Der gebürtige Grieche Constantin Costa-Gavras machte sich ab Ende der 1960er-Jahre von seiner Wahlheimat Frankreich aus vor allem durch seine Politthriller und -dramen einen Namen, in denen er historische und gegenwärtige Missstände in aller Welt zur Sprache brachte. Sein Regiedebüt aus dem Jahr 1965 präsentiert sich demgegenüber noch unpolitisch und erzählerisch vermeintlich konventioneller. Das Setting ist das eines klassischen Whodunnits: In einem Nachtzug von Marseille nach Paris führt der Zufall sechs Mitfahrer in einem Schlafabteil zusammen, darunter der junge, ohne Fahrkarte reisende Daniel (Jacques Perrin). Am Morgen wird eine Passagierin des Abteils ermordet aufgefunden, die Fahrgäste sind bereits verschwunden. Bald kommt es zu weiteren Morden. Inspektor Graziani (Yves Montand) braucht einige Zeit, bis er die Zusammenhänge erkennt.
Costa-Gavras legt dieses Szenario allerdings durchaus mit Blick für eine realistische Zeichnung des Umfelds an, so sehr, dass die Detailgenauigkeit sogar die Spannung zurückdrängt. Dies holt der Film aber durch seine Meriten in der Schwarz-weiß-Kameraarbeit von Jean Tournier und seine actionreiche Mörderjagd wieder ein, zudem verblüfft das Staraufgebot (u.a. Simone Signoret, Michel Piccoli und Jean-Louis Trintignant), das Costa-Gavras schon bei seinem ersten Film versammeln konnte. – Ab 16.