Die spanische Filmemacherin Icíar Bollaín hatte sich schon mit einem ihrer ersten Spielfilme, „Öffne meine Augen“ (2003), mit einer missbräuchlichen Beziehung auseinandergesetzt, bei der es nicht zuletzt um die Schwierigkeit ging, sich als Frau von einem gewalttätigen Partner zu befreien. Ähnliche Fragen prägen zwei Jahrzehnte später auch Bollaíns „Der Fall Nevenka“, mit dem sie einen in Spanien bekannten Skandal aufgreift.
Ende der 1990er-Jahre wird die Mittzwanzigerin Nevenka Fernández (Mireia Oriol) Finanzstadträtin in der spanischen Stadt Ponferrada, unterstützt wird sie vom beliebten Bürgermeister Ismael Álvarez (Urko Olazabal). Dieser schenkt ihr viel Aufmerksamkeit und zeigt bald aufdringlich, dass er sich zu der jungen Frau hingezogen fühlt. Nachdem sie ihn mehrfach abgewehrt hat, lässt sie sich auf eine Beziehung ein, wird darin aber nicht glücklich. Die Trennung akzeptiert Álvarez jedoch nicht: Nicht nur bedrängt er sie weiter, er stellt sie auch öffentlich bloß, bedroht sie und ihre Familie, und treibt sie schließlich in eine Depression. Als sie sich durchringt, ihn anzuzeigen, gerät Nevenka Fernández ins mediale Kreuzfeuer, doch gegen alle Anfeindungen bringt sie den Politiker vor Gericht.
Das Drama nach dem wahren Fall, der Justizgeschichte schrieb, ist konventioneller entwickelt als frühere Werke der Regisseurin und handelt die Stationen von Nevenkas Leidensweg ohne viel Raum für Zwischentöne ab. Stärken besitzt der Film einmal mehr da, wo er sich auf das seelische Leiden einer Protagonistin konzentriert, die durch Angst, den Druck der Öffentlichkeit und Zweifel an sich selbst zu zerbrechen droht. – Ab 16.