Ich war noch niemals in New York

Musical | Deutschland/Österreich 2019 | 129 Minuten

Regie: Philipp Stölzl

Verfilmung des gleichnamigen Bühnenmusicals, das 2007 in Hamburg Premiere feierte. Eine alte Dame verliert nach einem Unfall ihr Gedächtnis und fährt als blinde Passagierin auf einem Kreuzfahrtschiff nach New York, im Schlepptau ihre eitle Tochter und deren homosexueller Maskenbildner. Während der Überfahrt finden alle drei auf Umwegen die große Liebe. Das bonbonfarbene, grell ausgestattete Musical bildet den Rahmen für zahlreiche Lieder von Udo Jürgens. Da die Schauspieler nach ihrem Bekanntheitsgrad und nicht nach ihrem stimmlichen Können ausgewählt wurden und die Inszenierung überdies recht kitschig und oberflächlich gerät, hält sich das Vergnügen in Grenzen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Österreich
Produktionsjahr
2019
Regie
Philipp Stölzl
Buch
Alexander Dydyna · Philipp Stölzl
Kamera
Thomas W. Kiennast
Musik
Christoph Israel · Udo Jürgens
Schnitt
Sven Budelmann
Darsteller
Heike Makatsch (Lisa Wartberg) · Moritz Bleibtreu (Axel Staudach) · Katharina Thalbach (Maria Wartberg) · Michael Ostrowski (Maskenbildner Fred) · Uwe Ochsenknecht (Eintänzer Otto)
Länge
129 Minuten
Kinostart
17.10.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Musical

Heimkino

Verleih DVD
Universal
Verleih Blu-ray
Universal
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Verfilmung des gleichnamigen Bühnenmusicals, das 2007 in Hamburg Premiere feierte und ganz um die Songs von Udo Jürgens kreist.

Diskussion

Das 1982 von Michael Kunze komponierte Lied „Ich war noch niemals in New York“ ist auf ewig mit Udo Jürgens verbunden, ähnlich wie „Griechischer Wein“ und „Mit 66 Jahren“. Es ist ein Song der nagenden Sehnsüchte und unerfüllten Träume, eine Klage über verpasste Chancen und die kleine Hoffnung, seinem Leben vielleicht noch eine Wendung zu geben.

Ein Familienvater geht nach dem Abendessen schnell noch Zigaretten holen und überlegt unterwegs, wie es wäre, seinem spießigen Leben zu entfliehen und endlich an die Orte zu reisen, deren Namen schon so lange locken: New York, Hawaii, San Francisco. Doch der Traum bleibt nur ein Traum – schon ruft die Frau, wo er denn bleibe. Weil der Refrain so eingängig das Ohr trifft, schmerzt die Wehmut nicht so sehr.

2007 feierte das gleichnamige Musical in Hamburg Premiere, später machte es in Wien, Stuttgart, Oberhausen und Berlin Station, bevor es wieder nach Hamburg zurückkehrte. Jetzt folgt die Filmversion, inszeniert von Philipp Stölzl.

Von Shakespeare bis Hollywood

Den Spießer des Liedes verlieren Bühnen- wie Film-Musical aus den Augen. Im Mittelpunkt stehen jetzt drei Paare, die auf einer Kreuzfahrt nach New York nach einigen Umwegen erst noch zueinander finden müssen. Es geht also um Liebe und Beziehungen, um die Bürde des Alters und Homosexualität. Und um Träume, die man sich gegen alle Widerstände erfüllen muss.

Da ist Maria Wartberg, die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verloren hat, aber trotzdem unbedingt nach New York will und sich deshalb als blinde Passagierin an Bord der MS Maximiliane geschmuggelt hat. Ihrer Tochter Lisa, einer eitlen, ebenso erfolgsverwöhnten wie zickigen Fernsehmoderatorin, bleibt nicht anderes übrig, als sich zusammen mit ihrem Maskenbildner Fred an die Fersen der Mutter zu heften. Kaum an Bord, lernt Lisa den Witwer Axel Staudach und seinen Sohn Florian kennen. Keine Liebe auf den ersten Blick, aber man kennt dieses Prinzip der holprigen Annäherung zur Genüge, von Shakespeare bis Hollywood.

Ihre Mutter hingegen verknallt sich in den Eintänzer Otto, der behauptet, mit der alten Dame sogar eine gemeinsame Vergangenheit zu haben – woran Maria sich beim besten Willen nicht erinnern kann. Fred hingegen verliebt sich in den griechischen Bordzauberer Costa. Mit dieser Figurenkonstellation nimmt das Spiel vom Finden und Verlieren der Liebe seinen Lauf.

Eine Bühne für die Songs

Soweit die nichtssagende Handlung, die nur der Aufhänger für die zahlreichen Lieder von Udo Jürgens ist. Man könnte einwenden, dass auch in US-amerikanischen Musicals das Geschehen häufig nur den Rahmen für spektakuläre Tanz- und Gesangsnummern bildet. Doch ein bisschen mehr Anspruch, Spannung und Stringenz hätten es schon seit dürfen. Udo Jürgens’ Lieder werden immer dann gesungen, wenn sie sich halbwegs inhaltlich rechtfertigen lassen.

Ein griechischer Zauberer? Da darf „Griechischer Wein“ nicht fehlen, und zur Liebe im Alter passt natürlich „Mit 66 Jahren“. Die Schlager von Udo Jürgens sind hier das A und O. Wer sie nicht mag, sitzt im falschen Film. Darüber hinaus sind Präsenz und Berühmtheit der Schauspieler wichtiger als ihre Stimmen, das gilt vor allem für Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht und Katharina Thalbach, denen Volumen, Höhe und Phrasierung fehlen. Wenigstens kann Thalbach dieses Manko durch ihre charmant-burschikose Interpretierung der tütteligen Dame wettmachen.

Stilistisch gefällt sich Stölzl in einer bonbonfarbenen Ausstattung und grellem Kostümdesign, hellblaue und pinkfarbene Hemden zu weißen Hosen – so sehen hier die Männer aus, bei den Frauen wirken die Farben abgestimmter.

Im Studio gedreht

Stölzl hat fast ausschließlich im Studio gedreht, so als sei dies ein US-amerikanisches Musical der 1950er-Jahre. Doch Vergleiche mit Vincente Minnelli und Stanley Donen verbieten sich von selbst. Nicht einmal ein thematisch verwandtes Musical wie „Schiff ahoi!“ (1942) möchte man im selben Atemzug nennen. Denn Heike Makatsch ist nun mal nicht Eleanor Powell.

Zugegeben: Es gibt ein, zwei schöne, ansprechend choreografierte Massentanzszenen, und ein, zwei stille Momente lassen den Zuschauer verschnaufen. Doch insgesamt ist „Ich war noch niemals in New York“ eine kitschige und oberflächliche Angelegenheit.

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