The Pirates of Somalia

Drama | USA 2017 | 113 Minuten

Regie: Bryan Buckley

Ein junger Journalist reist Ende 2008 nach Somalia, um für ein Buch über die dortigen Piraten und deren Aktivitäten zu recherchieren. Basierend auf dem Reportagebuch “The Pirates of Somalia: Inside Their Hidden World” gibt das biografische Drama spannende Einblicke in die Welt der Seeräuber und erzählt von einem Journalisten, der sich für sein Buch immer größeren Risiken aussetzt. Daneben gelingt dem Film ein differenzierter Blick auf die Situation in dem vom Bürgerkrieg geplagten ostafrikanischen Land. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE PIRATES OF SOMALIA
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Bryan Buckley
Buch
Bryan Buckley
Kamera
Scott Henriksen
Musik
Andrew Feltenstein · John Nau
Schnitt
Jay Nelson
Darsteller
Evan Peters (Jay Bahadur) · Al Pacino (Seymour Tolbin) · Barkhad Abdi (Abdi) · Melanie Griffith (Maria Bahadur) · Coral Peña (Katlyn)
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
New KSM
Verleih Blu-ray
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Diskussion

Ein Poltthriller nach realen Ereignissen um einen Journalisten, der Ende 2008 nach Somalia reist, um für ein Buch über die dortigen Piraten zu recherchieren.

Im April 2009 enterten Piraten die Maersk Alabama vor der somalischen Küste. Die Seeräuber nahmen bei ihrer Flucht mit einem kleinen Rettungsboot den Kapitän des Containerschiffes, Richard Phillips, als Geisel. Nach vier Tagen beendeten Spezialkräfte die Geiselnahme und retteten den Kapitän. Drei der vier Entführer kamen bei dem Einsatz ums Leben. Der Piratenangriff machte Phillips bekannt, seine Erlebnisse dienten als Grundlage für den Action-Thriller „Captain Phillips“.

Regisseur Bryan Buckley nutzt in seinem Drama „The Pirates of Somalia“ nun das Schicksal des Kapitäns zur Kontextualisierung eines seiner dramaturgischen Höhepunkte: Der Journalist Jay Bahadur (Evan Peters) hat in der Szene die Möglichkeit, Gefangene auf einem anderen von Piraten gekaperten Schiff zu interviewen. Er lässt sich zur Küste fahren, an der es zur Konfrontation mit Piraten kommt. Sie verständigen sich darüber, Jay am nächsten Morgen auf das Schiff zu lassen. Doch dazu soll es nie kommen.

„Dahin gehen, wo es wehtut“

Bis es überhaupt zu dieser Situation kommt, hat Jay schon einiges riskiert. Der biografische Film erzählt basierend auf dessen Reportage-Buch „The Pirates of Somalia: Inside Their Hidden World“ die Geschichte eines noch bei seinen Eltern lebenden College-Absolventen, der nach seinem Abschluss davon träumt, ein erfolgreicher Journalist zu werden. Dazu möchte er zur Universität gehen, am liebsten nach Harvard. Sein Vorhaben überdenkt er jedoch, als er in einem Wartezimmer den Schriftsteller Seymour Tolbin (Al Pacino) trifft. „Du musst dahin gehen, wo es richtig wehtut“, sagt Seymour zu ihm. Jay beschließt nach dem Gespräch, für sein Buch über die Piraten von Somalia in das ostafrikanische Land zu reisen und damit in eine Gegend, in die sich zu dieser Zeit, Ende 2008 und am Höhepunkt der somalischen Piraterie, kaum ein Reporter traut. Begleitet und mit Hilfe von seinem Übersetzer Abdi (Barkhad Abdi) bekommt Jay Eindrücke in das Leben der Piraten.

Der angehende Reporter nimmt dabei immer größere Risiken auf sich, was dem Film eine Steilvorlage liefert um die Spannung konsequent zu steigern: Er missachtet Sicherheitsanweisungen von Abdi, er führt Interviews mit lokalen Piraten, er erhält die Möglichkeit, auf ein gekapertes Schiff zu kommen. Dazu etabliert das Drama von Beginn an die Reise in das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land und die dortige Situation als gefährliche Reise ins Ungewisse: Jay sei „der erste Westler, der dort hinkommt“, heißt es einmal im Film.

Differenzierte Betrachtungsweise

Erzählt ist die Geschichte, angelehnt an die Vorlage, ganz aus der Sicht ihrer Hauptfigur. Was mit einem bemerkenswert differenzierten Blick auf die Blick auf die Piraten einhergeht: Fast vorurteilsfrei geht Jay an seine Reportage heran; und über die Menschen, denen er begegnet, bekommt auch deren Perspektive Raum. In einem Interview mit dem Piraten Boyah will dieser von dem Begriff „Pirat“ nichts wissen, er bezeichnet seine eigenen Männer stattdessen als „Küstenwache“. Ein anderer Piratenanführer bezeichnet gar das Verhalten der großen Containerschiffe, die der Küste Somalias so nahe kommen, als falsch – ein durchaus nachvollziehbares Argument.

Auf der anderen Seite blendet der Film aber das teils brutale Vorgehen der Piraten nie aus, die Aktionen werden zu keinem Zeitpunkt verharmlost. Die Angriffe der Piraten zeigt der Film allerdings nie direkt. Stattdessen werden diese in animierten Comicsequenzen dargestellt, was sie ein wenig abstrakt erscheinen lässt. Dennoch lassen sie den Schrecken durchaus erahnen.

Hoffnungen auf zwei Seiten

Unpassend hingegen wirkt stellenweise der Humor, der vor allem in der ersten Filmhälfte immer wieder aufblitzt. Wenn beispielsweise beim Treffen mit dem somalischen Präsidenten mal wieder Jays Aufnahmegerät nicht so will wie er, passt dies zwar durchaus zum etwas planlosen Vorgehen und zum unbekümmerten Verhalten des Journalisten, dennoch irritieren diese Momente eher. Im Verlauf der Handlung geraten sie schließlich gänzlich in den Hintergrund.

Insgesamt gelingt es dem Film aber auf stimmige Weise, seine Geschichte um eine interkulturelle Begegnung unter verschärften Bedingungen auszuarbeiten, bei der sich trotz aller Unterschiede eine Gemeinsamkeit heraus kristallisiert: Jays Hoffnung auf den beruflichen Durchbruch und eine große Story  trifft sich mit der Hoffnung der Somalis, die mit dem Besuch des westlichen Journalisten einher geht - dessen Einblicke sollen ein differenzierteres Bild auf das Land werfen und so in der Welt für eine andere Betrachtungsweise sorgen. Beide Hoffnungen sollen am Ende erfüllt werden.

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