer neuen Generation Heranwachsender, die nicht mehr bereit ist, sich den Sachzwängen oder den Ausflüchten träger Politiker zu unterwerfen. Der Film bleibt sehr nah an ihrer Person und begleitet sie bei ihren öffentlichen Auftritten sowie ihrer Atlantiküberquerung mit einer Segelyacht. Da zollte sogar Arnold Schwarzenegger Respekt. - Ab 12.

Noch im Kino zu sehen


Youth Unstoppable - Der Aufstieg der globalen Jugend-Klimabewegung

Kanada 2020. Regie: Slater Jewell-Kemker

Schon als 15-Jährige hatte die kanadische Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker stets eine Kamera bei sich, wenn sie als Delegierte an UN-Konferenzen über Umwelt- und Klimafragen teilnahm. Aus dem unendlichen Material, was in einem Dutzend Jahre entstand, formt sie eine einzigartige Chronik des Kampfes, die auf journalistische Objektivität pfeift, aber ein Höchstmaß an Authentizität gewährleistet und viele Denkanstöße liefert. - Sehenswert ab 10.

Aktuell im Kino zu sehen

Kommentar verfassen

Kommentieren