Cyankali (1930)

Literaturverfilmung | Deutschland 1930 | 88 Minuten

Regie: Hans Tintner

Sittendrama nach einem Theaterstück von Friedrich Wolf, das für die Abtreibung bei sozialer Notlage agitierte. Die arbeitslos gewordene Stenotypistin Hete aus dem Berliner Norden gerät in ihrer - vom Wohnungselend und der Hilflosigkeit ihres Liebhabers noch gesteigerten - Misere an eine Pfuscherin. An dem ihr verabreichten giftigen Abtreibungsmittel geht sie zugrunde. Ihre Mutter wird wegen Beihilfe verhaftet. In der Hauptrolle des Films brillierte Grete Mosheim, eine der bedeutendsten Berliner Schauspielerinnen der 20er Jahre. Der Film - ein Dokument des proletarischen Films in der Weimarer Republik - wurde als Stummfilm begonnen, zwei Passagen am Ende markieren jedoch bereits den Übergang zum Tonfilm.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1930
Regie
Hans Tintner
Buch
Hans Tintner
Kamera
Günther Krampf
Musik
Willy Schmidt-Gentner
Darsteller
Grete Mosheim (Hete) · Nico Turoff (Paul) · Claus Clausen (Max) · Herma Ford (Frau Fent) · Margarete Kupfer (Madame Heye)
Länge
88 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0 (DVD)
Genre
Literaturverfilmung | Stummfilm

Heimkino

Formal ist "Cyankali" eines der interessanten Beispiele für ein Werk auf der Schwelle vom Stumm- zum Tonfilm: Die finale Auseinandersetzung zwischen der vom Tod gezeichneten Mutter, dem Arzt und den Gesetzeshütern wurde mit Dialogen nachgedreht, der gesamte Film mit einer kontraproduktiven plakativen Unterhaltungsfilmmusik von Willy Schmidt-Gentner versehen. Unter beiden dramaturgischen Verwässerungen leidet der Film sichtlich. Die DVD präsentiert eine nach Stand der Dinge bestmögliche Vervollständigung des Films, der man indes noch deutlich Altersabnutzungen und qualitativ unterschiedliche Quellen anmerkt. Als Bonus wurde »Cyankali« die theaterhaft-steife (Fernseh-)Neuverfilmung des Stoffs von Jurij Kramer (DDR 1977, 80 Min. FF, Mono) zur Seite gestellt, die wiederum durch eine sehr erhellende einstündige »Problematisierung« des Sujets in einer Diskussionsrunde des DDR-Fernsehens ergänzt wird. Während in der DDR der Paragraph 218 einst formal abgeschafft wurde, gilt er in Deutschland in modifizierter Form bis heute. Die Edition ist mit dem Silberling 2016 ausgezeichnet.

Verleih DVD
absolut (FF, Mono dt.)
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