The Handmaid's Tale - Staffel 3

Science-Fiction | USA 2019 | Minuten

Regie: Mike Barker

In der Fortführung der Serie, die von einem faschistoid-frauenfeindlichen Staat erzählt, lebt die Hauptfigur wieder als Magd in Gilead, arbeitet jedoch weiterhin am Umsturz des Regimes. Dabei scheint sie eine mächtige Verbündete zu finden, doch durch diverse Verwicklungen muss sie Rückschläge in Kauf nehmen. Wie die Serie ihre Dystopie als deutlichen Kommentar zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen entwirft, ist weiterhin faszinierend, ästhetisch durchdacht und von erstklassigem Schauspiel getragen. Allerdings wirken die Haken, die der Plot schlägt, mitunter weniger als stimmige Entwicklung denn als kalkulierte Dehnung des Stoffes, um Erzählmaterial für eine weitere Staffel zu haben.

Filmdaten

Originaltitel
THE HANDMAID'S TALE SEASON 3
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Mike Barker · Daina Reid · Amma Asante · Deniz Gamze Ergüven · Dearbhla Walsh
Buch
Bruce Miller · Lynn Renee Maxcy · Nina Fiore · John Herrera · Kira Snyder
Kamera
Colin Watkinson · Zoe White · Stuart Biddlecombe
Musik
Adam Taylor
Schnitt
Wendy Hallam Martin · Christopher Donaldson · Aaron Marshall · Ana Yavari
Darsteller
Elisabeth Moss (June) · Yvonne Strahovski (Serena Joy Waterford) · Joseph Fiennes (Fred Waterford) · Ann Dowd (Lydia Clements) · Amanda Brugel (Rita)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Genre
Science-Fiction | Serie
Diskussion

Elisabeth Moss kämpft sich in einer weiteren Serienstaffel durch die misogynen Abgründe des dystopischen Staates Gilead.

„Die Revolution beginnt“, heißt es im Teaser zur dritten Staffel von „The Handmaid’s Tale“, jener Serie um ein fiktives faschistoides, frauenfeindliches Gesellschaftssystem, die sich in Staffel 1 an Margaret Atwoods gleichnamigen Kultroman anlehnte, ab Staffel 2 allerdings den Stoff frei weiterspinnt. Staffel 1 und 2 hatten davon erzählt, wie sich die zur entrechteten „Magd“ Offred degradierte June Osborne (Elisabeth Moss) trotz Rückschlägen gegen das Regime auflehnte. In Staffel 3 feilt sie nun aus dem Inneren des Staates Gilead heraus an dessen Umsturz. Ein Vorschlag, den sie Serena unterbreitet, der ebenfalls mit dem Widerstand sympathisierenden Frau eines der Machthaber, zeigt Wirkung: Serena solle sich nicht von ihrem Mann trennen, sondern Macht und Einfluss, die ihr die Rolle als Ehefrau von Commander Waterford (Joseph Fiennes) verleiht, nutzen, um den Widerstand gegen Gilead zu unterstützen. Zufrieden lehnt sich June auf der Liege im Hallenbad eines jener Herrenhäuser zurück, die beseitigt werden müssen, und zieht genüsslich an der Zigarette, die ihr gerade angeboten wurde. Es scheint, dass sie eine mächtige Verbündete gewonnen hat.

Der Umsturz wird aufgeschoben

So könnte der sich zuvor bereits im Hause Lawrence (wo June mittlerweile als Magd lebt) formierende Widerstand weitergehen. Doch nur kurze Zeit später schlägt die Handlung einen Haken, als Serenas revolutionäre Energie angesichts einiger Verwicklungen, die mit jenem Baby zusammen hängen, das June als Magd für Serena und ihren Mann in Staffel 2 auf die Welt brachte, zugunsten ihres Mutterinstinkts zu verpuffen droht. Das ist dramaturgisch gewiss geschickt gemacht, allein: das Spiel mit Wendepunkten mag zwar für die Zuschauer emotionalisierend und spannungsfördernd sein, für die Repräsentation von Weiblichkeit – in der Serie ein zentrales Thema – ist es in diesem Fall aber eher unbefriedigend. Im Unterschied zum Machtmenschen Fred Waterford, wird Serenas Handeln nämlich ausschließlich an ihre Gefühle als Mutter gebunden.

Der neue, für Staffel 3 zentrale, Handlungsort Washington wird zudem dafür genutzt, an die zweite Staffel anzuschließen und die sadistische Körperpolitik der Elite Gileads gegen die Mägde einer bewährten Überbietungsstrategie folgend in Szene zu setzen – das hatte in Staffel 2 schon etwas platt gewirkt und tut es hier wieder. Nachdem in den ersten Folgen der dritten Staffel erfreulicherweise ein neuer Ton eingeschlagen wird, der den unterdrückten Frauen Gileads immer mehr Selbstermächtigung zugesteht und zu neuen Kollaborationen führt, ist also zur Staffelhalbzeit der Status Quo fast wiederhergestellt. Als Ornament der Masse formiert, werden die Mägde für eine Medieninszenierung instrumentalisiert.

Ein nach wie vor faszinierender Stoff, aber eine etwas durchsichtige Erzähltaktik

Die Art und Weise, wie die Serie ihre Dystopie als deutlichen Kommentar zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen entwirft, ist weiterhin faszinierend, ästhetisch durchdacht und von erstklassigem Schauspiel getragen – da besteht kein Zweifel. Doch die Erzählstrategie ist allzu durchsichtig. Im Schneckentempo geht die vollmundig angekündigte Revolution voran und wird ein ums andere Mal verschleppt, damit der seriellen Fortsetzung nicht der Stoff ausgeht.

Margaret Atwood, die die Serie sehr schätzt, geht da in ihrem Roman-Sequel „Die Zeuginnen“, für das sie unlängst mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde, origineller vor. Nicht mehr um den „Report der Magd“ geht es ihr, sondern um mehrere Perspektiven anderer Frauen, die in Gilead gelebt haben bzw. geboren wurden. Ein solches Spiel mit Perspektiven wäre in der Serie grundsätzlich auch möglich gewesen (aber vielleicht war den Machern Atwoods neues Buchprojekt bekannt?). Dafür ist Hauptdarstellerin Elisabeth Moss aber zu prägend für die Serie geworden. Die erzählte Geschichte muss bei ihr bleiben, so wie sie in „Breaking Bad“ bei Walter White bleiben musste und dann erst in einem Spin-off zu anderen Figuren wechseln konnte.  

Wenige Wochen nach der Premiere der dritten Staffel kündigte das Videoportal Hulu an, dass eine vierte Staffel „The Handmaid's Tale“ produziert werde – kein Wunder also, dass die erfolgreiche Revolution in Staffel 3 noch warten muss: das Geschäft will es. Vor dem Hintergrund der Frauenfeindlichkeit der Trump-Regierung, die sich aktuell in einer Verschärfung der Abtreibungsgesetze zeigt (worauf Darsteller*innen der Serie in einem Spot hinweisen), wäre es aus Motivationsgründen aber vielleicht besser gewesen, die Zerschlagung Gileads früher zum Abschluss zu bringen.

Kommentar verfassen

Kommentieren