Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Action | USA 2019 | 105 Minuten

Regie: Rob Letterman

In einer futuristischen Großstadt leben die Menschen Seite an Seite mit den kleinen Fantasy-Monstern Pokémon. Als ein Jugendlicher dorthin zieht, um den Nachlass seines verschwundenen Vaters, eines Polizisten, zu regeln, überredet ihn dessen Pokémon-Partner dazu, den letzten Fall wieder aufzurollen. Gemeinsam kommen sie einer Verschwörung gegen Menschen und Pokémon auf die Spur. Der erste Auftritt der beliebten Monster als computeranimierte Realfiguren in einem Kinofilm strebt abenteuerliche Familienunterhaltung an, setzt seine Geschichte dafür aber zu umständlich und bemüht liebenswert in Szene. Der größte Reiz liegt in den niedlichen, zur Abwechslung dreidimensionalen Trickfiguren. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
POKÉMON DETECTIVE PIKACHU
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Rob Letterman
Buch
Dan Hernandez · Benji Samit · Rob Letterman · Derek Connolly
Kamera
John Mathieson
Musik
Henry Jackman
Schnitt
Mark Sanger · James Thomas
Darsteller
Justice Smith (Tim Goodman) · Kathryn Newton (Lucy Stevens) · Bill Nighy (Howard Clifford) · Ken Watanabe (Lt. Hide Yoshida) · Chris Geere (Roger Clifford)
Länge
105 Minuten
Kinostart
09.05.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Action | Animation | Familienfilm | Fantasy
Diskussion

Ein Jugendlicher will an der Seite eines Pokémon-Detektivs das Verschwinden seines Vaters aufklären und stößt auf eine Verschwörung. Der erste Auftritt der beliebten kleinen Fantasy-Monster als Trickfiguren in einem Realfilm strebt ein familientaugliches Abenteuer an, Spannung und Spaß kommen in dem komplizierten Plot aber zu kurz.

Pokémon gibt es in fast jeder Darreichungsform: Seit 1996 als Nintendo-Gameboy-Spiel, danach als Fernsehserie, Videogame, als Sammelkarten, als zahlreiche Animes im Kino. Jeder, der nach 1980 geboren wurde oder Kinder hat, kennt die Pokémon, die meisten lieben sie auch. Jetzt sind die Zeichentrickmonster zum ersten Mal Darsteller in einem Realfilm. Als animierte Trickfiguren bevölkern sie eine futuristische Großstadt, in der Menschen und Pokémon quasi gleichberechtigt zusammenleben. Obwohl sie natürlich keine Verständigungsmöglichkeit haben, denn Menschen und Pokémon können nicht miteinander reden. Die gemeinsame Existenz wirkt also ein bisschen wie Haustierhaltung – wobei man sich gelegentlich wundert, wer das Haustier ist, Mensch oder Pokémon.

In diese Großstadt wird der einsame Teenager Tim beordert, der eigentlich auf dem Land bei seiner Oma lebt. Er soll die Hinterlassenschaft seines Vaters an sich nehmen. Der Vater war Polizist, er ist gerade im Dienst verschwunden, also vermeintlich tot. Tim hat sich seit vielen Jahren geweigert, ihn in der Großstadt zu besuchen, das betrübt ihn jetzt. Aber Aufmunterung ist in Sicht: Ein Pikachu mit Detektivkäppi taucht in der Wohnung des Vaters auf, und erstaunlicherweise kann Tim das Pikachu verstehen. Jetzt kommunizieren also Mensch und Pokémon verbal, eine Sensation, für die allerdings die Dialoge eher unspektakulär sind: „Ich war der Partner deines Vaters. Er ist nicht tot. Wir müssen ihn suchen!“ – „Nö, keine Lust.“ Das ist in etwa der Austausch, wobei Tim sich dann natürlich doch überreden lässt, den letzten Fall seines Vaters noch einmal aufzurollen und dabei eine Verschwörung gegen Menschen wie Pokémon gleichermaßen aufdeckt.

Pokékämpfe auf Drogen

Dazu braucht Tim erst noch eine clevere Freundin, die in Begleitung eines Enton-Pokémons auftritt, dann führt sein Weg über Pokékämpfe auf Drogen, über wissenschaftliche Experimente an Pokémon und über einen größenwahnsinnigen Medienmogul bis hin zu einer zauberischen Familienzusammenführung. Das klingt, so erzählt, ziemlich spannend. Im Film allerdings wird dieser Plot so weichgespült, so wirr konstruiert und vor allem so bemüht liebenswert gehalten, dass weder Spannung noch Spaß übrigbleiben. Die Kinder im Publikum sollen nicht verschreckt werden, also wird alles, was nur ansatzweise nach Gefahr aussieht, im Nachhinein als Irrtum wegerklärt: Die Bösen sind doch nicht böse, sondern im Schrank eingesperrt, während Klone ihre Taten verüben. Oder die Bösen sind tatsächlich nicht böse, sondern nur Opfer einer Rufmordkampagne. Oder oder. Es herrscht sehr große Mühsal, aus dem Chaos im Plot Kohärenz zu destillieren, für den Regisseur Rob Letterman wie für das Publikum.

Wahrscheinlich ist das aber für die Rezeption eines Films wie „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ komplett egal. Was die Fans interessieren dürfte, sind die Pokémon als Trickfiguren, und die sind recht niedlich. Wobei nicht als gesichert gelten kann, dass „niedlich“ ein positives Attribut für Pokémon oder für Pokémonhalter ist. In den Zeichnungen und Spielen sieht etwa Pikachu kühn und vergnügt aus – in diesem Film ist er eine kleine Nervensäge mit Plüsch-Schnute, die Persönlichkeitskrisen durchläuft, Selbstzweifel hat, peinliche Bemerkungen macht oder Trübsal bläst, wenn er nicht gerade an seinem Freund Tim herummäkelt. Ob das wirklich die Sorte Partner fürs Abenteuer ist, die sich die Masse der Pokéfreunde in dieser oder in der fiktiven Welt wünscht, ist, gelinde gesagt, zweifelhaft.

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