Swinging Summer - Willkommen in den 70ern

Komödie | Australien 2018 | 92 Minuten

Regie: Stephan Elliott

In den 1970er-Jahren wächst ein Teenager in der Suburbia-Nachbarschaft eines australischen Küstenortes auf. Rund um den Jungen, der Filmemacher werden will und mit einer Super-8-Kamera erste Experimente macht, entfaltet sich ein turbulentes Familienspektakel rund um die Eltern des Jungen, zwei mit ihnen befreundete Nachbars-Paare samt den diversen Kindern. Während die Eltern dabei sind, zu versuchen, die sexuelle Revolution in ihren bürgerlichen Alltag einzubauen, und sich dabei auch kräftig die Haare kriegen, nähert sich der Junge einem versponnenen Nachbarsmädchen an, in das er verliebt ist. Ohne einen tragfähigen roten Faden funktioniert der Film vor allem als gutgelauntes, nostalgisch verklärendes, etwas konfuses Stimmungsbild der 1970er. Obwohl viele Gags etwas lauwarm ausfallen, verleiht das engagierte Schauspielerensemble dem Ganzen durchaus Charme.

Filmdaten

Originaltitel
SWINGING SAFARI
Produktionsland
Australien
Produktionsjahr
2018
Regie
Stephan Elliott
Buch
Stephan Elliott
Kamera
Brad Shield
Musik
Guy Gross
Schnitt
Sue Blainey · Annette Davey · Laurie Hughes
Darsteller
Atticus Robb (Jeff Marsh) · Jeremy Sims (Bob Marsh) · Asher Keddie (Gale Marsh) · Guy Pearce (Keith Hall) · Kylie Minogue (Kaye Hall)
Länge
92 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Lighthouse
Verleih Blu-ray
Lighthouse
DVD kaufen
Diskussion

Eine australische Komödie als Hommage an die 1970er-Jahre und den Versuch, die sexuelle Revolution in den bürgerlichen Vorort-Familienalltag zu intergrieren.

Die 1970er-Jahren werden nicht zuletzt deshalb gerne als „wildes“ Jahrzehnt gehandelt, weil in ihnen die sexuelle Revolution muntere Blüten trieb. Einen spielerischen Auswuchs davon wollen die Eltern der drei Familien, um die es in der Komödie „Swinging Summer – Willkommen in den 70ern“ geht, als krönenden Abschluss einer gemeinsamen Party zelebrieren: Die Männer werfen ihre Autoschlüssel in ein Gefäß, und die Frauen sollen je einen davon herausfischen und damit auslosen, welcher der Herrn sie nach Hause und ins Bett begleiten darf. Leider gibt es eine Panne: Die Hand von Gale Marsh (Asher Keddie) bleibt im Hals der Vase feststecken. Es hat nicht sollen sein! Später zelebrieren die sechs Freunde den Partnertausch einfach gemeinschaftlich direkt vor Ort – der Versuch in freier Liebe wirkt allerdings etwas arg angestrengt und wird schließlich vorschnell abgebrochen.

Man kennt das Swinger-Schlüsselspiel u.a. schon aus Ang Lees vorzüglichem Melodram „Der Eissturm“, das wie Stephan Elliotts „Swinging Summer“ eine Familiengeschichte aus den 1970ern erzählt.  Der Blick, der da jeweils auf die Ära geworfen wird, könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein, was nicht nur an der konträren, die Stimmung prägenden jahreszeitlichen Verortung liegt. Während „Der Eissturm“ vom tragischen Auseinander-Driften einer amerikanischen Familie erzählte und darin im Privaten auch das desillusionierte gesellschaftliche Klima der USA nach Vietnamkrieg und Watergate spiegelte, schaut der australische Film mit sanftem Spott, aber bestens gelaunt auf das Jahrzehnt zurück. Die damals modische, unsägliche Polyesterkleidung mag in Kombination mit sorglos aufgestellten Weihnachtskerzen ein paar Brandnarben hinterlassen und der Anblick einer elterlichen Orgie das Teenager-Gemüt erschüttert haben, insgesamt war es aber doch eine vitale, unheimlich lustige Zeit, so das Fazit des Films.

Die Story, an der Drehbuchautor und Regisseur Stephan Elliot („Priscilla, Königin der Wüste“) das festmacht, ist einigermaßen dünn. Da ist im Zentrum der vierzehnjährige Jeff Marsh (Atticus Robb), der als angehender Filmemacher vornehmlich durch seine Super-8-Kamera auf die Welt blickt, die Nachbarskinder als Schauspieler anheuert und zu wahnwitzigen Stunts antreibt. Und da ist der tote Wal, der zu Beginn am Strand angeschwemmt wird und für Jeff und das etwas versponnene, melancholische Nachbarsmädchen Melly (Darcey Wilson), in das er verliebt ist, zu einer Art Bindeglied: die zwei, vor allem aber Melly, fühlen sich ein bisschen als „fish out of water“ in ihrem Umfeld und träumen davon, irgendwann gemeinsam auszubüchsen.

Drumherum: das Chaos der Marsh-, Jones- und Hall-Clans, die in Nachbarshäusern in einem idyllischen Vorort irgendwo an Australiens Küste leben, gemeinsam feiern, am Strand abhängen oder sich auch mal kräftig in die Haare kriegen. Materiell sind Jo Jones (Radha Mitchell), die eine Reiseagentur betreibt, und ihr Mann Rick (Julian McMahon) noch ein bisschen besser gestellt als ihre gutbürgerlichen Nachbarn und sehen sich auch als mondän-freigeistige Vorreiter, wenn es um Partys und sexuelle Eskapaden geht; der Hall-Vater (Guy Pearce) kämpft mit einem Vertreter-Job, während sich seine Gattin (Kylie Minogue) zudröhnt und das Haus nicht gerne verlässt; die Marshs sind noch am konventionellsten – weswegen es Vater Bob (Jeremy Sims) auch auf die Palme bringt, wenn die Nachbarjungs bei seiner experimentierfreudigen Tochter, Jeffs großer Schwester Bec, Schlange stehen.

Wirklich tragfähige Konfliktlinien gewinnt Stephan Elliott dem Szenario nicht ab – und will es wohl auch gar nicht, sondern sich einfach dem Lebensgefühl, der Musik und den Kuriositäten des Jahrzehnts hingeben, Lavalampe inklusive. Dass die komödiantischen Spitzen oft etwas lauwarm bleiben – bis hin zu einem Finale, das ein bisschen an den legendären Froschregen in „Magnolia“ erinnert – fangen die Erwachsenen-Darsteller einigermaßen auf, die angesichts des umfangreichen Ensembles zwar kaum Raum haben, ihre Figuren zu vertiefen, sich aber bestens gelaunt ins Zeug legen, um die Charaktere so schräg und lustig wie möglich wirken zu lassen. Der gnädige, entspannte Blick, mit dem der 1964 in Sydney geborene Filmemacher hier auf seine eigene Jugendzeit zurückblickt und auf die Versuche seiner Elterngeneration, die sexuelle Befreiung irgendwie in den bürgerlichen Familienalltag hineinzuretten, hat auch dank ihnen im Ganzen durchaus seinen Charme.

Kommentar verfassen

Kommentieren