Buffalo Boys

Western | Indonesien 2018 | 94 Minuten

Regie: Mike Wiluan

Zwei junge Männer kehren aus dem Wilden Westen in ihre indonesische Heimat zurück, um Rache zu nehmen an dem holländischen Kolonialherrn, der einst ihren Vater tötete und auch jetzt noch mit seinen Schergen die Bevölkerung grausam knechtet. Eine indonesische Western-Variante, die mit drastischen Gewaltspitzen kritisch die Kolonialvergangenheit Indonesiens herauf beschwört und dies als Basis für eine solide inszenierte Rachegeschichte nimmt. Dabei übernimmt der Film allerdings auch die etwas altbackenen Geschlechterstereotype traditioneller Western. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
BUFFALO BOYS
Produktionsland
Indonesien
Produktionsjahr
2018
Regie
Mike Wiluan
Buch
Raymond Lee · Mike Wiluan
Kamera
John Radel
Musik
Yudhi Arfani · Zeke Khaseli
Schnitt
Sean Albertson
Darsteller
Yoshi Sudarso (Suwo) · Ario Bayu (Jamar) · Pevita Pearce (Kiona) · Tio Pakusadewo (Arana) · Reinout Bussemaker (Van Trach)
Länge
94 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 18
Pädagogisches Urteil
- Ab 18.
Genre
Western

Heimkino

Verleih DVD
Busch Media
Verleih Blu-ray
Busch Media
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Diskussion

Eine grimmige Western-Variation aus Indonesien um die Rache zweier junger Männer an einem holländischen Kolonialherrn.

Sogenannte „Hybridwestern“ sind vor allem in ostasiatischen Kinematographien schon mit bemerkenswerten Ergebnissen realisiert worden, wenn „hybrid“ auch als kulturelle Vermischung verstanden wird und nicht nur als Mischung verschiedener Genre-Einflüsse: Filme wie Sukiyaki Western Django (Japan 2007), Tears of the Black Tiger (Thailand 2000) oder The Good, the Bad, the Weird (Südkorea 2008) referieren auf unterschiedliche Ästhetiken des Western-Genres, bewegen sich aber zugleich in einer Zwischenwelt kultureller Traditionen, in denen Genre-Elemente eine wesentliche Rolle spielen, sich darin aber nicht erschöpfen: Sie entwerfen weniger Narrative des Wilden Westens als vielmehr Deutungen der eigenen Historie, die meist eine von Kolonialisierung geprägte ist.

Einen solchen Weg schlägt auch der indonesische Regisseur Mike Wiluan mit „Buffalo Boys“ ein. Er beginnt auf ähnliche Weise, wie das schon frühere Filme gemacht haben: Die Helden kehren aus dem Wilden Westen, wo sie lebensnotwendige (Kampf-)Fähigkeiten erlernt haben, in die Heimat zurück. Auch das Motiv ist aus dem Western hinreichend bekannt: Rache. Denn der Vater der beiden jungen Männer Suwo und Jamar ist getötet worden, als sie noch Babys waren und selbst nur entkommen konnten, weil ihr Onkel sie in Sicherheit brachte. Dieser Einfachheit des Plots korrespondiert zunächst eine spielerische, fast comichafte Ästhetik. So beginnt der Film mit einer Standardsituation, in diesem Fall einem testosterongetränkten Zweikampf zwischen einem Hünen von Mann, einer regelrechten Kampfmaschine, und einem der beiden smarten Brüder, der beim Zweikampf auch das Gehirn zu Rate zieht.

Drastische Gewaltspitzen

Als sie jedoch in die Heimat zurückkehren und das Dorf, in das es sie zunächst verschlägt, von eben jenem niederländischen Kolonialisten Van Trach tyrannisiert wird, der auch ihren Vater auf dem Gewissen hat, wird der Ton rauer und tragischer. Einher geht dies mit Gewaltszenen, die gar nicht mehr so spielerisch, sondern auf geradezu exzessive Art und Weise realistisch sind. Da wird einer Frau ein Brandeisen in den Unterarm eingebrannt, eine weitere Frau wird erbarmungslos ausgepeitscht; danach öffnet ihr Peiniger Van Trach seinen Hosenschlitz und vergewaltigt sie.

Diese krassen Opferbilder lassen sich durchaus dadurch begründen, dass die koloniale Gewalt in ihrer Drastik gezeigt werden soll. Doch brauchen die Zuschauer das noch? Haben wir nicht gerade im Westerngenre schon genug Frauenfiguren gesehen, die zum Opfer sexueller Gewalt werden, damit der Film möglichst effektiv eine Rache-Geschichte erzählen kann?  Hinter der Kolonialismus-Kritik stoßen einem dabei die stereotypen Rollenzuschreibungen von männlichem Machismo und weiblichen Opfern bitter auf.

Immerhin gibt es in „Buffalo Boys“ Ansätze dazu, diese Stereotypen zu unterlaufen. Als die beiden Brüder mit ihrem Onkel in das Dorf kommen, in dem Van Trach sein Unwesen treibt, erleben sie ein beeindruckendes Schauspiel: Eine Person, deren schwarzes Kostüm an Ninjas erinnert, reitet auf einem asiatischen Büffel und versenkt mit dem Bogen abgeschossene Pfeile treffsicher in umherstehenden Zielobjekten aus Stroh. Ein magischer Moment, der in Zeitlupe gezeigt wird. Die beiden Brüder gehen davon aus, dass es sich bei diesem beeindruckenden Reiter und Schützen um einen Mann handeln muss. Umso größer ist ihre Irritation, als sie feststellen, dass es sich um Kiona, eine junge Frau, handelt. Wenig später folgt allerdings eine Szene, in der Kiona das Bogenschießen übt und Suwo hinzukommt: Er beginnt ihr zu erklären, wie sie ihre Treffsicherheit erhöhen könne und kommt ihr näher, um ihren Körper entsprechend auszurichten – eine altbackene Standardsituation, die man ähnlich aus diversen Genres kennt, wenn ein Mann einer Frau erklärt, wie mit einer Pistole zu zielen oder der Tennisschläger richtig zu schwingen sei und ihr dabei auf die Pelle rückt.

Eine solide Variation, aber nichts Neues

Mit solchen Handlungsstereotypen hebelt der Film das zuvor etablierte gewitzte Spiel mit Geschlechterrollen fast wieder aus. So ist es auch im weiteren Verlauf des Films: Kiona büßt immer mehr ihrer kämpferischen Eigenschaften ein, sucht Schutz in männlicher Stärke und wird unvorsichtig, nur weil es die Dramaturgie so will.

Es sind denn auch schließlich einmal mehr die jungen männlichen Helden, die auf den Büffeln zum Showdown und am Ende auch dem Sonnenuntergang entgegenreiten. Die Frau geht einmal mehr leer aus, und als Zuschauer fragt man sich, was daran nun kulturell konnotiert ist und was durchs Western-Genre geprägt, das „Buffalo Boys“ durchaus solide variiert, ohne ihm aber etwas wesentlich Neues abzugewinnen.

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