Romans - Dämonen der Vergangenheit

Drama | Großbritannien 2017 | 91 Minuten

Regie: Ludwig Shammasian

Ein Arbeiter Mitte 30 kehrt anlässlich des Abrisses einer Kirche in seinen Heimatort zurück und nimmt die Beziehung zu einer früheren Freundin wieder auf. Doch er begegnet auch jenem Priester, der in als Zwölfjährigen sexuell missbraucht hat. Das hochbrisante Drama spürt dem Verlangen nach Rache und Vergeltung nach, lotet aber auch Vergebung und Versöhnung aus. Inszenatorisch geraten manche Kontraste zu stark und einige Symbole zu bedeutungsschwer, doch der Hauptdarsteller macht den Schmerz und die seelische Zerrissenheit der Figur überzeugend spürbar. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ROMANS
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2017
Regie
Ludwig Shammasian · Paul Shammasian
Buch
Geoff Thompson
Kamera
Felix Wiedemann
Musik
Stephen Hilton
Schnitt
Paul Shammasian
Darsteller
Orlando Bloom (Malky) · Janet Montgomery (Emma) · Anne Reid (Mutter) · Alex Ferns (Jo) · James Smillie (Jimmy)
Länge
91 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
Koch Media
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Diskussion

Ein Mann sieht sich nach Jahren mit dem Priester konfrontiert, der ihn als Kind missbrauchte, und kämpft mit seinem Wunsch nach Rache.

Es beginnt ein wenig irritierend. Man befindet sich in einer Kirche, darauf verweist ein Kreuz im Hintergrund. Doch die lauten Hammerschläge, deren Verursacher nicht zu sehen ist, passen nicht hierher. Kurz darauf fährt die Kamera zurück und zeigt, dass hier eine alte, von außen noch immer schöne Kirche abgerissen wird; an anderer Stelle ist schon eine neue entstanden, modern, zweckmäßig und kalt.

Zu den Abrissarbeitern gehört auch Malky, dargestellt von Orlando Bloom. Malky ist Mitte 30, sein unbewegtes, verzweifeltes Gesicht zeugt von seelischen Wunden, die, darauf deutet der Untertitel hin, lange zurück reichen. Schweigsam verrichtet er seine Arbeit; anderen geben über ist er abweisend und unhöflich.

Ein Trauma wirkt nach

Die Kirche steht in seinem Heimatort, in den er nach langer Zeit wieder zurückgekehrt ist. Er nimmt auch die Beziehung zu Emma wieder auf, die in einer Kneipe bedient. Der Sex mit ihr ist ruppig und spontan; doch Malky hält Emma auf Distanz, obwohl sie ihn liebt. Und dann sieht Malky jenen Priester wieder, der ihn vor über 20 Jahren sexuell missbraucht hat, ausgerechnet in dieser Kirche. Ein Trauma, das bis heute nachwirkt. Malky hat es nie geschafft, ein bürgerliches Leben aufzubauen. Er neigt zur Gewalt und war mehrmals im Gefängnis. Jetzt, wo der Priester vor ihm steht, will er nichts anderes als Rache. Doch darf Malky zulassen, dass eine weitere Gewalttat seine Zukunft zerstört?

Damit erklärt sich auch der Titel des Films von Ludwig und Paul Shammasian: Mit „Romans“ ist der Brief des Apostels Paulus an die Römer gemeint, Vers 12.20: „So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“ Es geht in „Romans“ also um Rache und Vergeltung, um Schuld und Sühne, aber auch um Vergebung und Aussöhnung, um den festen Glauben, dass eine Gewalttat die andere nicht wettmacht.

Ein Teufelskreis aus Gewalt und Verachtung

Der Drehbuchautor Geoff Thompson arbeitet hier sein eigenes Trauma auf. Er wurde selbst als Zwölfjähriger missbraucht und in der Folge gewalttätig; er betrieb Kampfsport und arbeitete als Türsteher. Jahre später traf er seinen Peiniger wieder und musste sich seiner Vergangenheit stellen. Der Kurzfilm „Romans 12:20“ war das Ergebnis dieser Auseinandersetzung; mit „Romans“ folgte eine lange Filmversion.

Die eigentliche Gewalttat bleibt dabei ausgespart; es geht um ihre Folgen, die Narben, zurückbleiben, und um den Umgang mit ihr und eine Lösung, wie sich der Teufelskreis aus Gewalt und Menschenverachtung aufbrechen lässt. Die Brüder Shammasian arbeiten mit starken Kontrasten und griffigen Symbolen. Alte und neue Kirche könnten in ihrem Aussehen unterschiedlicher nicht sein; der Soigniertheit des alten Priesters steht einen lautstarken Laienprediger gegenüber, der Malky immer wieder ins Gewissen redet.

Wenn Malky das Jesus-Kreuz abgeschraubt hat und es auf seinen Schultern aus der alten Kirche trägt, ist das ein Bild, das keine andere Interpretation zulässt. „Romans“ wirkt in diesen Momenten ein wenig forciert.

Aus dem Abseits heraus

Doch dann ist da noch die Leistung von Orlando Bloom, den man aus ganz anderen Zusammenhängen kennt, nämlich „Herr der Ringe“ und „Fluch der Karibik“. Der Schauspieler agiert hier äußerst sparsam; seine Mimik und Gestik sind extrem zurückgenommen, die Verletzungen seiner Figur, der Schmerz und die seelische Unruhe bleiben stets spürbar. Umso mehr überraschen die Gewaltausbrüche, mit denen Malky sich immer wieder ins Abseits stellt. Bloom trägt dessen zwei Seiten überzeugend nach außen. Er trägt diesen Film fast allein.

 

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