© Ruth Beckermann Filmproduktion/Johannes Hammel

Mutzenbacher

Dokumentarfilm über ein Experiment mit einem Erotikroman - bis 6.6. in der arte-Mediathek

Veröffentlicht am
10.03.2026 - 09:45:02
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Männer unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Schichten werden zu einem Casting geladen, bei dem sie aus den fiktiven Erinnerungen der Wiener Dirne Josefine Mutzenbacher (anonym erschienen 1906) vorlesen und über ihr eigenes Verhältnis zum Text sowie ihre individuellen sexuellen Erfahrungen berichten sollen. Dabei lässt sich beobachten, wie die Männer auf fast magische Weise von einer tiefen Leidenschaft ergriffen werden. Auch wenn sie sich zunächst schüchtern an die freizügigen Erlebnisberichte Mutzenbachers herantasten, verfallen sie irgendwann einem genießerischen Flow. Der Wiener Dialekt verleiht dem Text zusätzlich eine besondere Musikalität.

Der Dokumentarfilm von Ruth Beckermann verbleibt bei der Casting-Situation und ist nicht darauf aus, männliche Sexualität als solche zu thematisieren. Er setzt vielmehr auf ambivalente Gespräche über Wirklichkeit, Fantasie und die schwer definierbare Grenze dazwischen und konzentriert sich aufs Zuhören und Entdecken. Nicht zuletzt konfrontiert einer der Männer im Film auch die Regisseurin mit ihrer eigenen Machtposition, das Gesagte beliebig schneiden und kontextualisieren zu können. – Sehenswert ab 16.

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