Horror | USA 2019 | 170 Minuten

Regie: Andrés Muschietti

27 Jahre, nachdem eine Gruppe Jugendlicher hinter einer Mordserie an Kindern das Wirken eines Horror-Clowns erkannte und ihm unter Lebensgefahr Einhalt gebot, taucht das Monster in der Kleinstadt wieder auf. Die Fortsetzung des Horrorfilms nach einem Roman von Stephen King spielt nun in der Erwachsenenwelt, doch die sechs Protagonisten des „Klubs der Verlierer“ wirken blass und distanziert. Der Film versucht den Mangel an Emotionalität durch eine wilde Geisterbahnfahrt aus Effekten und Schockmomenten zu kompensieren, was den Horror vom Drama weg hin zum Thriller verlagert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
IT CHAPTER TWO
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Andrés Muschietti
Buch
Gary Dauberman
Kamera
Checco Varese
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Jason Ballantine
Darsteller
James McAvoy (Bill Denbrough) · Jessica Chastain (Beverly Marsh) · Bill Skarsgård (Pennywise) · Bill Hader (Richie Tozier) · Jay Ryan (Ben Hanscom)
Länge
170 Minuten
Kinostart
05.09.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror | Literaturverfilmung
Diskussion

Fortsetzung der Romanverfilmung nach Stephen King, in dem der mörderische Horror-Clown 27 Jahre später die Mitglieder des „Klubs der Verlierer“ erneut herausfordert.

Nur einer ist in Derry geblieben. In all den Jahren nach den verstörenden Ereignissen im Sommer 1989 hat sich Mike Hanlon gründlich mit dem beschäftigt, was das scheinbar immer wiederkehrende Unheil heraufbeschworen hat. Inzwischen leitet er die örtliche Bibliothek, während die anderen aus dem „Club der Verlierer“ ihrer Heimatstadt allesamt den Rücken gekehrt haben. Keiner der sechs will an das Versprechen erinnert werden, das sie sich am „Grab“ von Pennywise gegeben haben: dass der „Club“ erneut zusammenkommt, falls jemals wieder rote Luftballons über der Stadt merkwürdig gegen den Wind fliegen oder die glühenden Augen eines Clowns aus der Kanalisation lugen.

27 Jahre später ist sich Mike aber sicher, dass dieser Zeitpunkt doch gekommen ist.

Eine Aufgabe für die Erwachsenen

2017 erweckte das Team um Regisseur Andy Muschietti das Stephen-King-Epos über die Unbesiegbarkeit des Bösen in Es zu neuem Leben. Im Gegensatz zur gruselig-kompakten Unterhaltungsversion des US-Fernsehens aus dem Jahr 1990 ging es darin um die Tragödie des Erwachsenwerdens, in die neben all dem „normalen“ Unglück auch noch eine monströse Kraft einbricht, die den psychischen Alltagsverletzungen schmerzvolle physische Wunden hinzufügt. 2019 ist es nun an den Erwachsenen, den Clown Pennywise erneut zu bannen.

Kaum ein Horrorfilm hat soviel Neugier auf seine Fortsetzung geschürt wie „Es“. Mike Hanlon, Bill Denbrough, Ben Hanscom, Richie Tozier, Eddie Kaspbrak und Beverly Marsh sitzen sich wieder gegenüber. Voller Selbstzweifel und Skepsis, aber auch in der Gewissheit, dass sie sich aufs Neue ihren Ängsten stellen müssen, um der Menschheit eine Katastrophe zu ersparen. Einen von ihnen hat es schon in die Hölle gerissen; Stanley Uris hat die Vorstellung, noch einmal gegen den Clown und seine mannigfaltigen Ausformungen des Grauens antreten zu müssen, in den Tod getrieben. Doch die anderen sind willens, erneut in die Kanalisation von Derry zu steigen, um Es die Stirn zu bieten.

Die Gegenwart bleibt blass

Der Drehbuchautor Gary Dauberman stand vor einer schwierigen Aufgabe. Sollte er die Ereignisse des ersten Teils als bekannt voraussetzen? Oder etwas völlig Neues beginnen? Letzteres wäre fast zwingender gewesen, denn er führt Menschen zusammen, die sich Jahrzehnte lang nicht mehr gesehen haben. Ein radikaler Ansatz hätte die Möglichkeit eröffnet, die Figuren neu zu gewichten und freier mit der Romanvorlage zu spielen. Doch wo „Es“ viel Mut zur Dekonstruktion bewies, wirkt „Es: Kapitel 2“ brav und konventionell. Während „Es“ gänzlich ohne Erwachsene auskam, teilen sich die Erwachsenen nun erstaunlich viel Zeit mit ihren Charakteren aus der Vergangenheit. Das hat zur Folge, dass man den Club von einst intensiver erlebt, wohingegen der gegenwärtige Klub eigentümlich blass bleibt.

Nach einem kurzen Prolog, der die „Heimkunft“ von Pennywise nach Derry andeutet, sowie der erstaunlich gerafften Telefonkette der Klubmitglieder bleibt nur ein Abendessen, das bald in die Herausforderungen mündet, bei denen sich die sechs gegenüber dem Clown beweisen müssen – alleine, versteht sich. Denn nur wenn alle gestärkt und mit persönlichen Artefakten aus der Vergangenheit antreten, könnte ein neuerlicher – und hoffentlich finaler – Sieg über das Böse gelingen. Dumm daran ist nur, dass das spannendste und virtuos inszenierte Segment dieser (Anti-)Heldenreisen, nämlich der Teil mit Beverly Marsh, bereits im Trailer „vergeudet“ wurde und die anderen Geisterbahnfahrten in die Vergangenheit im Vergleich dazu eher lahm ausfallen.

Trotz scharfer Messer nicht bedrohlich

Das stoische Durchdeklinieren der Begegnungen mit dem Monster hat ohnehin etwas Ernüchterndes, da man auch ohne Kenntnis der Romanvorlage schnell ahnt, dass die Auftritte des Clowns eine Jahrmarktsattitüde haben: pompöse, aber letztlich folgenlose Schockmomente. Denn der wahre Kampf um Leben und Tod gebührt klar dem Showdown. Dabei hätte der Clown durchaus menschliche Helfershelfer, die den Protagonisten schmerzhafte Wunden zufügen könnten. Doch während Bill Skarsgård als Pennywise einmal mehr virtuos und mitreißend gruselig ist (nicht zuletzt auch aufgrund des grimmigen Make-ups und der gruseligen CGI-Effekte), ist Teach Grant als Henry Bowers ein echtes Manko des Films. Seine psychopathische Figur, die den „Klub der Verlierer“ seit Jugendtagen terrorisiert, besitzt kein Charisma und ist obendrein, trotz scharfer Messer, wenig bedrohlich; der brachiale junge Nicholas Hamilton hat im ersten Teil einen weit besseren Job gemacht.

Die beinahe dreistündige Laufzeit von „Es: Kapitel 2“ hat Längen. Ohne Not, denn zwischenmenschlich wäre im Klub so viel zu klären und zu erzählen gewesen. Aber das hätte aus einem Horrorschocker vielleicht ein Horrordrama gemacht; eine Entscheidung, die den zweiten Teil im Gegensatz zum starken Vorgänger in konventionelle Gefilde führt. Das ist auch deshalb schade, weil die Darsteller von James McAvoy bis Jessica Chastain genug Potenzial für eine Achterbahnfahrt der Gefühle hätten. Neben einer Menge Geisterbahn gibt es nun vor allem eine visuell mitreißende Schlacht, bei der die Darsteller physisch an ihre Grenzen gehen müssen. Das ist atemberaubend, aber nicht wirklich dramatisch. Gut ist zumindest, dass am Schluss ganz wie im Roman wirklich alles zu Ende ist. Was natürlich nicht heißt, dass Pennywise nicht auch ohne den Klub der Verlierer zurückkommen könnte. An ein Prequel wird bereits gedacht.

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