Jurassic World: Das gefallene Königreich

Abenteuerfilm | USA/Spanien 2018 | 129 Minuten

Regie: J.A. Bayona

Drei Jahre nach der Zerstörung des Dinosaurier-Freizeitparks auf einer Pazifikinsel gefährdet ein Vulkanausbruch das Leben der Urzeitechsen. Mit ihrer Rettung beauftragt, kehren die ehemalige Leiterin des Parks und ein Saurier-Bändiger zurück auf die Insel, müssen aber erfahren, dass hinter der Mission in Wahrheit skrupellose Geschäftsinteressen stecken. Fortsetzung des mit „Jurassic World“ (2015) erfolgreich wiederbelebten Dinosaurier-Franchises, die noch mehr als die Vorgänger auf den Grusel spektakulärer Spannungssequenzen setzt. Die Filmhandlung speist sich dabei aus vertrauten Motiven, die in ein bombastisches Finale münden.

Filmdaten

Originaltitel
JURASSIC WORLD: FALLEN KINGDOM
Produktionsland
USA/Spanien
Produktionsjahr
2018
Regie
J.A. Bayona
Buch
Colin Trevorrow · Derek Connolly
Kamera
Óscar Faura
Schnitt
Bernat Vilaplana
Darsteller
Chris Pratt (Owen Grady) · Bryce Dallas Howard (Claire Dearing) · Ted Levine (Ken Wheatley) · Rafe Spall (Eli Mills) · Toby Jones (Gunnar Eversol)
Länge
129 Minuten
Kinostart
07.06.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Abenteuerfilm | Actionfilm | Science-Fiction-Film
Diskussion

Allzu schnell gewöhnt der Mensch sich an Wunder. Kaum eine Generation, nachdem mit Hilfe der Gentechnik die Rückkehr der Dinosaurier gelang, haben diese ihren Nimbus bereits wieder eingebüßt: Drei Jahre lang konnten die herangezüchteten Urzeitechsen sich nach der Zerstörung des Dino-Freizeitparks in „Jurassic World“ (fd 43 167) frei auf der menschenverlassenen Insel Nublar bewegen, nun aber erweist sich das vermaledeite Eiland als Todesfalle. Der erloschen geglaubte Inselvulkan hat sich machtvoll als aktiv zurückgemeldet, die ganze Insel könnte von Lava überschwemmt werden, den Dinosauriern droht ein weiteres Mal das Aussterben. Rebelliert hier die Natur selbst gegen die Geschöpfe aus einem anderen Zeitalter? Zumindest Experte Ian Malcolm, bekanntlich schon in „Jurassic Park“ (fd 30 396) und „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (fd 32 664) kein großer Fan der Saurier-Renaissance, rät vom Eingriff in den Lauf der Dinge ab, und die Politiker folgen ihm. Was können auch denen, die bereits Eisbären und pazifische Inselstaaten für entbehrlich erklärt haben, schon ein paar urzeitliche Kreaturen bedeuten?

Die Arroganz des Menschen, sich zum Schöpfer aufzuschwingen, ohne die Verantwortung für die Folgen zu übernehmen, hat sich als Thema von Anfang an durch das „Jurassic Park“-Franchise gezogen. „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ reiht sich in diese Tradition mit einem bissigen Seitenhieb auf die Ungerührtheit der breiten Öffentlichkeit gegenüber Ereignissen, die fernab von ihr passieren, ein. Doch gibt es auch noch immer leidenschaftliche Saurier-Bewunderer, die mit „Rettet unsre Dinos!“-Plakaten demonstrieren oder Spendengelder auftreiben wollen. Besonders eifrig dabei ist Claire Dearing, ehemals Leiterin des Dino-Parks und nunmehr Vollblut-Aktivistin für den Erhalt der Dinosaurier.

Der Erfolg ist überschaubar, doch dann keimt ein Hoffnungsschimmer auf: Der todkranke Milliardär Benjamin Lockwood plant die Rettung der Saurier durch einen Transport auf eine sichere Insel – eine gute Tat vor seinem Ableben und ein Weg, das Erbe von Jurassic-Park-Initiator John Hammond, seinem einstigen Geschäftspartner, zu bewahren. Claire braucht er für die Durchführung des Plans ebenso wie den früheren Saurier-Bändiger Owen Grady. Neben Ortskenntnissen ist dessen spezielle Beziehung zur letzten Überlebenden seiner vier trainierten Velociraptoren gefragt, die wegen ihrer Intelligenz am schwersten aufzuspüren ist.

Claire benötigt wenig und Owen kaum mehr an Überredung, und so finden sich beide schon bald zusammen auf Nublar wieder. Eine Zeitlang hält „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ die reizvolle Aussicht aufrecht, es könnte im fünften Beitrag des Franchises und zweiten des Reboots um eine Umkehr der erprobten Formeln gehen. Mit einer Spannungsdramaturgie, die Menschen und Dinosaurier gemeinsam umfasst und bei der nicht die einen ständig vor den anderen flüchten müssen. Der spanische Regisseur J.A. Bayona erweist der Faszinationskraft der Saurier auch durchaus Reverenz: So lässt er sich Zeit für die erhabene Begegnung mit einem Brontosaurus, gestaltet die Wiederbegegnung von Owen und seinem Ziehsaurier Blue als spannungsvollen Kontakt aus und sorgt für den frühen Höhepunkt des Films, indem er den verheerenden Vulkanausbruch zum Anlass für eine grandiose, ebenso spannende wie ergreifende Action-Sequenz nimmt, in der zahllose Dinosaurier vor der Lava und den Schwefeldämpfen flüchten, die Helden des Films mittendrin.

Zu diesem Zeitpunkt hat das Drehbuch von Colin Trevorrow und Derek Connolly allerdings bereits die Zeichen gesetzt, um zu bewährten Handlungssträngen zurückzukehren, genauer: Zum Plot von „Vergessene Welt: Jurassic Park“ mit seinem Schwerpunkt auf ruchlosen Jägern und finsteren Hintermännern, die aus den Sauriern ein lohnendes Privatgeschäft machen wollen. Owen, Claire und zwei Mitglieder ihres Mitarbeiter-Teams geraten so in zusätzliche Gefahr und sind zum Versteckspiel gezwungen, bis sie den Bestimmungsort des Dinosaurier-Transports erreichen. Dieser ist nichts anderes als das ausladende Herrenhaus von Lockwood, irgendwo in der amerikanischen Wildnis, eine schauprächtige Kulisse für den Rest des Films, die diesem allerdings auch ein zusätzliches Problem aufbürdet.

Schon Storyverlauf und Charaktere kommen mit erheblichen Logiklücken einher, durch die Wahl dieses Schauplatzes reizt der Film die Absurdität jedoch bis ins Letzte aus: Vom Aufbau her, mit gewaltigen geheimen Kelleranlagen und Räumen zum konspirativen Treff, ist das sperrige Haus eher der Schurkensitz eines James-Bond-Films als ein geeigneter Ort für den absehbaren Showdown zwischen Menschen und Sauriern. Der Gruselspezialist Bayona kann das Ambiente zwar durchaus zu einigen einprägsamen Spannungsmomenten nutzen, riskiert aber mit irritierenden surrealen Bildern, die an seine gefeierten Werke „Das Waisenhaus“ (fd 38 581) und „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (fd 44 651) anknüpfen, das Blockbuster-Publikum eher zu brüskieren.

Im Großen und Ganzen ist „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ daher ein Film, der bei allem Aufwand hinter dem soliden Vorgänger zurückbleibt. Um das Finale über diverse Stockwerke, Simse und Giebel bestreiten zu können, muss erneut ein aus einem Genmix erschaffener Saurier aufgeboten werden. Kleiner als der Indominus Rex aus „Jurassic World“ ist dieser genauso einfallslos auf pure Bösartigkeit konzipiert und nimmt damit den Auftritten der authentischen Urzeitechsen unnötig Raum weg. Was aber symptomatisch für die seltsamen Größenverhältnisse des Films ist, wie sie sich auch bei der Versteigerung der gefangenen Dinos beweist. Wenn buchstäbliche Raubtierkapitalisten für den exklusiven Besitz eines dieser einzigartigen Wesen gerade mal einstellige Millionensummen rausrücken, passt das ganz gut zu dem Eindruck, dass die Dinosaurier in diesem Film doch deutlich unter Wert verkauft werden.

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