„White Trash“ nennen die Amerikaner abfällig ihre weiße Unterschicht. Angehörige dieses „Menschenmülls“ leben von Gelegenheitsjobs oder staatlicher Hilfe und sind in Wohnwagenparks zu Hause; dem Rest der Gesellschaft fallen sie vor allem durch ihren ganz eigenen modischen und kulturellen Geschmack auf. Selbst in dieser Kategorie gehört der titelgebende Protagonist des Films noch zum Bodensatz. Mit seinem schrottreifen Auto und der unmodernen „VokuHila-Frisur“ (vorne kurz, hinten lang) macht sich der junge Mann, der – nomen est omen – als Putzkraft in einem Radiosender arbeitet, regelmäßig zum Gespött seiner Umwelt. Auch der Radiomoderator Zander Kelly will Joe zunächst nur als Witzfigur vorführen, als er ihn spontan in seine Talkshow einlädt. Aber Joe zieht mit seiner abenteuerlichen Lebensgeschichte nicht nur das ganze Studio, sondern auch die Zuhörer in seinen Bann: Im Alter von acht Jahren verliert er bei einem Ausflug in den Grand Canyon auf mysteriöse Weise seine Eltern. Heimatlos zieht er durch die Gegend, bis er sich mit der schönen Brandy anfreundet, nachdem er in einer Winternacht ihren Hund gerettet hat (die Geschlechtsteile des Tieres waren am Boden festgefroren). Von einem bösartigen Verehrer Brandys erneut vertrieben, begibt sich Joe auf die Suche nach seinen Eltern. Auf seiner Reise trifft er einen Ex-Mafioso, heuert auf einer Alligatorenfarm an und erfährt, was am Grand Canyon geschah, um am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen: Home is where you make it.
„Joe Dreck“ hat eine sorgfältig konstruierte Geschichte, die nicht wie bei vielen anderen Erzeugnissen dieses Genres der Jagd nach Gags geopfert wird. Damit ist jedoch schon fast alles gesagt, was es positiv über das Kinodebüt der Fernsehregisseurin Dennie Gordon zu vermerken gibt. Den Drehbuchautoren Fred Wolf und David Spade (der auch die Titelrolle spielt) ist nichts Besseres eingefallen als das übliche Konglomerat aus heißen Miezen und Motoren, Sex-Witzen und Fäkalhumor. Es ist freilich nur begrenzt komisch, wenn sich der Meteorit, den Joe Dreck findet, als der gefrorene Inhalt einer Flugzeugtoilette erweist, oder wenn eine vermeintliche Atombombe in Wirklichkeit ein Gülletank ist, der sich (natürlich) über den Helden ergießt. Filmhistorische Reminiszenzen (eine Parodie auf „Das Schweigen der Lämmer“) oder die Darstellung der „Medienkarriere“, die Joe Dreck nach seinem Auftritt im Radio erlebt, lassen das Potenzial erahnen, das in den Comedy-erprobten Autoren („Saturday Night Live“) steckt, hier aber nur selten zur Geltung kommt. Schleierhaft bleibt, warum sich so renommierte Darsteller wie der charismatische Christopher Walken (als untergetauchter Verbrecher) und Rosanna Arquette (als Leiterin der Alligatorenfarm) für den Film hergegeben haben. Offensichtlich erfreuen sich Underdog-Verlierer als Helden der Leinwand ungebrochener Popularität. Die Welt des „White Trash“ scheint eines der wenigen Milieus zu sein, das – mangels von Fürsprechern – noch nicht der politischen Korrektheit zum Opfer gefallen ist und im Kino Raum für enthemmten Humor lässt. In Deutschland hat das Zlatko-Phänomen bewiesen, dass auch hier Bedarf vorhanden ist. „Joe Dreck“ empfiehlt sich jedoch eher für eine lange Videonacht als für einen teuer bezahlten Kinobesuch.